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Die Zerstörungen von Kunstwerken im Sacco di Roma von 1527

nach zeitgenössischen Berichten

Fritz-Oskar Schuppisser

Inhaltsverzeichnis:

1. Neuere Geschichtsdarstellungen und Quelleneditionen zum Sacco di Roma

2. Der Sacco di Roma als Ereignis der europäischen Geschichte

3. Die zeitgenössischen Geschichtsquellen zum Sacco und ihre Verfasser

4. Motive der Zerstörung von Kunstwerken

5. Die Plünderung und Zerstörung von Kunstwerken während des Sacco di Roma

6. Das Schicksal der bildenden Künstler Roms während des Sacco

7. Anhang: Inventar des I. Grimaldi zu den Schäden in St. Peter während des Sacco

8. Bibliographie

Verfasst für das
Kunstgeschichtliche Seminar Freie Universität Berlin
Leitung: Prof. Gerda Panofsky
"Quellenkundliche Uebungen 15.-17. Jh."
Wintersemester 1980/81
Text und Bibliographie sind nicht aktualisiert.

1. Neuere Geschichtsdarstellungen und Quelleneditionen zum Sacco di Roma

Der "Sacco di Roma", die Plünderung der Stadt Rom durch das kaiserliche Heer im Jahr 1527, hat nicht nur eine ganze Reihe von Zeitgenossen zu schriftlichen Aufzeichnungen und Reflexionen bewegt, sondern ist - seiner epochalen Bedeutung als Zäsur der Renaissance und seiner politischen Vielschichtigkeit als eines europäischen Ereignisses wegen - im 19. Jahrhundert erneut zum Forschungsgegenstand von Historikern vom Rang eines Leopold von Ranke (1795-1886) und eines Ferdinand Gregorovius (1821-1891) geworden. (Leopold von Ranke, Die römischen Päpste in den letzten vier Jahrhunderten. In: Leopold von Rankes Historische Meisterwerke, ed. Adolf Meyer u.a. Hamburg o.J.; Rankes Werk erschien erstmals 1834-39. Ferdinand Gregorovius, Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter vom V. bis zum XVI. Jahrhundert. Stuttgart 1872.; das Werk von Gregorovius erschien erstmals 1859-72. Wichtig in unserem Zusammenhang ist auch: Alfred von Reumont, Geschichte der Stadt Rom. 3.Bd. 2. Abt. Berlin 1870.) Anschliessend an die Arbeit dieser Gelehrten hat zum Beginn unseres Jahrhunderts der Oesterreicher Ludwig Freiherr von Pastor (1854-1928) :in seiner "Geschichte der Päpste seit dem Ausgang des Mittelalters" (Ludwig Pastor, Geschichte der Päpste seit dem Ausgang des.Mittelalters. 4. Bd./1. Abt.: Leo X. Freiburg i.B.4. Aufl. 1906; 4. Bd./2. Abt.: Adrian VI. und Klemens VII. Freiburg i.B. 4. Aufl. 1907. Das insgesamt 16 Bände umfassende Werk erschien erstmals 1886-1932) erneut ein reiches Bild der stürmischen römischen Ereignisse im Jahr 1527 gegeben; dabei konnte er als Historiker mit katholisch-kirchlichem Standpunkt (im Gegensatz etwa zu Ranke, dessen Papstgeschichte die katholische Kirche auf den Index setzte) für seine Darstellung eine ganze Reihe zuvor wenig bekannter, unpublizierter Handschriften des Vatikans als Quelle benutzen. Von Pastors Werk gehen auch die neueren Darstellungen des Sacco aus; dieses Lebenswerk des österreichischen Historikers bleibt auch heute noch die erste und wichtigste Grundlage ftir alle weiteren Detailuntersuchungen zu diesem Thema.

Entsprechend dem Thema meiner Arbeit war es zweckmässig, nach einer ersten Orientierung über die wichtigsten geschichtlichen Zusammenhänge die Frage nach den verfügbaren Quellen zu stellen. Pastor gibt in seinen Fussnoten recht präzise (freilich ihrer elliptischen Kürze wegen nicht immer leicht aufschlüsselbare) bibliographische Angaben zu älteren und jüngeren gedruckten Quellenausgaben sowie zu einzelnen Manuskripten, die teilweise bis zur heutigen Zeit ungedruckt geblieben sind. (Pastor 4.2:268,Anm.1) Entsprechend der europäischen Dimension des Ereignisses des Sacco, die sich in diplomatischen und anderen öffentlichen Quellen sowie in den Privatberichten spiegelt, sind die Berichte nicht nur (wie man vielleicht vermuten könnte) in Latein und Italienisch abgefasst, sondern auch in anderen Sprachen der kaiserlichen Soldaten, nämlich in Deutsch und Spanisch. Ja, das komplizierte Geflecht der politischen Allianzen führte auch zu Quellen in französischer und englischer Sprache aus der Zeit eines François I. und Henry VIII.

Das 19. Jahrhundert hat die Quellenpublikationen mit grosser Zielstrebigkeit und Akribie vorangetrieben, so dass auch heute noch eine Untersuchung unserer Art zuallererst auf die reichhaltigen Publikationen dieser Zeit, die allerdings bibliothekarisch nicht immer leicht zugänglich sind, zurückgreifen wird. Von grossem Nutzen als Quellensammlung ist Carlo Milanesis Werk "Il Sacco di Roma del MDXXVII" (Carlo Milanesi, Il Sacco di Roma del MDXXVII. Narrazioni di contemporanei, scelte per aura di Carlo Milanesi. Florenz 1867) erschienen 1867. Das Gegenstück zu diesem Sammelwerk der italienischen Quellen ist für die spanischen Quellen A.R. Villas 1875 in Madrid publizierte Sammlung "Memorias para la historia del asalto y saco de Roma en l527" (A.R. Villa, Memorias para la historia del asalto y. saco de Roma en 1527. Madrid 1875). Deutsche und lateinische Quellen von der Gattung der "Zeytungen" bietet ein kleines Heftchen,, das für den Seminarbetrieb des Historischen Seminars Halle zusammengestellt ist und als dessen Herausgeber kein geringerer als der Historiker Gustav Droysen zeichnet; diese "Zeitgenössischen Berichte über die Eroberung der Stadt Rom 1527" (G. Droysen (ed.), Zeitgenössische Berichte über die Eroberung der. Stadt Rom 1527=Materialien zur neueren Geschichte Nr. 2. Halle 1881) sind allerdings ein reines Arbeitsheft mit Quellen ohne jeglichen Kommentar. Ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert stammt die Erstpublikation des "Diario" des Marcello Alberini durch den Herausgeber D. Orano in der Zeitschrift "Archivio della R. Società Romana di Storia Patria" von 1895. (Domenico Orano, "Il Diario di Marcello Alberini (1521-1536)", in: Archivio della R. Società Romana di Storia Patria, Vol. XVIII, Rom 1895, S. 319-416) Dasselbe Quellenwerk hat D. Orano nochmals 1901 in Rom in einer reich erläuterten Neuausgabe publiziert (D. Orano, Il Sacco di Roma del 1527. Studi e documenti I: I Ricordi di Marcello Alberini. Rom 1901); dieser Band sollte als erster innerhalb eines angekündigten grösseren Reihenwerkes erscheinen, welches die verschiedenen Aspekte des Sacco in diversen Separatbänden hätte publizieren sollen. Offenbar ist aber dieses Serienwerk nicht zustande gekommen, und so ist es bei der blossen Ankündigung weiterer Publikationen geblieben.

Im Zusammenhang mit unserem Thema wäre natürlich die angekündigte (und offensichtlich nicht erschienene) Publikation eines Bandes VI des Orano'schen Reihenwerkes von grösstem Interesse, von der Pastor zu berichten weiss, sie solle "eine von Lanciani und Venturi zu bearbeitende Beschreibung Roms im Jahre 1527 nach der künstlerischen Seite bringen"(Pastor 4.2:268, Anm.1). Ein solches Werk würde meine Arbeit, deren Schwerpunkt ja auf kunsthistorischem Gebiet liegt, sicher erheblich erleichtert und bereichert haben; eine Publikation, die sich vorwiegend mit den Auswirkungen des Sacco auf die Kunst Roms befasst, fehlt bis heute.

Der Grund dafür ist nicht zuletzt darin zu suchen, dass auch die jüngsten erschienenen Publikationen zum Thema des Sacco sich vorwiegend auf die politische Geschichte und die Bedeutung des Sacco für das europäische Machtgefüge des 16. Jahrhunderts konzentrieren: Judith Hooks "The Sack of Rome 1527", 1972 erschienen (Judith Hook, The Sack of Rome 1527. London 1972), stellt sich vor allem die Aufgabe, die Auswirkungen des Sacco und der Bündnispolitik auf die einzelnen italienischen Territorien zu untersuchen; Maria Ludovica Lenzis "Il sacco di Roma del 1527", publiziert 1978 (Maria Ludovica Lenzi, Il sacco di Roma del 1527.= Strumenti/Storia 89. Florenz 1978), bringt neben einer nützlichen und gut kommentierten Quellensammlung zum Sacco einen einleitenden Essay, der vor allem den politischen und ideologischen Fragestellungen und Voraussetzungen der bedeutenden italienisch- und deutschsprachigen Geschichtsschreiber der neueren Zeit (darunter Ranke, Gregorovius, Burckhardt, Pastor) gewidmet ist.

Damit sind die Quellen, aus denen ich für diese Arbeit schöpfen kann, noch weitgehend dieselben, die auch Pastor zur Verfügung gestanden sind; wichtigere grössere Quellenwerke sind seither meines Wissens kaum noch neu erschienen. Die zahlreichen neueren Publikationen und Detailforschungen zur Kunst und Geschichte Roms haben allerdings seit Pastors Zeiten viele neuen Perspektiven eröffnet; gerade auf dem Gebiet der Stadtgeschichte, insbesondere der Wirtschafts- und Sozialgeschichte, und der Kunstgeschichte ist durch zahlreiche Forschungen ein immenses Wissen neu ausgebreitet worden. (vgl.z.B. Pio Pecchiai, Roma nel Cinquecento=Storia di Roma Vol.XIII. Bologna 1948; Ferdinando Castagnoli u.a., Topografia e Urbanistica di Roma. Bologna 1958). Um allerdings davon für unser Thema entsprechend den Möglichkeiten profitieren zu können, bedürfte es eines ausführlicheren Studiums der neueren Sekundärliteratur anhand der für das Gebiet der Geschichte Roms ja in reichem Mass vorhandenen Spezialbibliographien (Eine Bibliographie zum Pontifikat Clemens VII. bringt Michele Monaco, 'tLa situazione della Reverenda Camera Apostolica nell'anno 1525. Ricerche d'archivio (Un contributo alla storia delle finanze pontificie)" in: Archivi d'Italia e Rassegna internazionale degli Archivi, VI, 1960, S.129. Daneben wären zu konsultieren "Roma"(Istituto di Studi Romani), und ab 1944 "Bibliografia Romana" (Strenna dei Romanisti); vgl. dazu die Angaben bei Pecchiai 1948:548); eine Arbeit, die im Rahmen eines Seminarreferats sicher nicht zu bewältigen ist und wohl nur in Rom selber einigermassen umfassend und systematisch betrieben werden könnte.

Meine Arbeit beschränkt sich daher auf eine Bearbeitung und Deutung der wichtigsten historischen Primärquellen im Hinblick auf folgende spezifische Frage:

Was berichten diese Quellen über das Schicksal der Kunstwerke und der Künstler während des Sacco und wie sind diese Quellenangaben zu interpretieren ?

2. Der Sacco di Roma als Ereignis der europäischen Geschichte

Obwohl der Gegenstand dieser Untersuchung weniger auf dem Gebiet der politischen Geschichte liegt, scheint es doch unerlässlich, kurz auf die allgemeinen geschichtlichen Hintergründe dieser Plünderung Roms einzugehen, die von den römischen Zeitgenossen immer wieder mit früheren Eroberungen und Plünderungen Roms durch die Barbaren verglichen worden ist. Noch Andrea Palladio erinnert in seinem Führer durch das Antike Rom, "L'Antichità di Roma"(1554) (Andrea Palladio, L'Antichità di Roma. 1554. Nachgedruckt in: Peter Murray (ed.), Five Early Guides to Rome and Florence. Westmead/Farnborough 1972)‚ an die sieben Male, die Rom während seiner langen Geschichte von fremden Nationen erobert worden sei: "Roma è stata sette volte presa da diverse nationi. La prima anni 364. dopo la sua edificatione da Galli Senoni, sotto il capitano Breno. La seconda. 800. anni dopo da Visigotti. La terza. 44. anni dopo da Vandali. La quarta. 18. anni dopo da Eruli. La quinta. 14. anni dopo da Ostrogotta. La sesta. 12 anni dopo da Totila. Ultimamente l'anno. 1527. li 6. di Maggio, da l'essercito Imperiale. Et à questo modo Roma domatrice del mondo, fu predata & schernita da Barbari..." (zit. nach Palladio:32 in Murray 1972). Wie konnte es zu diesem für die "Ewige Stadt" so katastrophalen Ereignis kommen, dessen Schrecken und Verwüstungen von den Dichtern gerne im Stil der alttestamentlichen Klagelieder (Zu diesen "lamenti" vgl. Schulz 1894:76f.) über die Zerstörung Jerusalems beklagt worden sind ?

Seit dem Italienfeldzug Karl VIII. von Frankreich (1494) ist Italien mit seinen Stadtterritorien und dem päpstlichen Kirchenstaat ein Kriegsschauplatz der damaligen europäischen Grossmächte, die ihre Gebietsansprüche auf verschiedene Teile der Halbinsel mittels politischer Allianzen und mithilfe von auswärts rekrutierten Söldnerheeren durchsetzen wollen. Die italienischen Kriege sind nicht mehr (wie einst die relativ begrenzten Auseinandersetzungen des Quattrocento) Kriege, die einzelne feudale "Condottieri" gegeneinander führen; vielmehr ist Italien nun in den Sog der Politik fremder Mächte hineingeraten, deren Söldnertruppen nicht die "ritterliche" Konfrontation von ehemals im Auge haben, sondern - vor allem bei fehlenden Auszahlungen rückbehaltenen Soldes - zu regelrechten Plünderungen auf die reichen materiellen und kulturellen Schätze Italiens und seiner Republiken ansetzen.

Die barbarische Rücksichtslosigkeit der italienischen Kriege seit den oberitalienischen Feldzügen ist ein beliebtes Thema der italienischen Geschichtsschreiber des Cinquecento: So kann z.B. Paolo Giovio in seinem Geschichtswerk den Sacco als Höhepunkt der "cattiva guerra" ansehen, eines Krieges, der "non more italico humaniter, sed barbara crudelitate cruente" geführt werde. (vgl. Lenzi 1978:10)

In die komplizierten Verwicklungen der europäischen Allianzpolitik und Diplomatie wird aufgrund seiner im Kirchenstaat repräsentierten weltlichen Macht nun unvermeidlich auch das Papsttum (und mit ihm die zum Kirchenstaat gehörende Stadt Rom) hineingezogen: Mit der Wahl des habsburgischen Karl V. zum deutschen Kaiser schien das politische Gleichgewicht in Italien merklich zuungunsten der französischen Krone auszuschlagen, die ihre italienischen Ansprüche durch die Allianz des aufstrebenden Spanien mit der deutschen Kaisermacht gefährdet sehen musste; aufgrund dieser Konstellation streckte auch das Papsttum seine Fühler aus, ob nicht in Italien ein antihabsburgisches Bündnis zu verwirklichen sei. Das Bündnis kommt 1526 zustande und ist als "Heilige Liga von Cognac" in die Geschichte eingegangen: Mit dem französischen König Franz I. verbünden sich der Medici-Papst Clemens VII. sowie Mailand unter den Sforza und die Städte Florenz und Venedig. Dies führt 1526-29 zum zweiten Krieg Karls V. gegen Franz I., aus welchem die Söldnerheere des ersteren siegreich hervorgehen. Der im Sacco di Roma gedemütigte und lange von den kaiserlichen Truppen gefangengehaltene Papst Clemens VII., der sich als Zeichen seiner untröstlichen Trauer nach der Plünderung Roms sein Leben lang einen Bart stehen liess, musste schliesslich 1530 seinen ehemaligen Gegenspieler Karl V. in Bologna zum Kaiser krönen.

Das drohende Gewitter zog sich über Rom zusammen, als das rund 20'000 Mann starke kaiserliche Heer, zusammengesetzt aus einem Trupp von Reitern und aus spanischen (unter ihnen eine ganze Anzahl von Juden und Marranen, i.e. zwangsgetaufte Juden) und italienischen (meist neapolitanischen) Söldnern und deutschen (meist evangelischen) Landsknechten nach der erfolglosen Belagerung von Florenz im Eilmarsch, völlig zerlumpt und verhungert, vor den Toren der Stadt angelangt war. Der Oberkommandierende der kaiserlichen Truppen, der aus französischem Dienst zu den Kaiserlichen übergelaufene Connétable Karl III. von Bourbon-Montpensier, hält den Truppen vor den Festungsmauern Roms eine (von den zeitgenössischen Geschichtsschreibern im Stil der alten Feldherrenrede aufgezeichnete) Brandrede, in der er zur Stürmung der Stadtmauern anstachelt, die am 6. Mai 1527 (ohne grossen Widerstand seitens der ungenügend gerüsteten Römer) gelingt. Der Connétable von Bourbon wird bei der Eroberung getötet, als er eben auf einer Leiter die Mauern Roms erklimmen will. Benvenuto Cellini will, wie er in seiner Autobiographie berichtet, den tödlichen Schuss gegen den feindlichen Oberkommandierenden selber abgefeuert haben - eine Notiz, die wohl kaum der Wahrheit entsprechen dürfte, sondern eher dem Konto der oft etwas grosssprecherischen Behauptungen des Goldschmieds zuzurechnen ist. (vgl. Reumont 1870:848, Anm. zu 196; Pastor 4.2:270, Anm. 3; Torrigio 1675:260(wo der Soldat Francesco Valentini Romano als Schütze genannt wird, der Bourbon niedergestreckt hat); Schulz 1894:28f.). Nach der Einnahme des Quartiers Trastevere und der Leostadt (mit der Peterskirche und dem Vatikan) bleibt dem vom Zelebrieren aufgescheuchten Papst Clemens VII. gerade noch die Zeit, durch einen Verbindungsweg vom Vatikan in die befestigte Engelsburg zu fliehen; dabei soll ihm der ihn begleitende Geschichtsschreiber Paolo Giovio zur Tarnung vor dem Feind ein schützendes Gewand übergelegt haben. (vgl. Pastor 4.2:272) Unter dramatischen Umständen, von denen Cellini und andere berichten, muss mitten im Kampf das Fallgitter der Engelsburg heruntergelassen werden. Die Ungücklichen, die sich nicht in die Festung hatten retten können, werden von den Feinden erbarmungslos niedergemetzelt.

Während sich der Papst mit den Seinen vorerst in der Engelsburg in Sicherheit hatte bringen können, drangen die Feinde bald über den Ponte Sisto (der Ponte Sant'Angelo lag in der Reichweite der päpstlichen Artilleriefeuer auf der Engelsburg) über den Tiber in die übrigen Quartiere Roms ein. Was nun folgte, war eine wochenlange gnadenlose Plünderung der Stadt durch die kaiserlichen Soldaten, die unter der Bezeichnung Sacco di Roma in die Geschichte eingegangen ist und mit welcher die Blüte der Stadt zur Zeit der Hochrenaissance ein jähes Ende genommen hat; Ranke spricht mit folgenden Worten von diesem katastrophalen Ende einer glänzenden Epoche: "Mit Besorgnis sieht man das Ungewitter aufsteigen, den Horizont einnehmen und heranziehen. Dieses Rom, so voll (es mag sein) von Lastern, aber nicht minder von edlem Bestreben, Geist und Bildung, produktiv geschmückt mit unübertrefflichen Kunstwerken, wie sie die Welt nicht wieder hervorgebracht, einem Reichtum, der durch das Gepräge des Geistes geadelt und von lebendiger Fortwirkung, ist von dem Verderben bedroht...Der Glanz von Rom erfüllt den Anfang des 16. Jahrhunderts, er bezeichnet eine bewunderungswürdige Periode menschlicher Geistesentwicklung; mit diesem Tage [sc. 6. Mai 1527] ging sie zu Ende"(Ranke o.J.:67). Lapidarer als der deutsche Geschichtsschreiber des 19. Jahrhunderts hat sich über die Plünderung Roms der deutsche Landsknecht und Augenzeuge Sebastian Schertlin von Burtenbach ausgedrückt, der als kaiserlicher Soldat die Plünderungen selbst mitgemacht hatte und später in seiner Autobiographie folgendes berichtet: "Den 6. Tag im Mai haben wir Rom mit dem Sturm gewunnen, ob 6000 Mann darin zutot geschlagen und die ganze Stadt geplündert; haben in allen Kirchen und ob der Erd genommen, was wir gefunden, einen guten Tei1 der Stadt abgebrannt und seltsam hausgehalten, auch alle Copistereien Register Briefe und Cortisanei zerrissen und zerschlagen" (Schertlin o.J. :13).

Dieses "seltsam Haushalten", das wochenlange Wüten und Plündern der disziplinlosen Soldaten in der Stadt, fand erst ein (freilich leider nur vorübergehendes) Ende mit der in der Hitze des Sommers ausgebrochenen Pest und der Nahrungsmittelknappheit in der Stadt; welche die meisten kaiserlichen Soldaten veranlasste, Rom zu verlassen und aufs umliegende Land zu ziehen. Eine deutsche Zeitung berichtet von diesen schrecklichen Zuständen in der Stadt:

"Es ligen auch der todten cörper, vihe ross und esell, in der stat Rom, des merernteyls nit tieff ynn die erde graben, darumb yetzt bey der heyssen zeyt fahen sie an treffendlich ubell zuschmecken, also das der böss geschmack yn gantzem Roma der mass von tag zu tag uberhandt nimbt das nicht wol müglich ist, das menschen yr wonung yn der stat Rom fürter ein zeytlang haben künden. Darzu ist es yetzt yn Rom ein trefliche grosse teurung, der gleychen vor nye gehört worden ist" (Droysen 1881:33). An der Pest stirbt auch der junge deutsche Söldnerführer Melchior Frundsberg, Sohn des kaiserlichen Feldhauptmanns Georg von Frundsberg; Melchiors Grabstein befindet sich in der deutschen Nationalkirche der Anima in Rom.

Am 10. Juli 1527 verlässt deshalb das kaiserliche Heer nach über zweimonatigen Plünderungen Rom und kampiert in der Landschaft Umbriens, während der Papst in der Engelsburg kapitulieren muss und dort von einer kaiserlichen Wache gefangengehalten wird. Viele der unsäglichen Leiden während der Besetzung Roms in diesen ersten Monaten verlieren sich im Dunkel der Geschichte; Hans Schulz sagt es mit den folgenden Worten: "Von Tausenden aber ist keine Kunde auf uns gekommen, sie sind in dem Wirbel der Verwüstung untergegangen, ohne dass die Schilderung ihrer Leiden die Trauer der Nachwelt erregte. Es widerspricht dem Gefühl die Summe des überlieferten Elends zu ziehen; grauenvoll wüteten die entmenschten Horden, entsetzlich litten die unglücklichen Opfer"(Schulz 1894:109).

Am 25. September 1527 kehren Teile des kaiserlichen Heeres wiederum nach Rom zurück, und die Schrecken beginnen für die Bevölkerung (falls sie Verfolgung, Hungersnot und Seuche überhaupt überlebt hatte) von neuem; die neuen Leiden der Bevölkerung sind teilweise noch schlimmer als während der ersten Besetzungszeit: "Questa fu a noi miseri maggior ruina che la prima", schreibt Alberini (zit. nach Alberini in Orano 1895:355) darüber in seinem Tagebuch, und der deutsche Söldner Schertlin berichtet: "Im Sept. sein wir wieder in Rom gezogen, die Stadt noch bass geplündert, und erst grosse Schätz unter der Erden gefunden, und sein noch 6 Monat allda gelegen"(zit. nach Schertlin in Gregorovius 1872: 573, Anm.2).

Am 6. Dezember räumen die kaiserlichen Soldaten nach der Aushandlung eines Kapitulationsvertrags die Engelsburg, und zwei Tage darauf zieht der Papst nach Orvieto, um erst im Oktober 1528 wieder nach Rom zurückzukehren. Am 17. Februar 1528 verlassen die kaiserlichen Soldaten endgültig die Stadt Rom und wenden sich dem nächsten Kriegsschauplatz, Neapel, zu. Nach dem Abzug der Feinde hat Rom noch die Plünderung von Banditen hinzunehmen, welche die Stadt heimsuchen, nachdem die Soldaten weggezogen sind.

Francesoo Gonzagas Aeusserung über das Leid und die Zerstörungen nach dem Sacco in einem Brief an den Markgrafen Federigo Gonzaga von Mantua vom 12. Oktober 1528 aus Rom geschrieben, mag beispielhaft zeigen, was Augenzeugen und Zeitgenossen nach der Heimsuchung Roms empfunden haben: "Ho recercato Roma a questi dì et retrovatala in effetto molto ruinata et deshabitata, tanto che è cosa maravigliosa; infenite case ce sono senza patroni et destrutte de solari et de tetti, prive de porte, fenestre et simile altre cose, di modo che è una compassione ad vedere tanto exterminio; molta gente conoscea a tempi passati si de Romani come de forestieri, hora non ce ne vedo alcuno di quelli, et havendone dimandato, ritrovo che sono morti quasi tutti...Io certamente resto stupefatto vedendo appresso le ruine una tanta solitudine; potria essere che poi che la corte è qui almeno multiplicarà la gente, et conseguentemente seranno restorate le case; ma non spero gia de vedere questo così presto, perchè da fare ci serà prima che si reduchino le cose a primi termini, che a dire il vero la ruina è stata troppo grande"(zit. nach Francesco Gonzaga in Pastor 4.2:753= Anhang, Aktenstück Nr. 120).

Ein so katastrophales und einschneidendes Ereignis wie der Sacco di Roms hat natürlich bei den überlebenden Römern und weiteren Kommentatoren und Gescbichtsphilosophen der Zeit ein weites Echo ausgelöst. Nicht nur in protestantischen Kreisen, sondern bis weit hinein in die katholische Geistlichkeit und Gelehrtenwelt ist das Ereignis als ein verdientes Gottesgericht angesehen worden, das die Kirche getroffen habe, weil diese zu sehr verweltlicht sei, sich in unchristliche Händel und Machenschaften verstrickt habe, statt der Armut Christi nachzufolgen. Der florentinische Chronist Luigi Guicciardini scheut sich beispielsweise nicht, die Verweltlichung des Klerus und die weit verbreitete Heuchelei und das skrupellose Geschäftemaehen in kirchlichen Dingen anzuklagen; über die in Rom gemachte Beute des Feindes schreibt er:

"O quanti incredibili guadagni, iniusti e inonesti, in molti anni per usure, rapine, simonie e con altri crudeli e nefandi modi, moltiplicati da cortegiani e mercatanti, in un instante furono di quelle inumane nazioni !" (zit. nach L. Guicciardini in Milanesi 1867:236f.).

Auch Marcello Alberini äussert sich kritisch über die unersättliche Kurie:"...Con tenere i popoli malcontenti per le insopportabili et odiose gravezze che ogni dî ce imponeno, più per satiare li sfrenati et insatiabili desiderii loro, che per bisogno o necessità che habbino" (zit. nach Alberini in Orano 1895:347). Ein Spanier schreibt einen Monat nach dem Sacco: "...Ich weiss nicht, mit was anderem ich das vergleichen soll als mit der Zerstörung Jerusalems. Ich glaube nicht, dass ich Gleiches sehen würde, wenn ich zweihundert Jahre lebte. Jetzt erkenne ich die Gerechtigkeit Gottes, der nicht vergisst, wenn er auch spät kommt. In Rom wurden alle Sünden ganz offen geübt, Sodomie, Simonie, Idololatrie, Heuchelei, Betrug. - So können wir wohl glauben, dass das nicht durch Zufall gekommen ist, sondern durch göttliches Urteil."(zit. nach Villa 1875:139f. in Pastor 4.2:295). Giftige Kritik an Clemens VII. übte nach dem Sacco auch der Dichter Pietro Aretino von seinem venezianischen Asyl aus (vgl. Pastor 4.2:553). Auch der persönliche Gegenspieler Luthers, der während des Sacco selber misshandelte Kardinal Cajetan (vgl. Pastor 4.2:283)‚ deutete in seinem Evangelienkommentar zu Matth. 5;13 ("Ihr seid das Salz der Erde") die Plünderung Roms als göttliches Strafgericht:"Das erfahren wir, und insbesondere wir Prälaten der römischen Kirche, die wir der Plünderung und. Gefangennahme preisgegeben wurden; nicht durch Ungläubige, sondern durch Christen, aufgrund eines sehr gerechten Urteils Gottes; denn wir waren zum Salz der Erde auserwählt, und wir sind schal geworden und taugten zu nichts als zu äusserlichen Zeremonien und zu äusserlichem Besitz und Wohlstand. Nun sind wir auch mit körperlicher Gefangenschaft geschlagen bei der Plünderung und Gefangennahme von ganz Rom am 6. Mai dieses Jahres 1527"(zit. nach Cajetan in Mann 1964:48).

Gerne zitieren populäre Berichte in Zeitungen, aber auch andere Quellen das ominöse Auftreten des Unglückspropheten Brandano vor der Katastrophe; dieser, den man auch "Johannes Baptista" genannt habe, sei am Gründonnerstag 1527, während der Papst in "Sanct Peters münster...seyn pomp und Ceremonia nach seyner schönen herlichen gewohnheyt volbracht...Auff Sanct Peters gross bild, wye dann daselbst zwey hohe grosse bild (Gemeint sind die beiden Kolossalstatuen von Paolo Romano, um 1461; Abb. in Olitsky 1967:fig. 1+2) stehen, Sanct Peters und Sanct Pauls, hynauff gestigen, sich umb den halls Sanct Peters bild gesetzt, anfahen öffentlich zupredigen wider den Papst...und alle geystligkeyt..." (zit. in Droysen 1881:30). Dieselbe Busspredigt wiederholte dieser merkwürdige Prophet am selben Ort bei der Ostermesse, worauf er von der päpstlichen Garde verhaftet und ins Gefängnis geworfen wurde. Einige Tage darauf trat das angekündigte Unheil tatsächlich in der Gestalt der Plünderung Roms auf, und der Prophet Brandano wurde freigelassen und selber zum erstaunten Augenzeugen der schrecklichen Heimsuchung. Die Plünderer soll er hierauf mit den drohenden Worten bedacht haben:"...raubt unn nembt alles was yr findt, dann yr müst das alles wider speyen..." (Droysen 1881:31). Dabei habe ihn ein spanischer Soldat am Hals gepackt, als wolle er ihn würgen, und habe von ihm verlangt, er solle ihm die Zukunft weissagen; nach der Ausschlagung dieser Bitte sei Brandano noch weiterhin von den Kriegsleuten verpflegt und herumgeführt worden. Auch die zweite Drohung gegen die plündernden Soldaten sollte sich erfüllen, weshalb eine lateinische Relation kommentiert: "Praedicationes certe ipsius tam quae Urbis direptionem quam quae exercitus infortunium tetigere, nequaquam irritae fuerunt"(Droysen 1881:51).

Weitere Kommentare betreffen vor allem die ungenügende militärische Befestigung Roms durch den als überaus sparsam bekannten Papst (So spricht z.B. Paolo Giovio von der "natura parcissimus" Clemens VII.; vgl. Müntz 1895:227ff.) und die Kommune, wodurch die Stadt - im Gegensatz etwa zum besser gerüsteten Florenz - zur leichten Beute ftir die kaiserlichen Eroberer geworden ist; allgemein war auch die Verbitterung über die Tatenlosigkeit des ligistischen Bundesheeres, das die Stadt möglicherweise hätte entsetzen können, jedoch aufgrund bestimmter Ueberlegungen der hauptsächlich ihre Partikularinteressen verfolgenden Kommandanten nicht in die Geschehnisse eingriff, Rom damit völlig den Händen der plündernden Feinde überlassend. (vgl. Pastor 4.2:289f.)

Deshalb klagte Ariost:

"Das Bundesheer schaut aus geringer Weite
Dem Unheil zu, vernimmt der Klagen Schall,
Und statt voran, ist rückwärts es gegangen,
Und lässt in Ruh' den Erben Petri fangen".

(zit. nach Ariost in Pastor 4.2:290).

3. Die zeitgenössischen Geschichtsquellen zum Sacco und ihre Verfasser

Wir werden im folgenden die Frage zu beantworten haben, welche der Quellen, die über den Sacco di Roma publiziert worden sind, für unsere Absieht einer Bestandesaufnahme der während des Sacco zerstörten Kunstwerke von besonderem Interesse sein können. Um diese Frage beantworten zu können, empfiehlt es sich, zunächst einmal kurz die wichtigste Literatur zu konsultieren, welche die Primär- und Sekundärquellen zum Sacco referiert, einordnet und nach ihrer Gattung und Tendenz befragt und sichtet.

Carlo Milanesi gibt in seiner Quellensammlung (Milanesi 1867) in der Einleitung einerseits einen ausführlichen Kommentar zu den von ihm zusammengestellten Quellen (Milanesi 1867:VIII ff.)‚ anderseits gibt er in einem anschliessenden "saggio bibliografico" (Milanesi 1867:XXXVII-LXIII) einen Ueberblick zu den weiteren, von ihm nicht edierten (publizierten und unpublizierten) Quellen. Milanesi unterscheidet die Quellen nach den verschiedenen Sprachen und nach den literarischen Gattungen (Historiographisches, Lamentationes usw. bis hin zu einem Beispiel einer novellistischen Bearbeitung des Stoffes durch Giraldi Cinthio). Milanesi weist auch durch eine kritische Beurteilung (anhand von innerer Kritik und mittels eines Vergleichs von Autographen) nach, dass der von ihm herausgegebene Bericht "Il sacco di Roma" (Milanesi 1867:1-244), eine wichtige Quelle, sicher aus der Hand des Florentiners Luigi Guicciardini stammt und nicht aus jener seines als Historiker bekannter gewordenen Bruders Francesco. Die vor allem im französischen Raum als Uebersetzung aus dem Italienischen sehr verbreitete Abhandlung eines angeblichen Zeitgenossen des Sacco namens Jacopo Buonaparte "Il Sacco di Roma" (Milanesi 1867:245-408) charakterisiert Milanesi aufgrund seiner Kritik als zwar historisch aufschlussreiche Quelle, die sich aber deutlich als Kompilat verschiedener Vorlagen herausstelle und wohl kaum von einem (sonst unbekannten) Augenzeugen Jacopo Buonaparte, "gentiluomo samminiatese", abgefasst sein dürfte.

Auch die deutschsprachige Publikation von Hans Schulz, "Der Sacco di Roma" (Hans Schulz, Der.Sacco di Roma, Karls V. Truppen in Rom 1527-1528. = Ha1lesche Abhandlungen zur neueren Geschichte, ed. G. Droysen, Heft 32. Halle 1894), gibt in ihrem ersten Teil (Schulz 1894:1-77) einen systematischen Ueberblick über das Quellenmaterial; Schulz unterscheidet dabei folgende Quellengattungen: Aktenmaterial (Verträge, Briefe, Bullen und Instruktionen von Kaiser Karl V. und Papst Clemens VII.); Korrespondenz öffentlicher Persönlichkeiten (der kaiserlichen und der päpstlichen Partei); Privatberichte; Memoiren; Relationen (i.e. gedruckte Nachrichten wie Zeitungen (vgl. Schulz 1899/1900:21-24) und Flugblätter); Geschichtswerke und literarische Zeugnisse (Lamentationes, Volkslieder).

Oranos Edition des Tagebuchs von Marcello Alberini (Orano 1901) war mir leider, ebenso wie Villas Publikation der spanischen Quellen (Villa 1875), nicht zugänglich; das erstere Werk enthält ebenfalls eine ausführliche Beschreibung und Sichtung des gesamten Quellenmaterials über den Sacco. Judith Hooks "The Sack of Rome 1527" enthält ebenfalls eine kurze Charakterisierung der Quellen zum Sacco (Hook 1972:14 f.). Die Autorin unterscheidet dabei die folgenden Typen von Quellen: Augenzeugenberichte (einerseits gleichzeitig mit den Ereignissen verfasste und anderseits Produkte späterer, eher literarischer Reflexion); Berichte, die nicht direkt von Augenzeugen stammen, aber oft Primärquellen mitbenutzen; zeitgenössische Chroniken (oft ortsgeschichthich interessant); schliesslich allgemeinere Darstellungen der Epoche aus der Hand von Geschichtsschreibern. Erwähnenswert ist auch die sehr ausführliche Bibliographie von Hooks Buch, welche frühere und spätere Quellenwerke sowie die Sekundärliteratur (vor allem auch aus dem englischen Sprachbereich) recht umfassend angibt. (Hook 1972:324-332)

Im folgenden seien kurz einige wichtige Verfasser von Augenzeugenberichten über den Sacco vorgestellt, deren Biographie in unserem Zusammenhang aufschlussreich und wichtig sein kann.

An erster Stelle verdient hier sicher Marcello Alberini genannt zu werden, welcher den Sacco und dessen Folgen buchstäblich (als Jüngling von 16 Jahren) am eigenen Leib erlitten hat; sein Tagebuch ist allerdings erst zwanzig Jahre nach den Ereignissen (1547) niedergeschrieben und vermischt tagebuchartige Notizen persönlicher Art mit historischer Reflexion, die wohl nicht zuletzt (vor allem durch zahlreiche Vergleiche mit der altrömischen Geschichte) die Belesenheit des Verfassers beweisen soll. (Zur Vita Alberinis vgl. Milanesi 1867:LIV ff.; sowie Domenico Orano, "Marcello Alberini e il Sacco di Roma del 1527", in: Archivio della R. Società Romana di Storia Patria Vol. XVIII, Rom 1895, S. 51-98). Während des Sacco wurde Alberinis Vater von Soldaten gefangengenommen, die von ihm 400 Scudi Lösegeld (taglia) forderten. Anstelle des zur Auftreibung dieser Summe freigelassenen Vaters nahmen die Soldaten den jungen Marcello als Geisel fest. Marcello erkrankte dann an der Pest, verlor seinen Vater (der zusammen mit drei Töchtern und einem weiteren Sohn) das Opfer des Hungers und der Pest wurde. Damit wird Alberini mit sechzehn Jahren zum Halbwaisen und erhält einen Vormund. Um für ein erneut verlangtes Lösegeld aufzukommen, vergibt er gegen eine Summe Geldes den in seiner Familie erblichen Posten eines Aufsehers in den Kerkern des Campidoglio an Dritte; trotzdem bringt ihm später die Flucht von Sträflingen aus diesem Gefängnis einigen Verdruss. Das Tagebuch Alberinis gibt auch Einblick in die durch die Wirren des Sacco ausgelösten Prozessverfahren, die nach den Ereignissen von vielen Geschädigten angestrengt worden sind und sich, von Instanz zu Instanz verschleppt, oft jahrelang dahingezogen haben.

Nicht minder turbulent sind die Erlebnisse des Geschichtsschreibers Paolo Giovio (latinisiert Jovius) während des Sacco (vgl. Schulz 1894:72 ff.). Bei der Flucht des Papstes durch den Korridor in die Engelsburg tarnt Giovio den Heiligen Vater durch das Ueberwerfen seines violetten Prälatenmantels über dessen weisses Kleid (Pastor 4.2:272). In den Wirren des Sacco verliert Giovio viele seiner kostbaren Handschriften und Manuskripte, die er später sehr vermisst; einen Teil davon kann er aus den Händen eines spanischen Soldaten zurückerwerben, indem der Papst diesem Plünderer als Entgelt für die Aushändigung der Manuskripte ein kirchliches Beneficium in Cordoba überträgt: "Paul perdit tout au sac de Rome, jusqu'à un coffre de fer qu'il avait caché dans l'église de. Ste-Marie de la Minerve, et qui renfermait de l'argenterie et ses manuscrits. Deux capitaines espagnols trouvèrent ce coffre; l'un prit l'argenterie, l'autre les livres: celui-ci ne garda que les volumes écrits sur vélin et magnifiquement reliés; le reste fut dispersé, et servit aux plus vils usages. L'Espagnol, sachant à qui appartenait ce qu'il en avait gardé, l'offrit pour une forte somme à Paul Jove. Celui-ci, qui ne possédait plus rien, exposait son malheureux état au pontife: Clément VII se détermina à accorder au militaire espagnol un bénéfice ecclésiastique qu'il désirait avoir à Cordoue, sa patrie; et ayant ainsi recouvré les manuscrits, il les remit à leur auteur"(Michaud o.J. tom.l6:512). In Giovios grossem Geschichtswerk, das (wohl in bewusster Anlehnung an vorbildhafte römische Historiographien der Antike) verschiedene periodische Lücken aufweist, sind die Ereignisse des Sacco nur kurz in der Form einer "Epitome" gestreift; ausführlicher berichtet dagegen Giovios Biographie des Kardinals Pompeo Colonna "Pompeii Columnae Cardinalis Vita" (Paulus Jovius, De Vita Leonis Decimi Pont. Max. libri quatuor, His ordine temporum accesserunt Hadriani Sexti Pont. Max. et Pompeii Columnae Cardinalis vitae etc. Florenz 1549) von den kriegerischen Ereignissen des Jahres 1527. Eine Statue des Paolo Giovio (gest. 1552) von der Hand des Francesco da San Gallo steht im Kloster der Kirche S. Lorenzo in Florenz. (Müntz 1895:434).

Ein Augenzeuge des Sacco war auch der Franzose César Grolier (Caesar Grolerius) (vgl. Schulz 1894:52 ff.); er flüchtete sich vor den Plünderern in den Palast des Bischofs Castadorus, eines Spaniers. Das Schwergewicht seines 1637 in Paris gedruckten lateinischen Berichts "Historia expugnatae et direptae Romae" (Caesar Grolerius, Historia expugnatae et direptae Romae. Paris 1637) liegt bei der Schilderung der Greuel des Heeres, der Hungersnot und der Pest.

Die Ereignisse des Sacco aus der Perspektive eines deutschen Landsknechts schildert die Autobiographie des Sebastian Schertlin von Burtenbach, ein unterhaltsames und einen grossen Zeitraum umfassendes Zeitdokument (Sebastian Schertlin von Burtenbach, Leben und Taten des weiland wohledlen Ritters Sebastian Schertlin von Burtenbach. Ed. Engelbert Hegaur. München o. J. [1910]; zur Vita Schertlins vgl. auch Theodor Herberger (ed.), Sebastian Schertlin von Burtenbach und seine an die Stadt Augsburg geschriebenen Briefe. Augsburg 1852, S. I-CXXVII ("Schertlins Leben")). Schulz berichtet von Schertlin: "Seine Beute muss enorm gewesen sein. Obwohl er einmal im Spiel 5000 Dukaten verlor, brachte er doch gute Kleider, Kleinode und l5'000 Gulden bares Geld in die Heimat zurück, dazu den Strick, mit dem sich Judas Ischarioth erhängt haben soll."(Schulz 1894:33).

Auch die 1549-55 aus der Erinnerung geschriebenen Memoiren des zur Zeit des Sacco geschäftlich an der Kurie tätigen Deutschen Ambrosius von Gumppenberg sind ein Augenzeugenbericht. (Ferdinand Gregorovius, "Gumppenbergs Bericht vom Sacco di Roma", in: Kleine Schriften zur Geschichte und Cultur, Bd. 1, Leipzig 1887, S. 181-264) Der Bayer war zur Zeit des Sacco als Unterhändler und Dolmetscher während der Gefangenschaft des Papstes in der Engelsburg tätig; und wenn er auch die Wichtigkeit seiner von ihm bei den Kapitulationsverhandlungen gespielten Rolle übertreiben mag, so weiss er doch allerhand interessantes aus erster Hand zu berichten.

Manche Uebertreibungen birgt bekanntlich auch die Autobiographie Cellinis (Benvenuto Cellini, La vita di Benvenuto Cellini. Scritta da lui medesimo. Ed. B. Bianchi. Florenz 1866)‚ welcher (wie sein Künstlerkollege Raffael da Montelupo, (Montelupos Autobiographie in Vasari-Milanesi 7:189) der ebenfalls eine autobiographische Skizze verfasst hat) als Artillerist und Goldschmied auf der Engelsburg wirkte. Sein Bericht gibt ein anschauliches Bild von den Kämpfen und von den Bemühungen des gefangenen Papstes, die Lösegeldforderungen durch das Einschmelzen von kirchlichen Wertgegenständen, deren Gold und. Silber vermünzt wurde, zu erfüllen.

Der Bericht der Nonne Suor Orsola Formicini‚ nach Pastors Angaben nur als Manuskript in der Vatikanischen Bibliothek einsehbar (vgl. Pastor 4.2:281, Anm. 1), gibt ein Zeugnis von den überstürzten Ereignissen, die in den Wirren des Sacco eintreten konnten: Die Nonne erzählt, wie die Nonnen des Klosters S. Cosimato in Trastevere in der Nacht überstürzt ihr Kloster mit allen seinen Kostbarkeiten zurücklassen müssen, um durch die Flucht in ein sichereres Versteck ihr blosses Leben zu retten. Sämtliche von den adligen Frauen beim Eintritt ins Kloster gestifteten Kostbarkeiten fielen in die Hand der plündernden Soldaten, und das Oratorium des Klosters wurde in ein Schlachthaus umgewandelt; die Nonnen mussten froh sein, wenn sie ihre Ehre retten und den Vergewaltigungen der Soldaten entkommen konnten.

Als weitere Augenzeugenberichte seien die Aufzeichnungen des franzöisischen Arztes Jean Cave erwähnt (Jean Cave, "Le Sac de Rome (1527). Relation inédite de Jean Cave 0rléanais", ed. L. Dorez, in: Mélanges d'Archéologie et d'Histoire de l'Ecole française de Rome, XVI, 1896, S. 324-409); das ungedruckte Tagebuch des Deutschen Kornelius de Fine (MS in der Bibl. nat., Paris); sowie der Bericht des Humanisten Valeriano (Pierius Valerianus), der als Zeitgenosse des Sacco das Unglück und die Schicksale verschiedener gelehrter Literaten schildert.(Giovanni Pierio Valeriano, De litteratorum infelicitate libri duo. Ed. R. Brydges. Genf 1821; Erstdruck Venedig 1620. Vgl. auch Pastor 4.2:555)

Ein ganzes Florilegium von Berichten verschiedener Augenzeugen über den Sacco, sozusagen eine erste Quellensammlung aus der Zeit der Geschehnisse, stellt das umfangreiche Werk des venezianischen Literaten und Bibliothekars Marino Sanuto dar, die "Diarii'. (Marino Sanuto, I Diarii di Marino Sanuto. Ed. F. Stefani. Venedig 1879-1902; davon v.a. die Bde. XVI-LVIII)

Schon diese kurze Aufzählung von Autoren von Primärquellen über den Sacco, die keineswegs vollständig ist, zeigt, von welch verschiedener Seite her dieses Ereignis beschrieben und kommentiert worden ist. Nonnen und päpstliche Diplomaten, Landsknechte und Kommandanten, Gelehrte und Geschichtsschreiber haben aus ihrer je eigenen Sicht die stürmischen Tage dargestellt; alle - Opfer wie Peiniger - kommen zum Wort und lassen das turbulente und leidvolle Kapitel der Geschichte Roms für uns lebendig werden.

4. Motive der Zerstörung von Kunstwerken

Die beiden Hauptursachen der Zerstörung unzähliger Kunstwerke während des Sacco waren zweifellos Beutegier und Bilderstürmerei. Den Scharen der ausgehungerten kaiserlichen Söldner, welche nach grossen körper1ichen Entbehrungen zerlumpt und mittellos in die eroberte Stadt eingedrungen waren, musste jedes Mittel recht sein, um möglichst schnell zu möglichst viel Geld zu kommen. Die deutschen Landsknechte, überwiegend Anhänger der Reformation, sahen zudem in den angehäuften Schätzen der Kirche keine verehrungswürdigen Heiltümner mehr; der übermässige Reichtum der römischen Kirche erschien ihnen vielmehr als Beweis des durch die römische Kurie verübten Missbrauchs der kirchlichen Gnadenmittel zur finanziellen Ausbeutung.

So wurde denn in den ersten Monaten nach der Eroberung Roms wahllos geplündert und erpresst, Geiseln wurden genommen, und schreckliche Folterungen und Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung. Ein vom Prinzen von Oranien erlassenes Plünderungsverbot wurde von den hemmungslosen Söldnern missachtet, keine Befehlsgewalt der Kommandanten konnte die plündernden und disziplinlosen Scharen der kaiserlichen Soldaten zusammenhalten. Der Kardinal und Bischof von Como, Trivulzio, schreibt: "Questo esercito non ha capo nè membri, nè obbedienza nè forma alcuna, et ognuno si governa all'appetito suo"(zit. in Milanesi 1867:504). Eine lateinische Relation berichtet über die erste Zeit der Eroberung: 'tln eo rerumn statu Roma XV. dies sine magistratu; Ordine, Justicia, Imperio, disciplinaque fuit, pro ut potens erat, quoque jus manu sibi faciente;" (Droysen 1881:41). Sämtliche Kirchen der Stadt wurden geplündert und in den Augen der römischen Bevölkerung barbarisch entweiht. Trivulzio schreibt über diesen Bildersturm: "Vedevasi molte divote pitture e sculture, ehe prima erono della maggior parte con simulate cerimonie adorate, essere con ferro e con fuoco guaste e abbruciate, e molti Crucifissi con gli. archibusi spezzati, e per terra vilmente giacere, sparsi e mescolati tra letame e fecce degli oltramontani, le reliquie e calvarie di molti santi e sante"(zit. in Milanesi 1867:241). Mehrmals beklagen die Geschichtsschreiber, dass selbst bei den früheren Plünderungen Roms durch die Vandalen und Goten die Barbaren sich nicht in die Kirchen hineingewagt hätten und die geweihten Altäre (mitsamt den dort Zuflucht suchenden Menschen) - im Gegensatz zu den kaiserlichen Plünderern von 1527 - unbehelligt gelassen hätten; eine Quelle schreibt: "Ognuno, benchè disarmato, era ad ogni modo tagliato a pezzi in quei luoghi ehe per innanzi Totila goto e Genserico vandalo, uomini crudelissimi, religiosamente avevano rispettato" (Milanesi 1867:353).

Ueberall in der Stadt besetzten die Soldaten auch Privathäuser; auch die Häuser der kaiserfreundlichen Partei Roms wurden nicht verschont. Keine List vermochte die römischen Hausbewohner vor den Feinden zu retten; selbst den Pestkranken zogen die Soldaten die Matrazen unter dem Leib weg, um darin nach verborgenen Habseligkeiten zu suchen. Alberini berichtet vom Verhalten der verängstigten Hausbewohner: " ... come sentivano simil genti alla porta, se qualche poco di pane havevano, lo ascondevano subito sotto i matarazzi dove giacevano li infermi per salvarlo. il ehe poco li valeva, perchè quelli empii non si curando nè di peste, nè di Dio, lo pigliavano, lasciando lore la paglia et la lana dei letti per sostentarsi"(zit. nach Alberini in Orano 1895:348). Alberini berichtet in seinen Aufzeichnungen, wie sein Vater gezwungen war, ein Haus aus seinem väterlichen Erbe im Rione Santo Eustachio an die Frau seines Neffen zu verkaufen, um mit dem Erlös das von den Soldaten geforderte Lösegeld von 400 Scudi bezahlen zu können; für dasselbe Haus hatte die Verwandte vor dem Sacco 2000 Scudi geboten. Da die Bezahlung der Summe seitens der Verwandten nicht voll in Bargeld geschehen konnte, bot diese den Soldaten als Gegenwert von 200 Scudi Wertgegenstände aus ihrem Hausrat in der Form von Silberzeug, einer Goldmedaille, eines Gürtels und von Perlenschmuck an. Dies geschah mit der im Handänderungsvertrag (instrumento) vom Notar leider nicht schriftlich festgehaltenen Verpflichtung, bis im August Bargeld nachzuliefern, falls die Soldaten die Wertgegenstände nicht an Geldes statt akzeptierten. Die Soldaten nahmen tatsächlich nur einen Teil der ihnen angebotenen Wertgegenstände als Zahlung an; damit konnte Alberinis Vater, obwohl er sein Haus an seine Verwandte, die bald darauf aus der Stadt entfliehen konnte, verloren hatte, dennoch nicht für das Lösegeld aufkommen, und sein Sohn Marcello sollte später nach dem Sacco alle Mühe haben, bei den Gerichten die Annullierung der Handänderang zu erwirken:

Das Gerichtsverfahren zog sich dann noch über acht Jahre lang hin, wurde von Instanz an Instanz verwiesen. Der endgtiltige Ausgang des Verfahrens ist leider wegen eines Unterbruchs im "Diario" Alberinis nicht bekannt. (vgl. Orano 1895: 348 f.)

Diese Episode zeigt deutlich, wie Lösegeldforderungen, Erpressungen, Folterungen (meist zum Zweck des Auffindens von verstecktem oder vergrabenem Gut), Geiselnahmen und allerlei Bemühungen der Opfer, sich von ihren Peinigern loszukaufen, miteinander verbunden waren. L. Guicciardini berichtet von seinem florentinischen Landsmann Bernardo Bracci, "...der gefangen zum Bankhause des Bartholomäus Welser geschleppt wurde, um dort Lösegeld zu zahlen. Auf dem Ponte Sisto begegnete dem Zuge de la Motta, fragte nach der Höhe des Lösegeldes, fand 7000 Duk. zu gering und befahl Bracci in den Tiber zu werfen, wenn er ihm nicht noch 5000 Duk. zahle. Der Aermste that es" (Schulz 1894:58). Als direkte Quellen für den Charakter und den Umfang dieser im Zusammenhang mit den Lösegelderpressungen durch die Bankhäuser getätigten Geschäfte sind diverse Bankbuchhaltungen jener Zeit erhalten; darunter die vom Bankhaus Welser & Komp. in Rom ausgestellten Schuldscheine mit den Namen der Geiseln, die für die Zahlung ihres Lösegeldes bei den Banken Schulden machen mussten. (vgl. Schulz 1894:38, der als Quelle nennt: Studi e documenti di storia e diritto 1894, ed. G. Cavaletti-Rondinini. Vgl. auch Pastor 4.2:283) Die deutschen Bankhäuser blieben von den Plünderungen der Soldaten absichtlich verschont, damit dort Geschäfte dieser Art getätigt werden konnten.

Die folgende Episode veranschaulicht die Grausamkeit der Soldaten beim Ausrauben ihrer Opfer: "...un prelato che, fra l'altre gioie, aveva in dito un diamante che valeva incirca a trecento ducati, e avendo cercato di cavarglielo di dito più volte, e non potendo aver pazienza, un caporale di detta compagnia, messo mano al pugnale, gli mozzò il dito" (zit. nach Guicciardini in Milanesi 1867:208,Anm. 1). An Grausamkeit haben sich wohl sämtliche im Kaiserlichen Heer vertretenen Nationen ungefähr die Waage gehalten.

So spielen sich denn in Roms Mauern Szenen ab, die an das mittelalterliche Bild vom Rad der Fortuna erinnern: Gestern noch verarmte und zerlumpte Söldner stolzieren nun in seidenen Kleidern einher, goldüberhangen und mit eingeflochtenen Perlen im Schnurrbart, in Begleitung ihrer Frauen und Konkubinen, die sich über und über mit geraubtem Schmuck zieren. Dagegen gehen viele kirchliche Würdenträger und römische Adlige in Lumpen und werden verspottet und misshandelt. Luigi Guicciardini schreibt von den über Nacht reich gewordenen Soldaten und. Ihren Begleiterinnen: "...avendo ii capo, la gola e il seno con le altre membra coperte di grossissime perle e di perfettissime gioie spiccate dalle mitere pontificali e dalle sante reliquie, e con li servidori e paggi loro intorno con varie fogge e gale lascivamente e militarmente vestiti, avendo le catenelle e cornetti d'archibusi, d'oro massiccio, spiccato dagli altari e dalli più santi luoghi di Roma;..."(zit. in Milanesi 1867:238). Gregorovius bezeichnet den erwähnten Abschnitt Guicciardinis vom "furchtbaren Glückswechsel" als den besten Teil des Berichts dieses Autors und schreibt seinerseits: "Was waren jetzt diese Schwärme von Pharisäern und Höflingen, Cardinäle, Bischöfe, Monsignoren, Protonotare, Ordensgeneral e, Richter, Barone und Signoren, alle diese im Pomp der Etikette mit Protectormienen einherwandelnden Herren und Herrendiener, welche gewohnt gewesen sich für die Blüte der Welt zu ha1ten, und auf Nichtrömer mit Geringschätzung herabzusehen ! Zerlumpt und zerschlagen wankten sie in den Strassen umher oder lagen sie auf den Foltern, oder dienten sie dem rohen Kriegsvolk als Köche, Stallknechte, Wasserträger in ihren eigenen ausgeraubten Palästen" (Gregorovius 1872:549).

Vor allem die Lutheraner unter den deutschen Landsknechten konnten sich nicht genug daran tun, ihrem Spott und ihrer Verachtung gegenüber dem Papst und dem Klerus freien Lauf zu lassen: Durch allerlei (von den spanischen Söldnern oft bekämpfte) Blasphemien und fastnachtartige Possen äfften sie den Heiligen Vater und die ihnen verhassten römischen Pfaffen nach und schritten sogar zu einer simulierten "Papstwahl der Landsknechte". Eine deutsche Zeitung berichtet: "Das kriegssuolck, etlich rotten und gut gesellen, reyten auff Ross und Esseln teglichs yn der stat Roma umb, und für das Castel Sancti Angeli. Und eyner unter dem kriegssuolck, hat sich mit dreyen Kronen, Chormanteln und ander der gleychen pompa, wie der Bapst pflegt zu reyten, mit sampt vilen Lantzknechten, die sich wie die Cardinäl pflegen zukleiden, yn mantel, Cardinal und Bischoffhüten, mit fuchs schwentzen und andern peltzflecken durchzogen, yn ihrer ordnung, und neben ynen gehend vil Trabanten, wye der Bapst yn seyner pomp und ordenung geritten ist, mit yren pfeyffen und trummen, und so sie für des Babsts Castel kummen, odder sunst wa Cardinel, Bischoff, und die Prelaten gefangen enthalten werden, schenckt man den knecht der Babst ist, yn eyn glass odder bockal, macht mit dem glas vol weyn denn segen gegen yhn, mit beyden henden, unn zu letst so der segen auss yst trinckt der knecht, so Bapst also ist, das bockal vol weyn gar auss, und bringt dem rechten Bapst den trunck"(zit.Droysen 1881:27). In dieser unheimlichen "verkehrten Welt" sind die Komparsen plötzlich zu Protagonisten geworden; Zielscheibe des bissigen Spottes ist der Heilige Stuhl mit seiner Kirche, der Papst, in welchem man den Repräsentanten einer geistlichen und materiellen Unterdrückung sieht, deren Joch man gerne - und sei es auch nur einen Moment lang - abschütteln möchte. (Vgl. die treffende Analyse dieser Spottrituale bei Lenzi 1978:146 f.; zudem Pastor 4.2:278).

Das Ausplündern sämtlicher Kirchen Roms wird von den meisten Quellen berichtet: selbst die deutsche Nationalkirche der Anima ist nicht verschont worden (Pastor 4.2:279). Zwei Quellen seien zitiert: Jakob Ziegler, der Sekretär Georg von Frundbergs, schreibt:"Es sind alle grosse haubtkirchen, und kloster durch aus geblundert worden, kelch, monstrantzen, Ornat, hailtumb und alles entwendt, beraubt; zerschlagen und geschmeltzt worden"(zit. nach Ziegler in Lautemarm 1976:228). Eine lateinische Relation schreibt: "Templa etiam Sanctorum, Petri, Pauli, Laurentii, &c. omnibus parietum & Secretariorum, sacellorumq; & altarium ornamentis nudata & spoliata sunt. Reliquiae omnes si quae auro argentove aptae erant, detracto metallo, sparsae humi concultataeque; Infulae, Calyces, immo quicquid auro argentove inductum indutumve erat, raptum, profligatum, perditumque est. Adeo ut tota urbe nullus calyx ulli templo superfuerit, unde divinae res procurarentur"(zit. Droysen 1881:39f).

Nach dem Sacco müssen sämtliche Kirchen der Stadt, die profaniert und teilweise in Truppenunterkünfte und Ställe umgewandelt worden waren, durch einen entsprechenden Ritus wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zugeführt werden; darüber berichtet ein Tagebuchschreiber aus dem Umkreis der Kurie: "(XXIIIfeb.) Item eo die factae sunt supplicationes publicae et expurgata templa, quae coeperunt a Sancto Laurentio in Damasco usque ad Sanctam Mariam Majorem"(zit. nach Bibl.Nat., Paris, MS lat. 5223, in Omont 1896:41).

Die Plünderung der Hauptkirchen Roms wurde sicher zu einem Teil aus Beutelust veranlasst; zum andern zeigt sie auch alle Charakteristika eines religiös motivierten Bildersturms. (Zum Thema Bildersturm vgl. die anregende Monographie: Martin Warnke (ed.), Bildersturm. Die Zerstörung des Kunstwerks. München 1973, mit zahlreichen bibliographischen Hinweisen. Auch aus den folgenden Briefäusserungen des.Kardina1s Trivulzio wird der Bildersturm deutlich: "...tolti tutti li paramenti, calici; levati li argenti delle chiese; tolti tutti li tabernaculi dove era il corpus Domini, e gettata l'ostia sacrata ora in terra ora in foco, ora messa sotto li piedi, ora in la padella a rostirla, ora romperla in cento pezzi; tutte le reliquie spogliate delli argenti che erono attorno, e gettato le reliquie dove li è parso"[Milanesi 1867:484 f.]). Eine Quelle berichtet über diese Bilderstürme wie folgt: 'tLevaron di sugli altari le sacre immagini, alcune ne imbrattarono, alcune ne fecero in pezzi, e molte ne arsero. Quelle che ne'muri erano dipinte, vilipesero e strapazzarono in altre diverse e indegne maniere" (zit. Milanesi 1867:368). Guicciardini geht bei seiner Schilderung der Vorgeschichte des Sacco ebenfalls auf das Thema Bildersturm ein, wenn er über das Verhalten der deutschen Landsknechte des kaiserlichen Feldhauptmanns Georg von Frundsberg während ihrer vier Monate dauernden Stationierung im Castello San Giovanni e San Donnino bei Piacenza das folgende berichtet: "...dove non fecero [sc. Frundsberg e i suoi tedeschi] altro danno, che guastare le imagini ecclesiastiche, e gittare per terra le sante reliquie, insieme con tutti i sacramenti, benchè l'eucarestia solo mostrassino venerare quei luterani; ma le altre cose che la moderna Chiesa ha ragionevolmente in riverenza, come reprobate dalla luterana setta, spezzorono e vituperosamente calpestorno;" (zit. in Milanesi 1867:81). Derselbe Guicciardini beklagt auch mit bewegten Worten die Heimsuchung der Heiligen Stätten Roms durch die Soldateska; die vielen weggeschleppten Schätze aus Gold und Silber gelten ihm allerdings auch als Beweis dafür, dass die römische Kirche sich vom wahren Gottesdienst entfernt und einem leeren höfischen Pomp gefrönt habe: "Oh quanti calici, croci, figure e vasi di argento e d'oro, furono con furia levati dagli altari, sacrestie e altri luoghi devoti, dov'erono riposti ! Oh quante rare e venerande reliquie, coperte d'oro e d'argento, furono con le mani sanguinose e micidiali spogliate, e con derisione della religione buttate per terra ! ...Per le strade non si vedeva altro, che dalli saccomanni e da vilissimi furfanti portare gran fasci di ricchissimi paramenti e ornamenti ecclesiastici, e gran sacca piene di più sorte vasi d'oro e d'argento, dimostrativi più delle superbe ricchezze e vane pompe della romana corte, che della umile povertà e vera devozione della cristiana religione"(zit. in Milanesi 1867:203f). An einer andern Stelle sinniert Guicciardini darüber, wie dieser Reichtum zusammengekommen sei: "O quanti incredibili guadagni, ingiusti e inonesti, in molti anni per usure, rapine, simonie, e con altri crudeli e nefandi modi, moltiplicati da'cortegiani e mercatanti, in un instante furono di quelle inumane nazioni !" (Milanesi 1867:236f).

Das Finanzwesen der Kurie als ein ihnen missliebiges System wollten die Soldaten auch treffen, wenn sie ostentativ Akten und Buchhaltungen der Apostolischen Kammer vernichteten und verbrannten. Neben offensichtlichen wirtschaftlichen Hintergründen haben diese Bücherverbrennungen (falls sie nicht einfach dem Anfachen eines Holzfeuers gedient haben) sicher auch einen rituellen, letztlich im magischen Denken (Analogiezauber) wurzelnden Aspekt: Wie einst die Bücherverbrennungen der Inquisition die Giaubensfeinde hätten treffen sollen, so wollte man jetzt mit der verhassten Finanz- und Ablasspraxis der Kurie "abrechnen". Trivulzio, der Kardinal und Bischof von Como, schreibt als Augenzeuge: "Tutti li registri et libri di supplicazione et scritture di Camera apostolica saccheggiate, stracciate et parte brusate, che non se ne trova pezzo insieme. Quante bolle hanno trovato tagliato il piombo e fatte ballotte d'archibusi" (zit. Milanesi 1867:487). Auch die Zeitungen berichten davon: "...vil bücher, Bäpstliche Bullen, Brieff, Register, alle alte priuilegia, und was des gleychen funden worden, ist alles verbrent, zerrissen, zerschlagen und zu nichten gemacht, daran sonderlich den Kaufleuten und Banckerern vil und gross gelegen was, der massen das gassen, heuser und ställ, darynn Esel und Ross gestanden seyn vol zerrissen brieff und Bäpstlicher bullen gelegen, und den bestien unter gestrewet worden. Des schadens sich die Kauffleut verlust yhrer Register, sonderlich vor andern hoch beschweren, ynen auch fast schedlich ist" (Droysen 1881:23). Eine lateinische Quelle schildert: "Libri magnarum opum Rationes, reditus, expensasq; continentes discissi disiectique numquam post usui dominis suis fuere. Bullae Papales, Chartae sigillis Pontificiis munitae, vetera magnatum Privilegia, conscissa, pedibus procultata, dentibus etiam disrupta sunt. Ingens malum miles mercatoribus & faeneratoribus dedit, Syngraphis Chirographisque pessumdatis quibus maxima pecuniae summa credita debitaq; continebatur" (zit. Droysen 1881:39).

Die Quellen machen auch zahlreiche Angaben über den Handel mit Beutestüeken, der nach der Plünderung überall schnell einsetzte. Guicciardini bringt die folgende Notiz: "Onde per ogni verso premendo li prigioni, e trovando spesso in diversi luoghi grandissimo tesoro occultato e sotterato, divennono in brevissimi giorni talmente ricchissimi, che non solamente le vesti, pitture, sculture, e altri ornamenti di casa, benchè preziosi e di molto valore, furono allora da essi poco apprezzati; ma ancora i vasi, le croci, le figure e altre innumerabili cose di argento stimorono assai meno che il prezzo della propria valuta. Solamente le bellissime gioie, per occupare poco luogo, e per essere conosciuto da ciascuno, tennero sopra ogn'altra cosa caro, facendosi pagare (come molte volte si vidde), nel vendere le anella, la valuta del peso solo, per non stimare altrimenti quella delle perle, de'diamanti, rubini, smeraidi, e altre pietre fine, intagliate con antichi e perfetti intagli, che in quelli erano legate, benchè valessino per sè solo molto di più, che quanto per oro puro si facevano pagare. O quante antichissime e perfettissime sculture di marmo e bronzo, con medaglie di più sorte metalli, tanto dalli pontefici e prelati, per la perfezione loro, eccessivamente apprezzate, e con molta lunghezza di tempo adunate, pervennono subito nelle mani di chi non le stimava niente ! O quante immense ricchezze delli nobili baroni di Roma, più secoli nelle loro famiglie perseverate, in un' ora ruinorono ! "(zit. Milanesi 1867:235f.). Dass die Soldaten die Fülle von Wertgegenständen und Schmuck, die ihnen in die Hände gefallen war, beim Weiterverkauf gar nicht richtig einzuschätzen wussten, verzeichnen auch weitere Quellen: "Es wird auch yetzo yn Rom bey dem kriegssuolck, wahr und etlich gut von ringen edel gesteyn, Perlin und seyden umb eyn Ducaten kaufft, das mit zegen odder fünffzehen Ducaten nicht erzeugt ist So ligen all gassen vol zerschlagen und zerrissen köstlichs haussrats von mancherley schöner arbeyt"(zit. Droysen 1881:26). Was alles an Luxusgütern auf den Strassen herumliegt und achtlos zertreten wird, beschreibt eine lateinische Relation: "Vici omnes oppleti pretiosi operis & materiae utensilibus, quae magni olim constiterant, pedibus praeeuntium supposuerunt. Intexta auro tapetia, lecti bombyce texti, vestes argento ductae, lino pretiosissimo facta umbracula & mille luxuriae instrumenta coeno lutoq; oppleta passim proculcabantur" (Droysen 1881:43). Bald werden in der von Pest und Hungersnot heimgesuchten Stadt die Esswaren mit Gold aufgewogen; ein Ei kostet einen Julier, und ein Brot einen Dukaten (vgl. Pastor 4.2:288). Manches Kunsthandwerk, das nicht mitgenommen oder abtransportiert werden kann,, landet schliesslich bei den Händlern, meist bei den Juden, die für die Schätze nur einen Spottpreis zu bezahlen brauchen; anderes geht von Hand zu Hand bei dem von den Landskneehten mit Eifer betriebenen Würfelspiel: "Nam aleam ludi passim exercebant, vbi vidisses vni iactui nunc trecentos aureos, nunc sexcentos, saepenumero mille eommitti. Qui suffarcinata veste venerat, quae poculis aureis & argenteis turgebat, saepe absque interula discedebat. Unde non paucos tanta desperatio incessit, cogitantes à qua fortuna excidissent, ut clausis oculis in Tyberim praecipitarint. Iudaei, quorum magnus numerus illic, ne sint omnia sancta Romae, persolutis pretijs sese redemerunt, ex praeda omnis generis vili empta ingens lucrum facientes"(zit. Droysen 1881:61).

Manche Soldaten machen den Versuch, ihre Beute abzutransportieren; manches wird auf dem Seeweg nach Neapel verschifft. Eine Quelle berichtet: "La maggior parte dell' esercito è fatto ricco per il gran sacco, quale è stato di molti millioni d'oro. Si crede che gran parte de'Spagnoli con il bottino suo si ritireranno a Napoii~(Miianesi 1867:504). Eine Quelle weiss davon zu berichten, dass Philippino Doria bei Ostia 12 Schiffe mit 150 Kisten Beute in die Hände gefallen seien: "Comes Philippinus cepit duodecim barchas, quae refertae erant Hispanis, qui discesserant Roma versus Neapolim, in quibus erant amplius quam centum et quinquaginta capsae plenae serico pannoque, quae illi secum asportabant" (zit. nach einem Tagebucheintrag in Omont 1896:39).

Auch Brandanos Prophezeiung gegen die plündernden Feinde, sie müssten das geraubte Gut wieder ausspeien und verlieren, hat sich sicher in vielen Fällen erfüllt, wie eine weitere Quelle zu berichten weiss; im Rahmen einer Betrachtung unter dem Motto "Unrecht Gut gedeiht nicht" berichtet diese Quelle von den zahlreichen Gefahren, die in der Form von Seuchen und Wegelagerern auf die mit ihrer Beute heimkehrenden Söldner zugekornmen sind, so dass manch einer von ihnen wiederum als Bettler habe in sein Heimatdorf zurückkehren müssen, froh, dort von Wasser und Brot leben zu können: "De Urbis quidem vastatione hactenus auditum est: Copiae vero spoliis & divitiis supra vota onustae pessimè quoque pleraeque interiere; adeo ut miles ne centesimus quidem quisque patriam suam quicquam de eo intulerit quod tanto pondere ferebat. Orta namque subito pestilentia adeo crebros eos confecit ut instar culicum muscarumve in publico perque vicos spoliatae urbis, aut regionum civitatumque per quas iter faciundum erat, conciderent. Si cui furor mortiferae tabis pepercerat, is nullo modo quod partum habebat, Italià effere quibat. Ingens multitudo ab insidentibus viam latronibus eo fine in insidiis latentibus, trucidata est; qui miseri precium caedium suarum quisque penes se habebant. Quae res per universam Italiam nota infesta iis omnia faciebat. Qui rediere ad suos, vetere suo artificio victum parare coacti sunt, hoc est mendicando per pagos incidere, vilique pane & aqua de profluente hausta contenti, divitiarum tristem memoriam, nullum vero fructum, usumve, reportare. Fuerunt nonnullis, qui Deo persequenti, hostibusque insidiantibus elapsi, alea ingentes opes perdiderunt: Adeo certum est male parta male dilabi, fructumque opum ex caussa acquisitarum semper pependisse" (zit. Droysen 1881:51f.).

So war denn die finanzielle Ausbeute ("fructus") eines solchen Söldnerzuges durch mancherlei Risiken und Gefahren bedroht; nicht zuletzt erblickte man in diesen Kriegszügen eine Art Geschäftsunternehmen, in welche beim Beginn recht grosse Summen investiert wurden. Oft steckten die Kommandanten (mit kaiserlicher Lizenz) ihr persönliches Vermögen in das Kriegsunternehmen; vom kaiserlichen Feldhauptmann Georg von Frundsberg wird in diesem Zusammenhang berichtet: "Al fine di arruolare i soldati per l'Imperatore il Frundsberg non aveva esitato ad anticipare i denari, ipotecando i suoi castelli e beni tirolesi e perfino il castello di famiglia di Mindelsheim e i gioielli della moglie. Al suo appello aveva risposto una grande massa di giovani, per lo più seguaci della nuova fede riformata"(Lenzi 1978:87). So entspricht denn die Beutegier der Söldner und Landsknechte, die (oft unter mancherlei Entbehrungen und Soldauszahlungsverzögerungen leidend) sich nehmen, was sie können, in der Absicht und Tendenz durchaus dem Verhalten jener, die diese Kriege als Herren, als "grosse Hansen" (wie sich die Söldner ausdrücken), verursacht haben. Auch Herberger meint in seinem"Leben Schertlins": "Das war überhaupt die Sitte jener Zeit, dass die Krieger einen grossen Theil ihres Glücks nach dem gewonnenen Gute massen. Grösstenteils war der materielle Gewinn sein gerühmtestes Erringen, bis später höhere Interessen zum Kampfe riefen"(Herberger 1852:VIII); zudem schreibt Herberger an einem andern Ort über Schertlin, der als Söldnerführer eine ganze Reihe von Kriegen mitgemacht hatte und verschiedenen Herren diente, folgendes: "Im Dienste der Fürsten und der Städte folgte er meistens dem sich anbietenden Gewinn, da er den Krieg grossentheils als Gewerbe übte und von dem Vorwurf der Habsucht nicht wohl frei zu sprechen war"(a.a.O.:CXXVII).

5. Die Plünderung und Zerstörung von Kunstwerken während des Sacco di Roma

Den Plünderungen des Sacco fielen alle Kirchen Roms zum Opfer: "Es sein auch alle haupt und ander kirchen, benantlich Sanct Peters, Sanct Pauls Sanct Laurentzen, unn all ander, keyne aussgenummen, durchauss gar geplündert, kelch messgewandt, monstrantzen, und alle ornata, Auch die stöck auffgebrochen, Darzu der tabernackel darynn die Veronica gewessen, und daraus zeygt worden ist, zerschlagen, beraubt, doch die Veronica nicht gefunden, und alles was sie gefunden haben wegk genummen, hyerin gantz nicht angesehen, Auch alles heyltumb, von beynen und anders was von silber und gold geziret gewesen, die zierde genummen, das heyltumb ligen lassen, Also, das yn gantzen Rom auff die gemelt zeyt, kein Kelch odde ander gezierde yn allen Kirchen sein soll, on was der Haubtleut Caplän zu ihrer notturfft bey ynen haben. So sind darzu yn Sanct Peters kirchen, unn vor Sanct Peters altar erschlagen worden ob zweyhundert personen, darunter sind vil Schweytzer, die des Bapsts trabanten gewesen, auch umbkummen"(zit. Droysen 1881:23f).

Zur Plünderang der Peterskircbe gibt Pastor die folgenden Details: "...hier plünderte man die Gräber, unter andern dasjenige Julius II.; das Haupt des hl. Andreas wurde zur Erde geschleudert, das im ganzen Mittelalter so hoch verehrte Schweisstuch der hl. Veronika geraubt und in den Wirtshäusern Roms feilgeboten; ein berühmtes Kruzifix an einem der sieben Hauptaltäre St Peters wurde in die Gewänder eines Landknechts gehüllt; unzählige Reliquien und Kostbarkeiten wurden damals fortgeschleppt. Die heilige Lanzenspitze befestigte ein deutscher Landsknecht auf seiner Pike und zog damit spottend durch den Borgo. Sogar die Ruhestätte des Apostelfürsten wurde geschändet, jedoch blieb das eigentliche Grab Petri unversehrt" (Pastor 4.2:279f.) (vgl. auch die Quellenhinweise Pastor 4.2:280, Anm. 1)

Wir haben das grosse Glück, dass ein detailliertes Inventar zu den Verlusten und Schäden während des Sacco von 1527 überliefert ist; es stammt aus der Feder von Iacopo Grimaldi (gest.1623), der offensichtlich Jahrzehnte nach dem Ereignis aufgrund älterer Dokumente seine Liste zusammengestellt hat. Grimaldis Verzeichnis ist im Romführer F. M. Torrigios aus der Barockzeit, "Le Sacre Grotte Vaticane" (Francesco Maria Torrigio, Le Sacre Grotte Vaticane... Terza Impressione. Rom 1675. Das Inventar Grimaldis gebe ich im Anhang (s.u. Kap. 7) wieder)‚ abgedruckt nach Grimaldis Manuskript unter Nennung der benutzten Quelle. Das Inventar bietet eine detaillierte Aufzählung der beim Sacco in St. Peter beschädigten oder geraubten Reliquiare und sonstigen Kirchenschätze. Genannt wird jeweils der Heilige, dessen Reliquie, die Art des Behälters oder der Fassung und deren Edelsteinschmuck, und schliesslich der Stifter des Reliquiars. Auch wenn für die Peterskirche in Rom ein ausführlicher illustrierter Reliquienkatalog im Stil des "Wittenberger Heiligtumbuchs" von Cranach fehlt, so gewinnen wir doch aufgrund der Liste Grimaldis ein recht klares Bild der verlorengegangenen kirchlichen Kunstschätze. Die Liste zählt, beginnend mit einem Reliquiar mit Dornen aus der Krone Christi, über vierzig zum Teil äusserst kunstvoll und kostbar gefasste Reliquiare und andere Kirchenschätze auf, die beim Sacco beschädigt worden oder verschwunden sind. Am Schluss des Inventars werden einige Reliquien genannt, die durch Zufall oder dank dem Einsatz von Kirchendienern verschont geblieben seien; darunter ein von Leo III. gestiftetes grosses Kruzifix aus Silber, dessen Wert die Soldaten wegen der Verdunkelung des Silbers nicht erkannt hätten: "Crucifixum ad hominis staturam sub Carolo Msgno donatum à Leone III. ex argento ob nigredinem non cognoverunt" (zit. nach Grimaldi in Torrigio 1675:258); ein Kelch sei vergraben worden und erhalten geblieben, anderes habe von den deutschen Landsknechten für 100 Dukaten wieder zurückerworben werden können: "Post direptionem namque magnum calicem argenteum a nobilissima virgine Vrsina filia Iacobi Vrsini in Ecclesia S. Mariae Nouae sepulta pie oblatum qui ad huc extat, guttur S. Blasy M. in argenteo tabernaculo cum duobus Angelis ornato, & Iustini Imperatoris Crucem, & diuersa argenti frusta à Caesarianis Militibus Germanis centum ducatis redemerunt, ut libri Sacrestiae eius temporis docent"(zit. nach Grimaldi in Torrigio 1675:258f.).

Torrigio berichtet dann in seinem Führer weiter, wie 1528 eine Reihe von Reliquien, die aus römischen Kirchen nach Neapel weggeschafft worden seien, wieder nach Rom repatriiert worden und mit einer feierlichen Prozession ihrer ursprünglichen Bestimmung zurückgegeben worden seien:

"Essendo state portate molte Reliquie sacre nel regno di Napoli rubbate nelle Chiese di Roma dal detto feroce essercito; & essendone state ricuperate gran parte, e riportate à Roma commandò Clemente VII. l'anno 1528. Che in solenne processione si portassero dalla Chiesa di S. Marco nella Basilica Vaticana..." (Torrigio 1675:259).

Das Inventar Grimaldis nennt neben dem verlorenen Kreuz Konstantins ("Crucem magnam pijssimi Constantini Aug. auream, & argenteam~=Torrigio 1675:258) auch Goldschmiedearbeiten aus dem Quattrocento: u.a. eine "rosa aurea" Martins V. (Die Rose Martins V. wird 1489 in einer Quel1e wie folgt beschrieben:"Rosa Martini pape V in qua sunt tantum quatuor rami cum quatuor rosis, cum uno vase cum quatuor rosis, cum uno vase cum quatuor pedibus leonis et cum quatuor smaltis in pede basis" (Zitat in: Victor Gay, Glossaire Archéologique du Moyen Age et de la Renaissance. Paris 1887/1928, Bd. 2, S.309.); vgl. auch Müntz 1878-82:Bd.1, S. 18ff.); ein von Eugen IV. gestiftetes Kopfreliquiar des Hl. Sebastian ("S. Sebastiani caput ab Eugenio IIII. P.M. intrà binas argenteas imagines Lapidibus pretiosis distinctas magnificè elaudebantur") (Torrigio 1675:257) und eine "navicula cristallina Bas. Petri ab Eug. IIII. donata" (Torrigio 1675:258; vgl. zu diesen unter Eugen IV. hergestellten Goldschmiedearbeiten auch Müntz 1878-82:Bd. 1, S.55); daneben verschiedene von Nikolaus V. gestiftete Reliquiare, z.B. ein Andreasreliquiar ("S. Andreae Apostoli genu vase chrystallino sex Leonibus sustentato cum imagine S. Petri ac nomine Nicolai V. locatum similiter amissum") (Torrigio 1675:255) und ein Leontiusreliquiar ("Item arculam argenteam Nic.V. stemmatibus ornatum cum Reliquijs S. Leontij mart. & aliorum SS.") (Torrigio 1675:255; zu den Goldschmiedeaufträgen unter Nikolaus V. vgl. Müntz 1878-82:Bd.1, S.166ff.). Ein Teil dieser Goldschmiedearbeiten sind in den Quellen des 15. Jahrhunderts, die Eugène Müntz zusammengestellt hat, zur Zeit ihrer Herstellung erwähnt. (Eugène Müntz, Les Arts à la Cour des Papes pendant le XVe et le XVIe siècle. Recueil de Documents inédits, tirés des Archives et des Bibliothèques Romaines. 3 Bde. Paris 1878-1882. Interessante Details zum Reliquienkult des 15. Jahrhunderts in Rom und entsprechendes Bildmaterial bringt Ruth Olitsky Rubinstein, "Pius II's Piazza S. Pietro and St. Andrew's Head", in: Essays in the History of Architecture presented to Rudolf Wittkower. London 1967, S.22-33.). Die Gattung der "Goldenen Rose" ist neben dem Ehrendegen (lat. ensis, ital. stocco) ein häufiges und beliebtes Geschenk der Päpste an geistliche und weltliche Würdenträger. (Weitere Literatur zudiesen Ehrengeschenken bei Müntz 1878-82:Bd. 1, S. 18ff.).

Neben den Reliquiaren wurden in St. Peter auch liturgische Geräte (Kruzifixe, Kelche, Kerzenständer etc.) geraubt sowie Paramente und liturgische Gewänder. Selbst das Grab von Papst Julius II. in St. Peter ist von den deutschen Landsknechten aufgebrochen worden,, wobei der kostbare Ring des Papstes geraubt wurde. (vgl. Pastor 4.2:279; Hook 1972:173). Zum Opfer fielen den Plünderern und Bilderstürmern sicher auch die Heiligenstatuen, die gerne mit Diademen oder Kronen und anderem Schmuck verziert worden sind.

Umstritten bleibt, wieweit in St. Peter die Gebeine des Apostelfürsten selber profaniert worden sind. Die Beantwortung dieser Frage aufgrund der verschiedenen Quellen fällt nicht leicht, vor allem auch deswegen, weil der genaue Standort und die Aufbewahrungsart dieser von den römischen Gläubigen zu den kostbarsten Heiltümern gerechneten Reliquien nicht mehr sicher geklärt werden kann. Pastor meint zu diesem Problem:"Sogar die Ruhestätte des Apostelfürsten wurde geschändet, jedoch blieb das eigentliche Grab Petri unversehrt" (Pastor 4.2:279f). Eine jüngere Untersuchung von José Ruysschaert (José Ruysschaert, "Le Sac de Rome de 1527 et la tombe de S. Pierre d'après deux notaires contemporains", in: Römische Quartalschrift LVIII, 1963, S. 133-137) kommt aufgrund der Bewertung von verschiedenen Quellen jedoch zur Ueberzeugung, dass auch im Grab des Apostelfürsten Petrus Verwüstungen angerichtet worden seien, obwohl über die Lage des Sarkophags und die genaue Verwahrung der Reliquien in jener Zeit keine sicheren Angaben vorhanden sind. Zwei von Ruysschaert angeführte Quellen aus der Zeit des Sacco seien hier zitiert: "...milites prophanarunt omnia templa et homines supra aram divi Petri interfecerunt, urnam sive tumbam in qua requiescebant ossa S. Petri et Pauli effregerunt et ipsas reliquias prophanarunt..."(Ruysschaert 1963:133); "...Et ut taceam aliorum ludibria et irrisiones lachrymis sane digna, hoc nunquam tacebo ossa ipsa gloriosissima principis apostolorum e loculis suis eruta et per humum dissipata"(Ruysschaert 1963:136). Auch eine deutsche Zeitung schreibt: "Das kriegssuolck hat auch das Creutz. so in Sanct Peters kirchen, an der gülden porten genant, gewesen ist, abgeschlagen, darbey, und der gleychen yn Sanct Peters grab, geltt gesucht" (Droysen 1881:26).

Schon Sanuto beklagt in seinen "Diarii" das Schicksal des Schweisstuchs der Hl. Veronika: "Il volto santo è stato robbato e passato per mille mani et andato hormai per tutte le taverne di Roma" (Sanuto XLV:f.122). Gregorovius schreibt zum Schicksal der Reliquien in St. Peter: "Die Deutschen behielten als Andenken manche Reliquien, und die lächerlichste Beute war wohl der dicke und zwölf Fuss lange Strick, mit dem sich Judas erhenkt hatte. Schertlin nahm ihn aus dem S. Peter mit sich in die Heimat"(Gregorovius 1872:535). Etwas ungeklärt scheint das genaue Schicksal des Kopfreliquiars des Hl. Andreas in St. Peter; nach Pastor (Pastor 4.2:279) wurde es nur zu Boden geworfen, nach Gregorovius (Gregorovius 1872: 535) soll es ebenfalls beschädigt worden sein. Zur interessanten Geschichte dieses Reliquiars gibt es einen neueren Aufsatz von Ruth Olitsky Rubinstein mit guten Abbildungen. (Olitsky 1967)

Die Schäden in den übrigen Kirchen Roms waren ebenfalls beträchtlich: Als wichtigste Verluste werden die Apostelhäupter von S. Giovanni in Laterano und das Johanneshaupt von S. Silvestro genannt (Gregorovius 1872:535). Ueber die Plünderung der Kapelle "Sancta Sanctorum" beim Lateran schreibt Gattinara in einem Brief an Karl V.: ..Similmente si è saccheggiato il loco Sancta Sanctorum, quale era ritenuto nella maggior'riverenza che tutto il resto. Si riferisce di più che un soldato, essendo penetrato nel santuario vi avesse rubata la reliquia della Circoncissione, che fu poi da lui portata a Calcata, dove è in venerazione anche oggidì" (zlt. nach Gattinara in Stanislao 1919). Ein Teil des Kirchenschatzes von Sancta Sanctorum blieb jedoch unversehrt, da er hinter Eisengittern tresorartig abgesichert war (Pastor 4.2:280; Hook 1972:173). Die heute noch erhaltene Sammlung von Reliquiaren und andern kirchlichen Kunstgegenständen gibt einen guten Eindruck von der Pracht und Vielseitigkeit eines spätmittelalterlichen Kirchenschatzes (vgl. P. Stanislao dell'Addolorata Passionista, La Cappella Papale di Sancta Sanctorum ed i suoi sacri tesori. L'imagine Acheropita e la Scala Santa. Grottaferrata 1919). Natürlich sind die meisten der beschriebenen kirchlichen Objekte auch in den frühen Romführern und Stationenverzeichnissen erwähnt und teilweise sogar abgebildet; alle diese Reliquien spielten eine wichtige Rolle bei den Pilgerfahrten und beim Ablasswesen. (vgl. die in Murray 1972 abgedruckten Romführer)

Viele Quellen berichten auch über die wunderbare Rettung mancher Altäre und Reliquien durch göttliche Machterweise oder menschlichen Einsatz. So berichtet der Zeitgenosse Santoro da Caserta, der erst nach der Einnahme Roms in die Stadt gekommen war, um in S. Giovanni in Laterano ein Gelübde zu erfüllen, von einem solchen Wunder: "Auf seine Frage, wie man denn die Reliquien der Apostel gerettet habe, wurde ihm[Santoro] zur Antwort, die Barbaren seien, als sie die Monstranz entweihen wollten, vom Himmel erschreckt aus der Kirche geflohen ! ..."(Schulz 1894: 54). Auch das Tagebuch des Marcello Alberini berichtet von solch göttlichen Wundern, durch welche verschiedene Heiligtüimer verschont worden seien (wobei die Aufzählung allerdings, wie der Vergleich mit andern Quellen zeigt, übertreibt). (Alberinis Bericht bleibt hier etwas unklar und schwer zu deuten; vgl. Orano 1895:357). Manches berichten die Quellen auch von der Rettung von kirchlichen Schätzen durch Menschenhand: Der Kopf Johannes des Täufers aus S. Silvestro in Capite konnte von einer alten Nonne gerettet werden; und auch Grimaldi weiss von weiteren Beispielen zu berichten ("Il capo di San Giovan Battista, quale era San Silvestro, spogliato dello argento e gittato il capo a terra, qual fu raccolto da una povera vecchia monaca che era restata là" [zit. nach Trivulzio in Milanesi 1867:485]. Vgl. auch Torrigio 1675:258f.). Dennoch beklagen die meisten Quellen die unersetzlichen Schäden; auch Guicciardini zieht die Bilanz der aus den Kirchen entwendeten Kostbarkeiten: "La testa di San Piero, di San Pagolo, di Sant'Andrea e di molti altri Santi, il legno della Croce, le Spine, l'Olio Santo, e insino all'ostie consecrate, erono da loro in quella furia vituperosamente calpeste" (zit. nach Guicciardini in Milanesi 1867:204). Auch die Umwandlung der Hauptkirchen Roms in Truppenunterkünfte und Viehställe haben die Römer den Plünderern nie verziehen.

Bei den Plünderungen der Kirchen waren die deutschen lutheranischen Landsknechte tonangebend; die Spanier übten dagegen (wie bei der possenhaften Verspottung der heiligen Zeremonien) Zurückhaltung, obwohl sie in andern Dingen, etwa in der Grausamkeit bei den Folterungen, durchaus mit den Deutschen gleichzogen oder diese an Brutalität noch übertrafen. Mehrere Quellen stellen zugunsten der Deutschen fest, dass diese sich (im Gegensatz zu den Spaniern) bei den Vergewaltigungen sehr zurückgehalten hätten (vgl. Pastor 4.2:281, Anm. 4). Eine Quelle schreibt: "Neque tam immania facinora humano more perpetrabantur, divulsae disruptaeque impuberes puellae exsecrabili exitu florem aetatis posuerunt. Ut in his acrior & faedior Hispanorum furor fuit; Ita Germanoruni in vexandis Sacerdotibus magis improbus" (Droysen 1881:43).

Die meisten päpstlichen Kirchenschätze fielen den Plünderern ebenfalls zum Opfer; sie wurden grösstenteils in die Engelsburg abtransportiert und mussten dort nach der Kapitulation des Papstes zur Erfüllung von Lösegeldforderungen seitens der kaiserlichen Partei eingeschmolzen und zu Geld ausgemünzt werden. Nach einem Bericht verlangten die deutschen Söldner vom Papst Soldnachzahlungen in der Höhe von 300'000 Scudi; der Papst konnte jedoch in der Engelsburg vorerst (nach dem Einschmelzen kirchlicher Geräte und Wertgegenstände sowie dem Einziehen der Güter der Geistlichen in der Engelsburg) nur 10'000 Scudi auftreiben (vgl. Milanesi 1867:507). Eine Quelle berichtet vom Papst in der Engelsburg: "Fece pertanto struggere tutti i vasi d'argento e d'oro che aveva in Castello, deputati per le cose sacre, per batter denari, da partire fra i soldati. I quali denari ancorchè fossero più di scudi trecentomila, non furono bastanti per soddisfare i capi imperiali, non che i soldati"(zit. Milanesi 1857:393). Mit dem Einschmelzen wurde vom Papst der Goldschmied Benvenuto Cellini beauftragt, der auf der Engelsburg einen improvisierten Windofen errichtete, um dem Befehl Clemens VII. nachkommen zu können. Cellini berichtet davon in seiner Autobiographie folgendes: "...dirò come papa Clemente, per salvare i regni [le corone papali, o triregni] con tutta la quantità delle gran gioie della Camera apostolica, mi fece chiamare, e rinchiusesi con ii Cavalierino ed io in una stanza soli... e mi commisse che io le dovessi sfasciare tutte dell'oro, in che le erano legate" (Cellini 1866:84). Nach Cellinis eigenen Aussagen wurde er vom Papst für dieses Einschmelzen des Goldes der Tiaren mit 25 Scudi belohnt, wobei Clemens VII. bedauert habe, dass er, den Umständen entsprechend, nicht mehr zahlen könne. Die Juwelen der Tiaren wurden dabei, um sie zu retten, in die Gewänder des Papstes und seines Dieners eingenäht. Die Juwelen der päpstlichen Kronen müssen einen beträchtlichen Wert ausgemacht haben; vom Edelsteinschmuck der Tiara Eugens IV., die Ghiberti im Quattrocento in Florenz gearbeitet hat und deren Gold dem Sacoo zum Opfer gefallen ist, wissen wir, dass er zur Zeit Eugens IV. auf 38'000 florentinische Gulden geschätzt worden ist (vgl. die bei Müntz 1878-82:Bd. 1, S.53 zitierte Stelle aus dem Ghiberti-Kommentar). Die Tiara Julius II., ein Werk des Goldschmieds Caradosso, ist vom Einschmelzen während des Sacco verschont geblieben, weil sie sich gerade in Pfändung befand; das Verpfänden von Wertgegenständen war damals eine von geistlichen und weltlichen Machthabern oft geübte Praxis, die nicht als anstössig empfunden wurde. Später ist diese Tiara dann von Pius VI. stark umgeformt worden; eine erhaltene Zeichnung vom ursprünglichen Zustand vermittelt aber ein gutes Bild vom aufwendigen Schmuck einer solchen Papstkrone der Renaissance (Herbert Thurston,"Two Lost Masterpieces of Goldsmith's Art", in: Burlington Magazine, Vol.VIII, 1905, S.37-43; pl.2=Abb. von Caradossos Tiara). Diese kostbaren Tiaren waren bekanntlich eine Zielscheibe der reformatorischen Kritik des Papsttums, welche in ihnen das Symbol der verweltlichten Herrschaft des Stellvertreters Christi sah.

Neben den päpstlichen Kleinodien ist in der Engelsburg auch der berühmte Schatz von Loreto eingeschmolzen worden (vgl. Hook 1972:211). Es wird auch berichtet, dass der Kardinal Armellino die wichtigsten päpstlichen Juwelen in seinem Garten vergraben habe und danach in einem Korb in die Engelsburg hochgezogen worden sei (vgl. Hook 1972:183). Cellini wurde später 1538 vom Papst angeklagt, weil er sich während des Sacco unrechtmässig mit Kostbarkeiten und Edelsteinen bereichert habe; dass er sich beim Einschmelzen des päpstlichen Schatzes in der Engelsburg anderthalb Pfund des Goldes aneignete, wurde ihm später vom Papst verziehen (vgl. Schulz 1894:29). Cellini war offensichtlich nicht der einzige, der sich bei solcher Gelegenheit eine Spitzbüberei zuschulden kommen liess: Eine Quelle berichtet zum Beispiel, dass sich der deutsche Münzmeister Angelo Schaur beim Ausmünzen des päpstlichen Metalls in der Engelsburg bereichert habe: "...das der guett Pabst dahin bewegt wurde, all sein Silbergeschirr und aller Prelaten im Castello mit sambt Sant Peters Reliquia zerprechen und zerschlagen wardt, und wardt Angelo schaur aim teutschen verdorben henselin und teutschen feindt geben, der verstandt sich auf's münzen...der pabst gab Ime alles vergüldts silber,..da schlug er grob rauche Plagauner auss,...Er schaidet das golt davon, und thet darnach dem guetten silber mit anderer Betruegerei sein Zusaz, also dass er zwiefachen gewin hette..."(Gregorovius 1887:245). Eine weitere Quelle sagt: "Es waren die Müntzmeister und Eysenschneider Bapsts Diener, und hetten keinen Probierer, auffzieher noch Wardein, machten also falsche Müntz" (Gregorovius 1887: 246 ‚Anm.1).

Durch die Eroberung der Leostadt westlich des Tibers und durch den Rückzug des Papstes mit den Seinen in die Engelsburg blieb nicht nur die noch im Bau befindliche neue Peterskirche mit ihren Schätzen den plündernden Feinden ausgeliefert, sondern auch der Palast des Vatikan mit seinen reichen Kunstschätzen. Nach dem Exil von Avignon war der Vatikan endgültig zur Residenz der Päpste geworden und die Renaissancepäpste Julius II. und Leo X. schmückten ihn durch die grossartigen Kunstwerke eines Raffael und eines Michelangelo.

In der Sixtinischen Kapelle, die während des Sacco auch als Pferdestall diente, wurde der bei der Erstürmung der Stadt gefallene Befehlshaber der Kaiserlichen, der Connétable de Bourbon, aufgebahrt: "Das kriegssuolck, so Rom gewaltig erobert, haben im Palast yn der alten Capellen, darinn man dem Bapst teglich alle officia, mes, vesper unn ander yre zeyt gesungen hat, ein rossstal gemacht, ire ross darein gestelt, unn mit Bepstlichen bullen und brieffen unterstrewet. So hat man den Hertzogen von Burbon den Ritters Fürsten yn die Capell Sancti Sixti, darynn der Bapst allwegen seyn mess yn seyner pomp, in beysein der Cardinäl zuhalten gepflegen, gelegt an sein eigen arm seyn schwert nach Fürstlicher gewonheit, ist im das schwert heimlich genummen worden, und eyn anders an die stat gelegt das gar schlecht was" (Droysen 1881:28). An der Decke und den Fensterlünetten der Sixtina waren zur Zeit des Sacco bereits die von Michelangelo dort 1508-12 gemalten Fresken zu sehen; die Altarwand, wo später das "Jüngste Gericht" zu sehen sein sollte, war mit Wandteppichen behangen, welche nach den Kartons von Raffael in Flandern für den Papst fabriziert worden waren. Den Fresken der Kapelle geschah glücklicherweise nichts; anders war es mit den Teppichen: Sie wurden während des Sacoo teilweise zerstört, als man wohl versuchte, die eingewirkten Goldfäden herauszulösen und auszuschmelzen (vgl. Pastor 4.1:502).

Manche Teppiche wurden geraubt und konnten erst später von der Kurie zurückerworben werden. John Shearmans Monographie zu den Wandteppichen und den Entwürfen Raffaels (John Shearman, Raphael's Cartoons in the Collection of Her Majesty the Queen and the Tapestries for the Sixtine Chapel. London 1972) bringt dazu mehrere Detailangaben. So berichtet Sanuto, dass die Teppiche bei der Aufbahrung Bourbons in der Sixtina hingen:"...fu posto nella capella del Papa, quale hanno apparata di quelle riche è più belle tapezarie di Nostro Signore" (Sanuto XLV:f.418). Ein abenteuerliches Schicksal hatten die beiden Teppiche "Die Bekehrung Pauli" (Shearman 1972:pl.20=Abb.) und "Die Predigt Pauli in Athen" (Shearman 1972:pl.25=Abb.): Diese wurden während des Sacco von Isabella d'Este erworben, von Piraten gekapert und nach Tunesien entführt, schliesslich nach Venedig verschifft, wo ein Seehauptmann sie dem Venier verkaufte. Der Connétable Anne de Montmorency soll dieselben Stücke dann stark beschädigt aus Konstantinopel erworben haben, und schenkte sie 1554 restauriert dem Papst zurück (Shearman 1972:140f. bringt ausführliche Details und Quellen zum Schicksal der Teppiche während und nach dem Sacco).

Von den Zerstörungen in den Buchhaltungen der Apostolischen Kammer war bereits die Rede; von der Plünderung betroffen wurden auch die unermesslichen Schätze der Vatikanischen Bibliothek: Kostbare Bücher wurden zerrissen und dienten anstelle von Stroh: "Nec ulla re maior auri vis periisse tum putanda est, stabula Equorum, Asinorum, mularumque Papalibus bullis, literisq; magnatum, Negociatorumque opplebantur, ne quis stramentorum inquirendorum labor esset"(Droysen 1881:39). Schlimmere Schäden verhinderte in der vatikanischen Bibliothek offenbar der Prinz von Oranien, der in den Räumen der Sammlung sein Lager aufgeschlagen hatte; Kardinal Trivulzio berichtet davon: "Quella bella libreria secreta del papa, che in tutto il mondo non è una simile, fu cominciata a saccheggiare: ma Dentuulla del principe di Orange, il quale è stato qua, ne ha detto che il principe d'Orange, per avere lì appresso la sua guardarobba, ha impedito che non fu molto saccheggiata: chè duriamo gran fatica a crederlo"(zit. Milanesi 1867:487f). Dennoch waren die entstandenen Schäden in der Bibliothek erheblich, auch wenn nach dem Sacco manches wieder zurückerworben und restauriert werden konnte (vgl. Hook 1972:178; Pastor 4.2:286 f.). Vor allem Codices mit wertvollen Luxuseinbänden waren eine begehrte Beute, und unter den geplünderten Büchern befand sich auch Heinrichs VIII. "Assertio", jene Schrift des englischen Monarchen gegen Luther, durch welche der König vom Papst den Titel eines "Defensor Fidei" erhalten hatte (vgl. Hook 1972:178). Die Klageverse, welche der Custos Fausto Sabeo die personifizierte Vaticana nach dem Sacco sprechen lässt, zeigen, wie schlimm es mit dieser gestanden haben muss:

"Dass ich die Deinige bin, nicht kann ich es sagen, o Clemens,
Nimmer erfreut mich ja dein noch der Andern Besuch.
Trauer geziemt mir allein, die ich schmachte von Allen verlassen,
Einst so glänzend und jetzt elend verkommend im Staub".
(zit. Reumont 1870:368).

Die Antikensammlung des Vatikan scheint von den Plünderern im wesentlichen verschont worden zu sein, wenigstens im Hinblick auf die grösseren Statuen. Ein Quellenbericht, wonach die Statue des Laokoon während des Sacco ihren Arm verloren habe, ist sicher unzutreffend, da dieser Schaden schon vor dem Sacco bezeugt ist (Eine solche angebliche Zerstörung des Laokoon erwähnt neben Schäden in der Vatikanischen Bibliothek auch der Sekretär Georg von Frundbergs, Jakob Ziegler, zit. in Lautemann 1976:226-229; vgl. Gregorovius 1872:537,Anm.1). Allerdings gibt es Quellen, die belegen, dass vereinzelt auch Marmorstatuen abtransportiert worden sind; ein solches Beispiel ist das Dispensbreve des Papstes für Paulus card. S. Eustachii vom 4.12.1527. (Pastor 4.2:287,Anm. 1).

Auch Guicciardini erwähnt den Verlust von antiken Marmor- und Bronzestatuen und von Medaillen aus den verschiedenen Kollektionen römischer Sammler: "O quante antichissime e perfettissime sculture di marmo e bronzo, con medaglie ... pervennono subito nelle mani di chi non le stimava niente !" (zit. Milanesi 1867:236). Andere Quellen erwähnen den Abtransport solcher Beute durch Seeleute, welche das Gut von plündernden Soldaten oder Bauern erworben haben (Lenzi 1978:151 f.).

Auch die Klöster und Spitäler wurden während des Sacco besetzt und geplündert. Eine deutsche Zeitung berichtet aus der Sicht der Landsknechte folgendes: "...auch vil prister, monche und auch ezliche Nonnen erschlagen /. dan ess hatten sich ezliche burger zu pristern monchen und zu nonnen gemacht,/ dor umb so mussten es dy unscholdigen mit den scholdigen entgelden unde wurden vil erstochen unde in dass wasser geworffen/ Darnach so haben sy alle arme leute dy im grossen spital alle erschlage unde in dy tiber geworffen/ denn ess hatten sich vil reiche burger in dy bette geleget der armen leute/ unde krange gemacht mit vil (swedigen?) unde mit blut bestrichen/ dye haben sy alle erstochen unde dass grosse gut dass sy in den betten haben gehat alless genommen/ und yre knechte, dy so verwunt sint in dass spital geleget und lyssen sy wol warten unde geben in genüge Got helffe in allen/..." (zit. Droysen 1881:6). Das Kloster S. Pietro in Vincula wurde geplündert, wobei sich der Schaden auf 30'000 Dukaten belaufen haben soll, ebenso wurde das Minerva-Kloster ausgeraubt (Hook 1972:172 ff.). Von der Besetzung des Klosters S. Cosimato berichtet der lebendige, leider nur im Manuskript zugängliche Augenzeugenbericht der Nonne Suor Orsola Formicini. Dabei wurden nicht nur Kircheneinrichtungen und liturgisches Gerät geplündert, sondern auch die wertvollen Klosterbibliotheken, wie beispielsweise jene von Sta. Sabina. Francesco Albertinis Romführer von 1510, "Opusculum de mirabilibus Novae & Veteris Urbis Romae" (Abgedruckt bei Murray 1972:o.S.) gibt unter dem Titel "De Bibliotecis novae urbis"(III,i) einen guten Eindruck vom Reichtum der Bibliotheken Roms zur Renaissancezeit. Auch die Büchereien der bedeutenden Gelehrten, welche die Alma Urbs um sich zu scharen vermochte, litten während des Sacco erheblichen Schaden. Die Verluste Paolo Giovios haben wir bereits erwähnt, ebenso die Schrift des Zeitgenossen Pierio Valeriano, des Humanisten, der vom Unglück der Gelehrten während des Sacco berichtet. Alfred von Reumont gibt in seiner "Geschichte der Stadt Rom" (Reumont 1870:369f.; Pastor 4.2:555) Seinen treffenden Ueberblick über das Schicksal zahlreicher Gelehrter. Manche ergriffen die Flucht, andere mussten zufrieden sein, wenn sie mit dem blossen Leben davonkommen konnten, wie Pierio Valeriano klagt:

"Leben ist Alles was blieb nach Roms grausem Geschicke,
Da sich zu unserm Ruin Schwerter verbunden und Pest;
Wir, der germanischen Wuth und spanischer Tücke geopfert,
Leben: es ist fürwahr viel dass am Leben wir sind."
(zit. nach Valeriano in Reumont 1870:370).

Neben dem päpstlichen Palast wurden auch die Paläste der Kardinäle und der römischen Aristokraten geplündert und überall wurde Lösegeld erpresst; ja, es soll dabei (ausser den deutschen Banken) kein Haus verschont geblieben sein: Sämtliche Häuser, von den Palästen der kirchlichen Würdenträger und des Adels bis zum Haus der einfachen Wasserträger wurden besetzt und geplündert. Kardinal Trivulzio von Como sehreibt: "Si missono poi a saccheggiare tutte le altre case de'prelati et romani et mercanti, et furono saccheggiate tutte, fin quelle delli poveri acquaroli"(zit. Milanesi 1867:474). Selbst die Paläste und Häuser der kaiserlichen Parteigänger und der ausländischen Kolonien konnten sich vor den plündernden Soldaten nicht retten, obwohl man durch Markierung und entsprechende Beflaggung den Würgeengel vom eigenen Haus abzuhalten versuchte (Diesen Versuch einer Markierung der kaisertreuen Häuser erwähnen mehrere Quellen; vgl. z.B. Droysen 1881: 6 ff.). Unter den Plünderungen hatte vor allem der Hausrat zu leiden; nicht nur (das oft kaum vorhandene) Bargeld, Schmuck und kostbares Gerät galt als begehrte Beute, sondern auch Tücher und Kleider aus Samt und Seide, Kissen und ähnliches wurde von den Soldaten beschlagnahmt und erpresst und zu Geld umgesetzt oder auf dem Seeweg über Neapel abtransportiert. Selbst die Bleiruten nahm man aus den Fenstern, um daraus Kugeln zu giessen; ein weit verbreiteter Brauch, wie z.B. ein "Schweizerisch Kriegsgebet" aus "Des Knaben Wunderhorn" bezeugt:

Kein Haus blieb beim Sacco unversehrt: "Urbe adeo vastatà atque dirutà, ut aegrè integram vel unam aliquam domum invenisses; nec species tantae majestatis restabat, quantà ante paucissimos dies Terrarum Orbis Imperii fundatricem conservatricemque etiamnum testabatur"(zit. Droysen 1881 :41). Viele versuchten, ihre Schätze zu vergraben; in einem bei Milanesi abgedruckten Dialog erzählt der eine Gesprächspartner, Antonio, wie er die Feinde von seinem Haus abzuhalten versucht, indem er das Pestzeichen an die Tür malt, und wie er in aller Eile seine Kostbarkeiten versteckt, das Innere des Hauses aber unauffällig lässt: "...e per non avere potuto mandar fuora la roba, avevo in certo secreto riposto le scritture e panni e drappi per duemila scudi, e ducati mille di contanti, e cinquecento tra argenti e altre masserizie migliori: l'avevo pure lasciato la casa fornita ordinariamente" (zit. Milanesi 1867:436). Manche vergrabenen Schätze sind lange Zeit nach dem Ereignis zufällig wieder zum Vorschein gekommen (vgl. Pecchiai 1948:430). Vielfach wurden beim Sacco die Häuser auch noch in Brand gesteckt: "War das Haus gänzlich ausgeplündert, so wurde oft die Brandfackel hineingeworfen"(Pastor 4.2:276). Was die plündernden Soldaten nicht aus den Häusern hatten mitschleppen wollen oder können, demontierten noch die Plünderer, die unter dem Schutz der Colonna aus den umliegenden Randgebieten in die Stadt drangen: "I villani di Roma col braccio [i.e. con l'aiuto] de li signori Colonnesi vennero et se portarono [si portarono via] le masseritie in gran parte de le case sachegiate como i lecti rami [le cose di rame] et feramenta et cose grosse ehe da soldati no se extimavano. Abruciorno infinite cose et tutte le finestre et porte de le case che per loro non se abitavano, solarii et tecti infiniti, le ferrate et altri ferri levorno, quali vendevano ad marinari a la Ripa ehe per mare con molte figure marmoree et cocci portate furno"(zit. nach den Aufzeichnungen eines Messer Theodoro Qualderonico, in Lenzi 1978:151f.).

Jene Paläste, deren Besitzer sich als Anhänger der kaiserlichen Partei in Sicherheit wähnten, wurden bald zum Zufluchtsort vieler Verfolgter und zum eigentlichen Depot mancher in Eile herbeigeschaffter Schätze (Zur Plünderung der Paläste vgl. Gregorovius 1872: 538f.; Hook 1972:168 f.). Im Palast des portugiesischen Botschafters deponierten der römische Adel, verschiedene Händler und Juden Wertgegenstände von insgesamt 500'000 Dukaten; schliesslich reizte gerade dieser angehäufte Reichtum die plündernden Soldaten, die das Haus erstürmten und denen das Gut in die Hände fiel. Ueber die Details zum Schicksal dieses Palastes berichtet ausführlich der bei Milanesi abgedruckte Brief des Kardinals Trivulzio von Como (Milanesi 1867:471 ff.). In Sicherheit wähnte sich auch Isabella Gonzaga d'Este in ihrer Residenz im Palast Colonna bei S. Apostoli, war sie doch die Mutter des kaiserlichen Befehlshabers Ferrante Gonzaga (vgl. Pastor 4.2:284; Reumont 1870:202 f.; Luzio 1908). Viele Prominente suchten mit ihrem Vermögen in Isabellas Haus Schutz, darunter auch der venezianische Botschafter Venier. Am 18. Mai floh Isabella (in der Begleitung des als Packträger verkleideten Venier) aus der Stadt, welche ihre Sicherheit nicht mehr zu gewähren vermochte, und der Palast fiel mitsamt den zugeflüchteten Bewohnern und deren Hab und Gut den Plünderern anheim.

Nicht besser erging es dem kaisertreuen Kardinal Enckefort, einem gebürtigen Niederländer; auch bei ihm flossen allerlei Reichtümer zusammen, welche sich die spanischen und deutschen Söldner nicht entgehen liessen. Eine deutsche Zeitung berichtet davon: "In des Cardinals Enckefort hauss, der aus nyder landen geborn, vnnd auch Keyserlicher Mayestet part geacht ist, Darumb yn seyn haus, von vil Römern, andern Cardinälen, Bischoffen, und vil Herren gross gutt zubehalten gegeben worden, Der hoffnung, es sol besser yn seynen haus erhalten werden, des alles die Spanier yr gut kundtschafft gehabt haben, das selbig hauss eyngenummen, vnd sich vertragen mit berürtem Cardinal, das er sol für sein leyb, sein haus, hoff und für alle seyne güter, bezalen dreyssig taussent Ducaten, vnd haben yn also Saluiert." (Droysen 1881:29). Auch andere Kardinäle der kaiserlichen Partei wurden ausgeplündert, wie eine lateinische Relation berichtet: "Cardinalium nonnulli capti, domibus direptis luxuriae diu congesta instrumenta palam faedari videre. Cardinalis Sena Palatio suo extractus magno auri pondere vitam redimere compulsus est. Ipsae aedes vectibus dolabrisq; effractae, portae combustae, thesauri ingentes elati, rapinae furentibus, ut quaeque manus militum confidentior intraverat. Hispanorum globus Cardinalis Ponceti insignes & celebres divitias diripuit, auro argentoque servato‚ pretiosis vasis, supellectili, lectis, pulvinaribus, & quicquid hujus census erat per vicos dispersis, quae meliorum cupidine & abundantia avaritia militis contemnebat. Duo alii purpurati Patres Ara Caeli, qui Ordinis S. Francisci fuerat, Cardinalisque Minerva, Dominici quondam monachus, censiti, exacto auro persoluto, dimissi sunt, nec cognitum est nisi perpaucis quo pretio captivitatem redemerint"(zit. Droysen 1881:41f). Auch der Palast des kaiserfreundlichen Kardinals Pompeo Colonna wurde geplündert.

Auf Befehl desselben Colorma wurde - gleichsam aus persönlicher Rache an den Medici - die Villa Madama am Monte Mario in Brand gesteckt, die Clemens VII. als Kardinal Giulio de'Medici hatte erbauen lassen, den florentinischen Villen-Typ nach Rom übertragend (vgl. Reumont 1870:204; Hook 1972:168; Pastor 4.1:549 f.; Pastor 4.2:561; Castagnoli 1958:388).

Ein schweres Schicksal traf den reichen Domenico Massimi, der mehrere Kinder auf schreckliche Art verlor und dessen Palast an der Via Papale abgebrannt ist (Pastor 4.2:276; Castagnoli 1958:386; Pecchiai 1948:515 f.). Nach dem Sacco ist der Palast durch Domenicos Sohn Pietro nach den Plänen des Baldassare Peruzzi neu aufgebaut worden. Eine Quelle berichtet über die Grausamkeiten : "Dominici Maximi summae inter Romanos nobilitatis viri duo filii, major annorum sex & viginti, veteri prosapiâ suâ digno obitu parentem antevertere; irrumpentibus enim latronibus senemque vinculis constricturis obvii ambo eousque dimicando obstitere donec uterque confossus ad patrem aditum patefecit." (Droysen 1881:42). So hat der Sacco in Rom zahlreiche Schäden an den Inneneinrichtungen der Häuser, aber auch an den Bauten selber verursacht; kaum ein Cortile, kaum ein piano nobile blieb unversehrt. Christoph L. Frommel hat in seinem Werk "Der römische Palastbau der Hochrenaissance" einige Quellen zu den Zerstörungen während des Sacco und zum anschliessenden Wiederaufbau', der rund zehn Jahre in Anspruch genommen haben soll (Castagnoli 1958:386)‚ zusammengestellt (Christoph L. Frommel, Der römische Palastbau der Hochrenaissance. Bd.2, Katalog. Tübingen 1973. S.234 der Palast der Brüder Massimo; S.209 ein Beispiel für Quellen über die Plünderang eines Palastes während des Sacco; S.270 ein Beispiel für die Behebung von Schäden nach dem Sacco). Beim Wiederaufbau Roms konnte die Kurie auf jene Geldmittel zurückgreifen, die ihr von Gebieten ausserhalb Roms auch nach der Niederlage noch immer in reichem Mass zugeflossen sind. Die vor allem durch die später einsetzende barocke Bautätigkeit geprägte Architektur Roms gibt jedenfalls anhand der Monumente wenig Aufschluss über die Schäden der Katastrophe des Sacco; umso eindrücklicher berichten darüber die schriftlichen Quellen.

Bald einmal wurde sozusagen eine statistische Bilanz über die Menschenopfer und das finanzielle Ausmass der Kriegsschäden gezogen; mehrere Quellen berichten davon, und aufgrund des Zahlenmaterials des kurz vor dem Sacco durchgeführten "Censimento" (vgl. Pecchiai 1948:439; Zahlenmaterial und Tabellen zur Bevölkerungs- und Berufsstruktur des damaligen Rom auch.bei Lenzi 1978:114ff.) lassen sich diese Angaben einigermassen überprüfen und einordnen.

Der Kardinal Trivulzio zieht die folgende Bilanz: "Il sacco di Roms si fa, per mercanti esperti et romani bene intelligenti, che importi al manco da sei in otto millioni di ducati; non già che li inimici si possino valere di tanto, ma la città et paese è bene dannificato da questa somma; et fanno che, tra denari, oro et argento et gemme, li inimici habino trovato per più di uno milione di ducati, et taglie di prigioni molto più che un altro milione; e dipoi cavati tutti li denari di Roma, hanno anco avuto in cedole de banchi a centinara di migliara di ducati. Fanno ehe li Romani in bestiami solamente, tra rubati dalli inimici et amici, sieno dannificati per più di cinquecento mila ducati" (zit. Milanesi 1867:488). Guicciardini macht folgende Angabe: "...sei milioni di oro, e quella delle taglie poste a questo e quello, non molto meno" (zit. Milanesi 1867:237, Anm. 1). Bei Torrigio finden sich folgende Angaben: "Dal ehe si raccoglie quanto fosse il danno, che seguì in quell'anno si turbulento: oltre, che scriue il Bonfiglio nell'Hist. di Sicilia p.2.lib.2 che quel sacco fù stimato di 15.milioni d'oro, e ehe morirno più di 7.mille Romani" (zit. Torrigio 1675:259). In der neueren Literatur beziffert Pastor die Menschenopfer des Sacco mit rund 18'000 Toten (vor dem Saoco in Rom 55'000 Einwohner, nach der Katastrophe 32'000 Ueberlebende) (Pastor 4.2:562), und Hook spricht von einem Gesamtschaden für die Stadt im Betrag von rund 7-12 Mio. Golddukaten; die Beute der Kaiserlichen beziffert Pastor mit über 1 Mio. Dukaten, dazu kommen rund 4 Mio. Dukaten aus Lösegelderpressungen. (Hook 1972:180; Pastor 4.2:285)

6. Das Schicksal der bildenden Künstler Roms während des Sacco

Wir haben bereits berichtet, wie Benvenuto Cellini (1500-1571) dem Papst in die Festung der Engelsburg gefolgt war und dort als Kanonier und Goldschmied diente; mit Cellini waren auch die Künstler Lorenzo Lotto (1480-1556) und Rafael da Montelupo (ca.l505-um 1566), dessen Autobiographie davon berichtet ‚im selben Kastell als Schützen tätig. Sie alle genossen in der Gesellschaft des Papstes hinter den festen Mauern des Hadriansgrabes eine gewisse Sicherheit, die sie vor dem schlimmsten verschonte.

Anders war es mit den übrigen ebenfalls in Rom ansässigen Künstlern, die während der ersten schlimmen Zeit der Plünderung und in der folgenden Periode der Krankheiten, Misshandlungen und Entbehrungen unmittelbar in die Hand der Feinde fielen: Ueber ihr schweres Los berichtet Vasari in seinen "Vite" (Gaetano Milanesi (ed.), Le Vite de'più eccellenti Pittori Scultori ed Architettori, scritte da Giorgio Vasari, Pittore Aretino. 8 Bde. u. Index. Florenz 1878-1882 (zit. Vasari-Milanesi); A[dolf] Gottschewski und G[eorg] Gronau (ed.), Giorgio Vasari, Die Lebensbeschreibungen der berühmtesten Architekten, Bildhauer und Maler. Deutsch hg..7 Bde. in 9 Teilbänden. Strassburg 1916-1927(zit. Vasari-Gottschewski)). Am glücklichsten waren vielleicht noch jene, denen die gar nicht leichte Flucht aus den bewachten Mauern der Stadt gelang; eine Stimmung des "Rette-sich-wer-kann" griff um sich, "ce fut un sauve-qui-peut général", wie Müntz sich ausdrückt (Eugène Müntz, Histoire de l'Art pendant la Renaissance. Tome III: Italie. La fin de la Renaissance. Paris 1895, S. 232).

Nach einer Notiz von Hook (Hook 1972:28, Anm. 7) soll die römische Künstlerkolonie 1526 nicht weniger als 267 Künstler umfasst haben, von denen bekannt ist, dass sie in diesem Jahr in Rom gearbeitet haben; von diesen sind lediglich zehn Römer von Geburt. Einer der bedeutendsten Meister aus der Schule Raffaels, der römische Maler und Architekt Giulio Romano (1499-1546), hatte seine Vaterstadt bereits 1524, einige Jahre vor dem Sacco, verlassen, um für den Rest seines Lebens am Hof der Gonzaga in Mantua zu wirken. Pierino del Vage (1501-1547) (Vasari-Milanesi 5:611) wurde während des Sacco gefangengenommen und musste soviel Lösegeld bezahlen, dass er beinahe den Verstand verlor. Für spanische Soldaten malte er während der Plünderung Bilder; durch die Vermittlung Bavieras lieferte er dann einige Zeichnungen zu den Göttermetamorphosen, die Jacopo Caraglio in Kupfer stach. Schliesslich war Perino froh, sich durch Vermittlung des venezianischen Stickers Niccola nach Genua absetzen zu können, wo ihn der Fürst Doria bei der Ausschmückung seines Palastes beschäftigte.

Dem Raffaelschüler Vincenzo da San Gemigniano, auch Vincenzo Tamagni genannt (1492-um l530) (Vasari-Milanesi 4:491) gelang die Flucht nach seinem Heimatort. Der vor allem als Dekorateur und Stukkateur bekannte Giovanni da Udine (1487-1546) (Vasari-Milanesi 6:560) verliess Rom und kehrte ins Friaul zurück. Der Kupferstecher und Verbreiter von Dürers und Raffaels Kunst, Marcantonio Bolognese (um l480-l530) (Vasari-Milanesi 5:395ff.) verliess Rom ebenfalls für immer; Vasari berichtet: "Dann aber erfolgte die Plünderung Roms und Marcantonio wurde fast zum Bettler; denn er verlor nicht nur alles, sondern musste, um sich aus den Händen der Spanier zu befreien, ihnen auch ein tüchtiges Lösegeld zahlen. Dann verliess er Rom und kehrte nie wieder dorthin zurück..."(zit. Vasari-Gottschewski 4:565f.). Der Fassadenmaler Polidoro da Caravaggio (1500-1543) entkam nach Neapel, während sein Freund Maturino (gest. 1527) in Rom ein Opfer der dem Sacco nachfolgenden Pest geworden ist (Vasari-Milanesi 5:141ff). Damit hatte sich die Schule Raffaels in Rom als eine unmittelbare Folge der Wirren des Sacco aufgelöst; ein bedeutendes Kapitel der Kunstgeschichte der Renaissance fand damit sein abruptes Ende.

Neben dem Kreis der Schule Raffaels traf der Sacco mit seinen Auswirkungen noch weitere in Rom tätige Künstler, von denen Vasari ebenfalls berichtet. Vom bekannten Architekten und Maler Baldassarre Peruzzi (148l-l536) (Vasari-Milanesi 4:589-611), der vor dem Sacco zum "Architekten von St. Peter auf Lebenszeit" ernannt worden war und 1531 wiederum als Architekt von St. Peter angestellt wurde (vgl. Pastor 4.2:560), berichtet Vasari folgendes: "Als dann das Jahr 1527 herankam, wurde der arme Baldassarre bei der Plünderung Roms von den Spaniern gefangen genommen und verlor nicht nur all seine Habe, sondern wurde auch arg gepeinigt und gequält; denn bei seinem würdigen, vornehmen und gefälligen Aeusseren hielt man ihn für irgend einen grossen Prälaten, oder überhaupt für einen Mann, der ein grosses Lösegeld bezahlen konnte. Als schliesslich jene gottlosen Barbaren erkannten, dass er ein Maler war, liess einer von ihnen, ein getreuer Freund des Connetable von Bourbon das Bildnis dieses ruchlosesten der Kapitäne, des Feindes Gottes und der Menschen, von ihm anfertigen, indem er ihn entweder den Toten sehen liess oder ihm sein Aussehen durch Zeichnung oder durch Beschreibung verdeutlichte. Sobald Baldassarre ihren Händen entkommen war, schiffte er sich ein, um nach Ponte Ercole und von da nach Siena zu gehen; auf dem Wege wurde er aber in einer Weise ausgeplündert und seiner Sachen beraubt, dass er im Hemde nach Siena kam"(zit. Vasari-Gottschewski 7.1:157f.). Vasari-Milanesi weist in einer Anmerkung (Vasari-Milanesi 4:601, Anm. 4) auf eine Urkunde hin, aus welcher hervorgeht, dass Peruzzi von einem Maurermeister namens Girolamo während des Sacco 150 Scudi in Gold ausgeliehen hat, um ein von den kaiserlichen Soldaten erhobenes Lösegeld zahlen zu können.

Der Buchminiaturist Giulio Clovio (l498-1578) (Vasari-Milanesi 7:558f.) legte während den Schrecken des Sacco ein Gelübde ab: Falls er die Plagen und Folterungen der Spanier überleben würde, gelobte er, wolle er Mönch werden. Dies tat er dann auch und trat in Mantua in ein Kloster ein. Später war er dann in Florenz für Cosimo I. tätig. Der Goldschmied und Juwelier Bernardino dei Passeri (1485-1527), der in den Diensten der Päpste Julius II., Leo X. und Clemens VII. gestanden hatte, fiel als 37-Jähriger im Sacco bei der Verteidigung der Stadt, wofür ihm eine Marmortafel gewidmet wurde, deren Inschrift F. M. Torrigio in seinem Werk "Le Sacre Grotte Vaticane" anführt (Torrigio 1675:261). Derselbe Autor berichtet (wie schon vor ihm Vasari) auch vom Schicksal des Aretiner Malers Giovann'Antonio Lappoli (1492-1552) (Vasari-Milanesi 6:10) während des Sacco. Vasari berichtet davon, wie Lappoli bei der Verteidigung des Quartiers Trastevere beim Tor von Santo Spirito zum Gefangenen der in die Stadt eindringenden Spanier wurde, sein Hab und Gut (darunter Gemälde und Zeichnungen) verlor, gefoltert wurde und schliesslich im blossen Hemde zusammen mit einem andern Gefangenen unter Lebensgefahr auf den unsicheren Strassen nach Arezzo entkommen konnte, wo ihn sein Onkel aufnahm.

Der Architekt Jacopo Sansovino (1486-1570) (Vasari-Milanesi 7:499) konnte sich nach Venedig flüchten; Rosso Fiorentino (1494-1540) (Vasari-Milanesi 5:162) wurde gefangengenommen und gefoltert; während sich Francesco Mazzola, genannt Parmigianino (1503-1540) (Vasari-Milanesi 5:225), sein Leben durch künstlerische Arbeiten für die Besetzer retten konnte und schliesslich nach Bologna entweichen konnte. Ueber Parmigianino berichtet Vasari u.a.: "Denn als die Plünderung Roms begann, war er so versessen auf die Arbeit, dass, wie die Soldaten in die Häuser drangen und bereits einige Deutsche in dem seinen waren, er sich trotz des Lärmes, den sie verursachten, von seiner Arbeit nicht fortrührte; nun traten sie zu ihm, sahen ihn arbeiten und waren über sein Werk so verwundert, dass sie ihn nicht daran störten, als brave Leute; die sie wohl gewesen sein müssen. So ward er, während die ruchloseste Grausamkeit jener Barbarenhorden die unglückliche Stadt und Profanes und Heiliges, ohne Ehrfurcht vor Gott und Menschen, verwüstete, von jenen Deutschen beschirmt, hoch geschätzt und vor jeder Kränkung behütet. Das einzige Ungemach, das er für damals erfuhr, war, dass einer von ihnen ein grosser Liebhaber von Malereien war, und er daher genötigt wurde, eine Unzahl von Zeichnungen in Aquarell und Feder herzustellen, die als Zahlung seines Lösegeldes galten..." (Vasari-Gottschewski 5:340).

Durch die Flucht und den Tod von in Rom tätigen Talenten, aber auch durch die materielle Not der Verwüstungen und den Tod oder die Verarmung vieler geistlicher und weltlicher Mäzene (Zum Kreis der Mäzene um Clemens VII. vgl. v.a. Müntz 1895:229ff. "Autour du pape et des membres du sacré collège gravitait une pléiade de riches prélats, de grands seigneurs, de banquiers ou de commerçants désireux de se signaler" [Müntz 1895:230]) ist der Römer Kunstszene durch den Sacco ein Schaden zugefügt worden, von welchem sie sich erst langsam und allmählich wieder erholen sollte. Erst in der neuen Blüte des Barock durften die Klagen über die Plünderung Roms angesichts der wiedererstandenen Pracht der Weltstadt endgültig verstummen.

7. Anhang:

Inventar des Iacopo Grimaldi zu den Schäden in St. Peter während des Sacco

Zitiert nach einem Manuskript des Grimaldi (gest. 1623) in: Francesco Maria Torrigio, Le Sacre Grotte Vaticane... Rom 3. Aufl. 1675, S. 255-259:

(p.255)"...Non voglio quì tralasciare quel, che hò trouato ne M.S. del Grimaldi sriuendo i graui danni, che seguirono delle Reliquie Sacre della Basilica Vaticana nel sacco di Roma nel 1527. Sriue dunque in tal guisa 'Basilica S. Petri diripitur, Reliquiae praedantur, inter quas erat una ex spinis Coronae Dominicae à Iordane Vrsino Archipresbytero donata, & insigni vasculo clusa, quae omnino perijt S. Andreae Apostoli genu vase chrystallino sex Leonibus sustentato cum imagine S. Petri ac nomine Nicolai V. locatum similiter amissum. S. Philippi Apostoli brachium argento, & lapidibus pretiosis occlusum cum uno cammeo galeato quatuor unionibus, & uno Smaragdo ornatum rapitur, & Basilica Sancti Petri tanto thesauro spoliatur. Brachium unum S. Greg. Papae I. itidem etiam ablatum fuit, quod nobilissimo argenteo vase optimo chrystallo, & eius Pontificis imagine decorato honorificè conditum erat, (p.256) Thecam argenteam cum Reliquijs Dominicae Syndonis, & S. Ioannis Chrysostomi. Item arculam argenteam Nic. V. stemmatibus ornatum cum Reliquijs S. Leontij mart. & aliorum SS. Item vasculum crystallinum cum Reliquijs S. Theodori M. argento tectum: Item SS. Machabeorum Reliquias, Item argenteum tabernacuhum clarissimae Vrsinorum gentis signo gentilitio decoratum cum S. Siluestri Papae, & aliorum SS. Reliquijs, Item Sancti Aegidij Abb. in alio digno vasculo Reliquias conditas ingenti iactura tantarum pretiosarum rerum rapto, ossibus Sacrosanctis distractis aliorsum Basilica eadem relicta est, ut haberet in aeternum, quod lugeret. S. Ioannis Chrysostomi digitus tabernaculo dignissimo cristallino clusus. S. Clarae Verg. Reliquiae cum calcaneo in scutella de ambra. Gabassum seu Reliquiarum ab Alex. IIII. argento ornatum. Tabernaculum Christallinum cum pede argenteo de aurato insignibus Eugenij Papae caelatum, multisque ditatum Reliquijs. Tabernaculum alterum de auratum cum crystallo, & Reliquijs SS. Apostoloruin Petri, &Pauli, & aliorum Sanctorum, ac S. Catharinae Verg. etiam cum thecis suis omnino perierunt: ossa Sacratissima, & usque in saeculi finem desideratissima S. Lucae Euang. caluaria à gloriosae memoriae D. Greg. Papa I. argento tecta, quae hodie cernitur, tunc retro Chori Sacellum, (ut antiquorum habet traditio, & constans viget fama) in puteum in tanto rerum anfractu à minore Sacrista proijcitur absconsa ibi per dies aliquot breues immanissime praedae superfuit ingens.(p.257) thesaurus. Armum dexterum S. Stephani Prot. à Pelagio I. Sum. Pont. ad Basilicam eandem antiquitus ritu solemni delatum arcula argentea nudarunt, nouissimè intrà coronam ab Angelo sustentatam Illustrissimi Domini Scipionis Cobellutij eius Basilicae Canonici nunc S. Susannae Presb. Card. impensa ex argento fabrefactam haec tam insignis Reliquia decentissimè collocatur, de costa S. Laurentij M. eius adipe, & carbonibus, quibus vstus fuit, olim in tabernaculo inaurato cum corona argentea positis, atque in Ecclesia S. Saluatoris iuxta Terriones à Carolo Magno constructa, (ut ex priuilegio antiquissimo anni 797.indic. 7 habetur in Archiuo dictae Vat. Bas.) in maiore eius Aedis ara collocatis, & dudum illinc ed Bas. eandem delatis argentum abstulerunt, quae anno 1611. à Reuerendissimo Domino Angelo Damasceno Rom. utriusque Signaturae S.D.N. Papae Referandirio eius Templi Canonico magnifica‚ & nobili theca honorificè clause fuerunt. S. Sebastiani, S. Iacobi intercisi, & S. Mennae inclytorum martyrum capita suis argenteis thecis spoliarunt. S. Iacobi praefati sacra caluaria à Iordane Vrsino donata ex suo Brachiani Ducatu accepta. Item S. Sebastiani caput ab Eugenio IIII. P.M. intrà binas argenteas imagines Lapidibus pretiosis distinctas magnificè claudebantur. Fortissimi Martyris Iacobi intercisi corpus ex Martiniano Castro iuxta Lacum Clodianum Brachianae ditionis, (ut monuxnenta Bracarensis Ecclesiae docent), nuper ad Bas. eandem transmissa, & exempla, Paschalis II. auctoritate, (p.258) ad ipsam Lusitaniae Vrbem delatum fuit. S. Longini M.S. Iosephi ab Arimthia, & Gulielmi Conf. brachia argento sacrilege nudarunt. S. Lamberti Episcopi Traiectensis capitis partem à Nicolao V. argento occlusam spoliarunt. Amissae sunt paucae nonnullae aliae S.S. Reliquiae, ut libri S. Sacrarij eius temporis docent: sed pia Aedituorum illorum diligentia, (Deo iniquos satellites reprimente, ne in peiora ruerent,) multae ea clade serutae fuerunt. Crucem magnam pijssimi Constantini Aug. auream, & argenteam, Regnum, quo coronatus fuit Nicolaas V. Rosam auream Martini V., scutellam ex crisopatio argento aurato ornatam, scutellam ex croniola, nauiculam cristallinam Bas. Petri ab Eug. IIII. donatam, culcitras funebres ad 30. & ultra, candelabra argentea maiora, & minora, Cruces pretiosissimae unionibus, Zaphyris, & balasis ornatas, calcies multos, cimilia denique cuncta ipsorum rapinae placita ingenti iactura praedati sunt. Crucifixum ad hominis staturam sub Carolo Magno donatum à Leone III. ex argento ob nigredinem non cognouerunt: inde in usus sacrorum ad nova candelabra, & duas App. statuas faciendas conuersum relicto schemate, imagineque priori simile ex mixtura in sacrario ad hunc diem. Non defuit tunc Canonicorum opera de seruandis reliquijs enixe. Post direptionem namque magnum calicem argenteum a nobilissima virgine Vrsina filia Iacobi Vrsini in Ecclesia S. Mariae Nouae sepulta pie oblatum, qui ad huc extat, guttur S. Blasij M. in argenteo tabernaculo cum duobus(p.259) Angelis ornato, & Iustini Imperatoris Crucem; & diuersa argenti frusta à Caesarianis Militibus Germanis centum ducatis redemerunt, ut libri Sacrestiae eius temporis docent.' - - - Sin qui il Grimaldi."

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