Steinerne Chronik


Quelle:
http://www.berlin.de/rbmskzl/regierender-buergermeister/wir-ueber-uns/berliner-rathaus/steinerne-chronik/artikel.9657.php
(am 29.9.2016 aufgerufen)




 

Auf Anregung des Baumeisters Waesemann erhielt das Berliner Rathaus einen zusätzlichen Fassadenschmuck, der die Geschichte der Stadt seit ihrer Gründung im 13. Jahrhundert anschaulich dokumentiert. An den Balkonen des ersten Obergeschosses ist zwischen 1877 und 1879 ein umlaufender Fries aus 36 Terrakotta-Tafeln der Bildhauer Brodwolf, Calandrelli, Geyer und Schweinitz angebracht worden, der unter dem Namen “Steinerne Chronik” bekannt wurde. Die Herausstellung der städtischen Interessen ist unverkennbar; ungefähr die Hälfte aller Tafeln zeigt das urbane Leben im Mittelalter: Markttreiben und Fernhandel, Gewerbefleiß, Gerichtsbarkeit und Alltagsleben der Bevölkerung. Die übrigen geben Auskunft über die Verdienste der preußischen Könige und den rasanten Aufstieg der Stadt im letzten Jahrhundert. Sie zeigen sowohl das Ende der städtischen Eigenständigkeit im 15. Jahrhundert wie auch deren Wiedererlangung Anfang des 19. Jahrhunderts. Mehrere Tafeln präsentieren Berlin als Wirkungsort bedeutender Wissenschaftler und Künstler sowie als Zentrum des liberalen Geistes im vorigen Jahrhundert. Mehrere Tafeln präsentieren Berlin als Wirkungsort bedeutender Wissenschaftler und Künstler sowie als Zentrum des liberalen Geistes im vorigen Jahrhundert.

Die Abbildungen sind voller Details und bildhafter Anspielungen. Wer der Chronik folgen will, beginnt an der Gustav-Böß-Straße (Ecke Spandauer Straße) und geht entgegen dem Uhrzeigersinn in Richtung Jüdenstraße. Die meisten Tafeln befinden sich als langes Band an der Vorderfront in der Rathausstraße, sonst an den Gebäudeecken und über den Portalen. Die wichtigsten Stationen:

Rathausseite Inhalt der Tafeln
Gustav-Böß-Straße Urbarmachung des Landes und Erbauung der Stadt
Jüdenstraße Häusliches Leben im Mittelalter (Fischer, Handwerker und Bürger)
Über dem Hauptportal Rechtspflege (Schandpfahl, Gerichtslaube und Raubmordszene)
2. Tafel links vom Hauptportal in der Rathausstraße Anerkennung der kurfürstlichen Hoheit, daneben: Schloßbau der Hohenzollern
7. Tafel rechts vom Hauptportal Verleihung der Städteordnung durch Friedrich Wilhelm III.
Spandauer Straße Industrieller Aufschwung
Ecke zur Gustav-Böß-Straße Begeisterung über Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches

Bei den Bombenangriffen sind am 18. März 1945 große Teile des Rathauses mit seinem Fries zerstört worden. Da die Entwürfe nur sehr unvollständig archiviert waren, bereitete die Rekonstruktion der Steinernen Chronik große Probleme. Beim Wiederaufbau des Rathauses ab 1951 stellte die Bevölkerung Fotos und Zeichnungen aus Privatbesitz zur Verfügung.

Weitere Informationen zur Steinernen Chronik

http://www.luise-berlin.de/fries/indexfrs.htm


Vgl. Wikipedia, Art. Rotes Rathaus:
https://de.wikipedia.org/wiki/Rotes_Rathaus

Vgl. Wikipedia, Art. zum Terrakottafries:
https://de.wikipedia.org/wiki/Terrakottafries_am_Roten_Rathaus_Berlin


Zur Geschichte des Frieses

Das heutige Berliner Rathaus -auch Rotes Rathaus genannt- wurde im Auftrag von Oberbürgermeister Heinrich Wilhelm Krausnick 1860 bis 1869 nach dem Entwurf von Hermann Friedrich Waesemann anstelle des historischen Rathauses errichtet.


Der damalige Oberbürgermeister Seydel nannte das neue Rathaus "ein Denkmal der selbständigen Tatkraft des Bürgertums". Solch bürgerliche Tatkraft wurde auch durch einen nachträglich an den Balkonen des ersten Obergeschosses angebrachten Fries - die »Steinerne Chronik von Berlin« - dokumentiert.

Den Fries haben 1877 bis 1879 vier Bildhauer geschaffen: Ludwig Gustav Eduard Brodwolf, Alexander Ludovico Calandrelli, Karl Ludwig Otto Geyer und Rudolf Schweinitz. Auf 36 Tontafeln ist in einem das Rathaus umlaufenden Reliefband die Geschichte der Stadt dargestellt - von ihrer Entwicklung in den Anfängen bis zur Zeit der nationalen Einigung 1871.

Neun der Terrakottatafeln sind im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Die Bildhauer Richard Schnauder und Hansfritz Werner haben 1952 bis 1954 nach den vorhandenen Bildvorlagen acht Tafeln restaurieren können. Das Relief mit den Porträtgruppen von in Berlin wirkenden Künstlern und Gelehrten unter König Wilhelm III. wurde vollkommen zerstört. An seiner Stelle wurde als Analogie ein Teil des Reliefs aus dem Treppenhaus der Nationalgalerie von der Museumsinsel eingefügt.

© Edition Luisenstadt, 1999            www.berlin-geschichte.de


vgl. auch:
http://www.berlin-geschichte.de/index.html

Terrakottazyklus "Von der Bekehrung der Slawen bis zur Reichsgründung 1871"

Benutzte Quelle:
http://www.luise-berlin.de/fries/indexfrs.htm

(Stand: 29. Sept. 2016)

A) Gustav-Böss-Str.  (= Nr. 1-4)


Beginn des Zyklus "Von der Slawenbekehrung bis zur Reichsgründung 1871"
1 Christianisierung der Slawen (Erste Tafel des Zyklus)



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Gewaltsame Zuführung. Ein Mönch deutet auf Gemeinsamkeiten der weltlichen und geistlichen Feudalkräfte hin. Ein vor ihm knieender Slawe empfängt die Taufe, das Sinnbild für die Christianisierung.
Zum Zeichen der gewaltsamen Unterwerfung der Slawen ist die umgeworfene Kultsäule eines Slawengottes zu sehen, auf die ein deutscher Ritter seinen Fuß gesetzt hat.


2 Urbarmachung der Mark


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Ein Mönch pflanzt einen Obstbaum. Erholungspause eines Holzfällers. Ein Bauer mit Ochsenpflug bei der Feldarbeit. Mahd des Getreides.

3 Gründung der Stadt Berlin um 1230

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Bauleute bei Zimmermannsarbeiten. Ein Ratsherr mit Amtskette, er hält eine Schriftrolle mit Siegel, darauf die Inschrift "Stadtrecht Berlin". Bauleute bei Maurerarbeiten.


4 Marktszenen

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Landleute bringen ihre Waren zum Marktplatz. Am Tor wird Zoll erhoben. Im Hintergrund ein Wirtshausschild mit gekreuzten Löffeln.



B) Jüdenstr. (= Nr. 5-8):


5 Häuslicher Alltag

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Großmutter am Spinnrad. Hilfe beim Laufenlernen. Begrüßung des Hausherren. Der Tisch wird gedeckt. Enkel und Großvater beim Lernen.


6 Am Pranger

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Dem Beschuldigten wird der Scheltbrief verlesen. Der Geldbeutel in der rechten Hand der Frau weist auf den beabsichtigten Freikauf hin. Angekettet am Schandpfahl (Kaak).



7 Gerichtsszenen (Alte Gerichtslaube)

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Roland Gericht in der alten Gerichtslaube Justitia


8 Raubszene, Raubüberfall in Berlin

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Fliehender Täter, die Beute unter dem Arm. Das niedergestreckte Opfer. Das Weib, den Täter verfluchend.


Zwei Porträtmedaillons

Heinrich Wilhelm Krausnick

 Der Oberbürgermeister H. W. Krausnick gab 1859 an den Architekten H. F. Waesemann den Auftrag zum Neubau des Rathauses

 

 

Hermann Friedrich Waesemann

 

Nach dem Entwurf des Architekten und Baumeisters Waesemann wurde von 1860 bis 1869 das Berliner Rathaus neu gebaut.



C) Rathausstr.  (= Nr. 9-289-19 lks. vom Hauptportal, 20-28 rts. vom Hauptportal)


9 Kirchliches Leben

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Eine Frau wird gesegnet. Der Priester traut ein junges Paar. Vor der Kirche erhält ein Bettler Almosen.


10 Im Wirthaus

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Städtebürger in fröhlicher Runde: Der Wirt füllt die Krüge. Geselligkeit bei Bier und Wein. Musikanten spielen zum Tanz auf.

11 Handwerk (Zünfte in Alt-Berlin)

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Ein Bäckerjunge beim Brotaustragen. In der Schuhmacherwerkstatt. Der Tuchfärber und der Gerber.

12 Wochenmarkt

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Knochenhauer. Beim Fischkauf. Straßenhändler mit Bauchladen. Die Gemüsefrau hat das Nachsehen.

13 Die ersten Schulen in Berlin

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Die Knaben lernen naturwissenschaftliche Fächer (im Hintergrund der Lehrsatz des Pythagoras). Die Mädchen werden in Handarbeiten unterrichtet.



14 Schiffstransport (Berlin als Handelsstadt im Mittelalter)

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Entladen eines Transportbootes mit Hebelbalken. Ein Kaufmann und ein Schreiber, die das Verladen kontrollieren. Transport mit Sackkarre und Flaschenzug.


15 Wagentransport (Bewaffneter Schutz für Handelstransporte)

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Ein Pferdefuhrwerk wird beladen. Der Kaufmann beauftragt einen bewaffneten Dienstmann mit dem Transport seiner Waren.

16 Raubritter  (Fehde der Quitzows)

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Maskierte Ritter rauben die Viehherden. Ein Reisender verteidigt sich. Untere Stände eilen zur Hilfe.

17 Im Hospital

Krankenpflege      
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Der Medicus behandelt einen Kranken

18 Unterwerfung der Stadt Berlin  (Frierdrich II. Eisenzahn)

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Schlüsselübergabe an Friedrich II. Eisenzahn Bereitstellung von Baugrund für einen Schloßbau
 

19  Erster Schlossbau

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Inspektion beim Bau des Hohenzollern-Schlosses durch Friedrich II. Eisenzahn- Das Wappen des Regenten.

Hauptportalfries

20 Ablasshandel (Tetzel in Berlin)

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Wohlhabende Berliner beim Dominikanermönch Johann Tetzel. Der »Gotteskasten Tetzels« und das päpstliche Wappen. Gehilfe Bartholomäus beim Verkauf von Ablaßbriefen unter dem Ablaßkreuz.

21 Druckerwerkstatt von Leonhard Thurneysser im Grauen Kloster

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Betrachtung eines bedruckten Bogens Leonhard Thurneysser stützt sich auf die Druckerpresse Drucker, Buchbinder und Setzer bei der Arbeit

22 Aufnahme geflüchteter Hugenotten in Berlin

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Einwandernde Hugenotten nach dem Edikt von Potsdam
Kurfürst Friedrich Wilhelm empfängt die Hugenotten

23 Akademie-Stiftung

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Ein Mediziner und ein Physiker. Gottfried Wilhelm Leibniz mit Stiftungsurkunde vor der Königin Luise. Kurfürst Friedrich III.       Ein Archivar.


24 Schlüter-Werkstatt (Arbeiten am Reiterdenkmal für den Grossen Kurfürsten)

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Minister Kolb von Wartenberg.     König Friedrich I.       Kammerrat Luben. Der Entwurf des Reiterdenkmals wird von dem Bildhauer Andreas Schlüter vorgestellt.

25 Manufakturen (Wollzeugmanufaktur und Porzellanmanufaktur)

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Tuchkauf König Friedrich II. begutachtet einen Pokal Verstauen eines Pokals

26 Die Stein'sche Reform (Edikt der Städteordnung 1808)

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König Friedrich Wilhelm der III. und Königin Luise empfangen Freiherr Friedrich Karl vom und zum Stein. Karl August Freiherr von Hardenberg mit Staatsminister Friedrich Leopold Schröter. Redakteure der Zeitschrift »Feuerschirm«.


27  Sammlung der Patrioten und Reformer

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Ernst Daniel Schleiermacher. Ernst Moritz Arndt. Gerhard Johann David Scharnhorst. August Anton Neidhard von Gneisenau. Hans David Ludwig York von Wartenburg. Johann Gottlieb Fichte. Friedrich Ludwig Jahn.

28   Freiwillige in der Uniform der preussischen  Landwehr

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Freiwillige der Preußischen Landwehr vor einer Kanone. Abschied von der Familie - der Trommler ruft. Goldopfer der Berliner Bevölkerung.

D) Spandauer Str. (= Nr. 29-36)


29 Rückführung der von Napoleon abtransportierten Quadriga nach Berlin (1814)

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Berliner zum Empfang am geschmückten Brandenburger Tor. Heerführer Gebhard Leberecht von Blücher. Die Quadriga wird zurückgeführt.

30 Nach der Befreiung: Der Monarch Friedrich Wilhelm III. dankt den Patrioten

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Theodor Körner, Ernst Moritz Arndt, Gebhard Leberecht von Blücher, Gerhard von Scharnhorst, Reichsfreiherr vom und zum Stein, Königin Luise, König Friedrich Wilhelm III., Ernst Daniel Schleiermacher, Johann Gottlieb Fichte, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Eduard Gans.

31 Entwicklung der metallverarbeitenden Industrie

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Peter Christian Wilhelm Beuth Eisengießer, Schmiede, Metallbauer und Dreher mit typischen Werkzeugen zeigen den Beginn des industriellen Maschinenbaus

32 Eisenbahn nach Potsdam 1838

Eröffnung der Strecke Berlin - Potsdam im Jahr 1838      
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Eine Lokomotive wird geschmückt Würdigung des Fabrikanten Johann Friedrich August Borsig bei der Eröffnungsfeier

33  Künstler und Wissenschaftler der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts

Zoom - Wilhelm von Kaulbach (Maler), Felix Mendelssohn Bartholdy (Musiker), Giacomo Meyerbeer (Musiker), August Boekh (Philologe), Alexander von Humboldt (Naturforscher), Friedrich August Stüler (Baumeister), König Friedrich Wilhelm IV., Christian Daniel Rauch (Bildhauer), Peter Cornelius (Maler), Wilhelm und Jacob Grimm (Germanisten), Leopold von Ranke (Historiker), Albrecht Thaer (Agrarwissenschaftler) 

34 Bildende Künste

Bekannte Architekten, Bildhauer und Maler    
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Hermann Schievelbein (Bildhauer) Gustav Bläser (Bildhauer) Eduard Hildebrandt (Maler) August Kiss
(Bildhauer)
Karl Ferdinand Langhans (Architekt) Ferdinand August Fischer (Bildhauer) August Klöber
(Maler)


35 Gelehrte und Forscher

Bekannte Gelehrte und Forscher der Universität und Akademie     
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Friedrich Wilm (Mediziner) Hermann Althoff (Mediziner) Friedrich Wilhelm von Schelling (Philosoph) Karl von Savigny (Jurist) August Friedrich Waagen (Kunsthistoriker) August Wolf (Philologe) Karl Ritter (Geograph)

36 Begeisterte Aufnahme der Nachricht aus Versailles von der Reichsgründung (letzte Tafel des Zyklus)

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Meldung von der Reichsgründung. Das Wappen des Kaiserreichs wird geschmückt. Männer aus den Königreichen Bayern, Sachsen und Preußen feiern das Reich.

Ende des Zyklus "Von der Slawenbekehrung bis zur Reichsgründung 1871"

Ende (Zyklus Spandauer Str. = 29-36)

as of Sept. 29, 2016