Jura im Kt. Solothurn CH
Inhaltsverzeichnis
- 1 Karte Kt. Solothurn, Schweiz
- 2 Einleitung
- 3 Kantonsgestalt einem Vogel vergleichbar - Speck und Schwarte
- 4 Der Solothurner Faltenjura
- 4.1 Wichtigere Ketten des Solothurner Jura
- 4.1.1 Blauen- und Landskronkette
- 4.1.2 Vorburgkette
- 4.1.2.1 (1) Bärschwil über Grindel bis Chienberg (768m)
- 4.1.2.2 (2) Langi Flue (594m) und Ruine Thierstein bei Lüsseldurchbruch zwischen Erschwil und Büsserach
- 4.1.2.3 (3) Oestliche Fortsetzung bis Meltingen
- 4.1.2.4 (4) Meltingen bis Reigoldswil
- 4.1.2.5 (4a) Uebergangszone zum Tafeljura des Gempenplateaus (Gemeinden Himmelried und Seewen)
- 4.1.3 Passwangkette
- 4.1.4 Brunnersbergkette
- 4.1.5 Weissensteinkette
- 4.1.6 Verenakette (nördlich Solothurn = Vorfalte des Kettenjuras)
- 4.1.7 Born-Engelbergkette (südlich Olten = Vorfalte des Kettenjuras)
- 4.2 "Brandungszone" Belchen, Unterer Hauenstein, Schafmatt
- 4.3 Täler im Solothurner Jura
- 4.1 Wichtigere Ketten des Solothurner Jura
- 5 Der Solothurner Tafeljura
- 6 Bibliografie
- 7 Links
- 8 Fotoserien
Karte Kt. Solothurn, Schweiz
Einleitung
Als Naturlandschaft hat der Schweizer Kanton Solothurn Anteil an den folgenden Landschaften:
- Schweizerisches Mittelland
- Jura (Ketten- oder Faltenjura und [zum kleineren Teil] Tafeljura
- Rheintalgraben ("Leimental")
- vgl. auch "Schwarzbubenland" (Amtei Dornach-Thierstein)
Die folgende Zusammenstellung fusst auf Wiesli 1969 (s.u. Bibliografie)
Kantonsgestalt einem Vogel vergleichbar - Speck und Schwarte
"Der Kanton Solothurn hat die merkwürdigste Form von allen Schweizer Kantonen. Seine Gestalt ist schon mit einem Vogel verglichen worden: der Kopf im weit abgelegenen Kienberg, die Flügel im Schwarzbubenland, Wasseramt und Bucheggberg, das Schwanzsteuer aber im oberen Leberberg. Das Rückenmark wird gebildet von Aare und Dünnern und ihren Seitenbächen im Weissensteingebiet. Die zähen Knochen sind wohl die markanten Jurakämme des Wisenberg, Hauenstein, Weissenstein, Passwang und Blauen, während die feinen Knöchel im Bucheggberg, Wasseramt und Niederamt zu finden sind.
Wenn einst bei der Erbteilung zwischen Bern, Solothurn und Basel unser Kantonsteil zu kurz kam, da Bern und Basel den "Speck" erhielten, Solothurn aber mit der "Schwarte" vorlieb nehmen musste, so kann sich Solothurn trotz dieser Neckerei mit seinem heutigen Gebiet gut abfinden. Wohl ist die Vogelgestalt so mager, dass keine Gemeinde des Kantons mehr als eine Wegstunde von der Kantonsgrenze wegliegt. Auch die vielen Jurahöhen bringen dem Landwirt weniger Nutzen als die fruchtbaren Gefilde im benachbarten Bern- und Baselbiet. Aber auf Solothurner Seite hat sich die rührige Bevölkerung schon längst nach anderer Arbeit in Industrie, Gewerbe, Handel und Verkehr umgesehen, so dass der heutige Kanton zu den industriereichsten und am stärksten bevölkerten im ganzen Schweizerland gezählt werden kann".
Zit. M. Kamber: "Solothurner Geographie", in: Lisser, Adolf und Loretz, Josef: Schweizer Wanderbuch 6. Solothurn und Umgebung. 3. Aufl. Bern: Kümmerly & Frey 1979, S. 121.
Der Solothurner Faltenjura
Die Ketten werden gegen Osten allmählich niedriger, und die Höhe der Ketten nimmt in der Regel gegen Norden zu ab.
"Schon in der Primarschule lernt man, dass im Raum Solothurn-Olten-Basel fünf Ketten hintereinander liegen: Weissenstein-, Farisberg-, Passwang-, Hauenstein- und Blauenkette" (Hugo Ledermann).
Wichtigere Ketten des Solothurner Jura
Von N (Basler Region) nach S (Mittelland).
Blauen- und Landskronkette
Grenzberge zum Rheintalgraben; nördlichste Teile des solothurnischen und schweizerischen Faltenjuras. Höhere Blauenkette, niedrigere Landskronkette.
Blauen 875-720m
Landskron 558m
Blauen-Kette
Gegen 20 km lang, im W bei Kiffis beginnend.
- Moosmattenberg
- Fluhberg (Längsstörung nördlich des Fluhberges)
- Challhöchi
- Blauenberg (837m)
- Eggberg (Uf Egg)
Bis jenseits der Birs NE von Grellingen.
Landskron-Kette
Die Landskron-Kette löst sich im Osten in der Gegend südlich von Ettingen aus dem N-Schenkel der Blauen-Antiklinale ab. In WNW-Richtung verlaufend, entwickelt sie sich zu einer assymmetrischen, etwa 1 km breiten, von Längsstörungen durchsetzten Vorfalte. Westhin ansteigend bis zur auffälligen Landskron-Verwerfung (Waldeck-Leymen). Der nur schwach ausgeprägte S-Schenkel der Landskron-Kette geht rasch über in die flache Mulde von Hofstetten. Der N-Schenkel zeigt steiles Einfallen gegen den Rheingraben. Westlich der Landskron-Verwerfung knickt die Kette fast rechtwinklig gegen SSW ab (Richtung Burg), mit nur noch geringfügigem Antiklinal-Charakter. Nahezu monoklinal fallen die Schichten flexurartig gegen NW hin (Flexurzone von Leymen-Burg). Im Abschnitt Leymen-Ettingen ist die Landskron-Kette wohl nordwärts über den Flexurrand hinaus auf das rheintalische Vorgelände. Von gewissen Autoren wird die Landskron-Struktur gelegentlich zum Tafeljura gerechnet, zusammen mit der flachen Mulde von Hofstetten (Metzerlen-Mariastein-Hofstetten).
Details zur Blauen-Kette und zur Landskron-Kette vgl. Geologischer Atlas der Schweiz 1:25 000, Nr. 80 (1988), Blatt 1067 Arlesheim.
vgl. auch Geologischer Datenviewer
Vorburgkette
Vgl. Vorbourg (frz.)/Vorburg (dt.) bei Delémont. Nördlich Delsberg in östlicher, dann etwas nordöstlicher Richtung bis in die Gegend von Reigoldswil streichend. Falte gliedert sich in vier Abschnitte:
(1) Bärschwil über Grindel bis Chienberg (768m)
- Südschenkel: Fringelikamm - Grindeler Stierenberg
- Nordschenkel: Bei Bärschwil über 1 km nordwärts auf die Mulde von Liesberg im Birstal und auf den S-Rand des Laufener Beckens geschoben; Ueberschiebungsmassen: Stürmerkopf (769m) - Kallhalden - Eggfels (569m) - Kienberg/Chienberg (768m)
- Talung von Bärschwil = Antiklinaltal (frz. Combe)
- Geologische Wanderung Bärschwil
(2) Langi Flue (594m) und Ruine Thierstein bei Lüsseldurchbruch zwischen Erschwil und Büsserach
- Im Kern der Falte bei Erschwil ist der S-Schenkel über den N-Schenkel geschoben worden
- Felsenzahn unter der Ruine Thierstein
(3) Oestliche Fortsetzung bis Meltingen
- Oestliche Fortsetzung bis Meltingen = stark gestört
(4) Meltingen bis Reigoldswil
Die Vorburg-Kette geht allmählich in die Ueberschiebungszone über.
- N-Schenkel = Weit nordwärts vorgeschobener Höhenzug: Reben/Rebenfluh (698m), Chilchberg/Kirchberg (761m) nördlich Zullwil, Müleberg/Mühleberg (774m) nördlich Nunningen, Brand/Brandkopf (879m) nordwestlich Bretzwil
- Nunningen, Bretzwil
- Fenster von Oberkirch (NE Zullwil)
(4a) Uebergangszone zum Tafeljura des Gempenplateaus (Gemeinden Himmelried und Seewen)
Homberg (897m), Homberg nördlich Himmelried (793m), Rechtenberg (788m) südlich Seewen, Buechenberg (706m), Geissgägler (656m); Baslerweiher am Seebach
Passwangkette
Südlich der Vorburg-Antiklinale erstreckt sich die Passwangkette. Die Passwangkette trennt das solothurnische Schwarzbubenland vom übrigen (südlicher gelegenen) Kantonsgebiet. Die Kette löst sich südlich von Vermes vom Raimeux; Dorf Schelten (beim Scheltenpass); Hohe Winde (1204m); Vogelberg (1204m) zwischen Passwang und Wasserfallen. Nach der Ausbuchtung nach Norden am Passwang tritt die Kette über Dürrenberg - Chilchzimmer ins Scharungsgebiet des östlichen Faltenjuras Richtung Unterer Hauenstein ein; östlich endet die Kette südlich von Eptingen, etwa im Gebiet des heutigen Belchen-Tunnels.
Die Passwangkette ist kompliziert gebaut und im Norden von einer Synklinalzone begleitet; in der Umgebung der Kette finden sich auch mehrere Kurzketten.
- Zwei grosse Querbrüche im Passwang-Gebiet:
- Scheltenüberschiebung (von Scheltenmüli über Joggenhus an der Lüssel bis zum Gilgenberg südlich Zullwil)
- Querbruch, beginnend am Hinteren Erzberg beim Scheltenpass, bis zum Riedberg südlich Nunningen
- An der Hohen Winde eine Kurzkette vorgelagert, gewöhnlich nach dem Hof Nüsselboden benannt
- Scharung = Zusammenstreben von Faltengebirgen verschiedener Richtung
Brunnersbergkette
Sie bildet einen Teil der umfassenderen Graitery-Farisberg-Kette.
Sie tritt nördlich Gänsbrunnen und Welschenrohr ins Gebiet des Kt. Solothurn ein; Brandberg (1085m); Brunnersbergkette mit Gross Brunnersberg (1118m), zwischen Guldental im N und Balsthalertal im S; Oberberg; Laupersdorfer Stierenberg; Breitenberg südlich Ramiswil; dann unterbrochen von der Mümliswilerklus; nun (als Farisbergkette) zum Beretenchopf (1104m); über Langenbruck sich fortsetzend ins Scharungs- und Ueberschiebungsgebiet Richtung Unterer Hauenstein.
- Die Brunnersbergkette als "Rückgrat des solothurnischen Kettenjuras" (Urs Wiesli)
- Abrissnische am Brüllberg über Aedermannsdorf
Weissensteinkette
Stallflue 1413m, Hasenmatt 1444m (höchster Pkt. des Kantons), Kurhaus Weissenstein 1284m, Röti 1396m, Chambern 1227m, Rüttelhorn 1192m, Schwängimatt 1033m, Roggen 994m, Höchi Flue 966m
Links
- Geologischer Wanderweg Weissenstein
- Hugo Ledermann: Bipper Jura in: Jahrbuch Oberaargau 1990, S.133ff (pdf)
Verenakette (nördlich Solothurn = Vorfalte des Kettenjuras)
Born-Engelbergkette (südlich Olten = Vorfalte des Kettenjuras)
"Brandungszone" Belchen, Unterer Hauenstein, Schafmatt
In diesem Gebiet ist die Tektonik recht kompliziert, im Gegensatz zum westlicheren Faltenjura, wo sich das Grundschema Antiklinale (Sattel=Bergkamm) und Synklinale (Mulde=Talboden) recht deutlich ablesen lässt. Den Begriff der "Brandungszone" umschreibt Wiesli 1969:53-54 treffend: "Wie eine aus Süden heranbrausende Brandungswelle schlägt der Kettenjura an eine Küste auf. Diese Küste bleibt vom Mittelland aus zwar verborgen; es ist der Baselbieter und Fricktaler Tafeljura, der älter als der Faltenjura und ein Ueberrest des Sedimentmantels des Schwarzwaldes ist und gleichsam die Funktion einer starken Quaimauer ausgeübt hat. Ueberschiebungs-, Schuppen- und Brandungszone wird deshalb dieser Abschnitt des Juras nördlich zwischen Olten und Aarau genannt."
Belchenflue (1098m), Schafmatt, Gemeinde Hauenstein-Ifenthal
Täler im Solothurner Jura
Hofstetter Mulde
Tal von Kleinlützel
Guldental
Balsthalertal
Mulde westlich und östlich Olten
Isoklinaltäler
- Rumpel
- Nesselboden
- Allerheiligenberg
Antiklinaltäler
Im Frz. nennt man die jurassischen Antiklinaltäler "combes (f)"; die ein Antiklinaltal oftmals zu beiden Seiten begrenzenden Felskämme heissen "crêtes (f)".
- Limmeren
- antiklinaler Sattelzug Bretzwil-Zullwil-Erschwil-Bärschwil
- Wuest-Mieseren
Quertäler (sog. Klus)
Der Solothurner Tafeljura
Das Gempenplateau
Der Kienberger Zipfel
Bibliografie
Wiesli, Urs: Geographie des Kantons Solothurn. Solothurn: Kantonaler Lehrmittelverlag 1969
Links
- Geologische Sehenswürdigkeiten Kt. Solothurn
- Hugo Ledermann: Wanderweg Weissenstein (pdf)
- Wandern im Jura
- Jura-Höhenweg deutsch/frz./engl.
- Kt. Solothurn, Interaktive Karten
- GIS Wikipedia Geoinformationssystem
Fotoserien
- kick7in auf flickr Oensingen-Balsthal-Mümliswil-Passwang
- kick7in auf flickr Balmberg (Pass), Kt. Solothurn
- kick7in auf flickr Herbstausflug auf den Weissenstein ob Solothurn
- kick7in auf flickr Dünnerntal (Gänsbrunnen-Welschenrohr-Wolfsschlucht-Herbetswil)
- kick7in auf flickr Ruine Neu Falkenstein mit Rundsicht (Balsthal)
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