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Israhel van Meckenems "Grosse Passion" als Illustration in Gebetbüchern des französischen Hochadels:

Die mittelfranzösische Prosapassion von 1398 im Stundenbuch des Karl von Angoulême (Paris, Bibl. nat., Ms. lat. 1173) und Antoine Vérards Verspassion für Anna von Bretagne (Paris, Bibl. nat., Ms. fr. 1686)

Fritz Oskar SCHUPPISSER

Erstveröffentlichung in: UNSER BOCHOLT, Zeitschrift für Kultur und Heimatpflege, herausgegeben vom Verein für Heimatpflege Bocholt e.V., 42 Jg. H. 1 (1991), S. 16-31.

Der 1503 in Bocholt verstorbene Goldschmied Israhel van Meckenem hat ein reiches Oeuvre von über 600 Kupferstichen hinterlassen. Diese Blätter sind 1934 von Max Lehrs im 9. Band seines Kritischen Katalogs1 ausführlicher beschrieben und katalogisiert worden. Seit einiger Zeit steht dem Kunstfreund nun ein zusätzliches wichtiges Arbeitsinstrument zur Verfügung: In einem 1986 von Fritz Koreny bearbeiteten Band, der nach den Lehrs-Nummern geordnet ist, sind sämtliche Stiche Meckenems neu beschrieben und die jüngere Forschungsliteratur ist nachgetragen; zudem sind in einem separaten Bildband alle Kupferstiche Meckenems in Abbildungen zugänglich gemacht.2

Meckenem hat mehrmals Kupferstichfolgen gestochen (oder als Verleger vertrieben), die das Leiden Christi, die Passion, zum Inhalt haben. In meiner 1988 in Bern bei Prof. Ellen J. Beer abgeschlossenen Dissertation "Passionsfolgen im frühen Kupferstich nördlich der Alpen vor Dürer. Ein Beitrag zur Illustration der spätmittelalterlichen Passionsliteratur", welche im Druck erscheinen soll, habe ich mich eingehender mit den Passionszyklen des frühen Kupferstichs (15.Jh.) befasst und insgesamt 44 Passionszyklen verschiedener Stecher untersucht. Manche dieser Stiche sind als Illustration von Gebetbüchern oder als Vorlageblätter für Werke anderer Künstler benutzt worden; versucht man, den Spuren dieser Verwendungen anhand ausgewählter Beispiele nachzugehen, so gelangt man unmittelbar in die faszinierende Welt der mannigfaltigen Darstellung des Leidens Christi in der bildenden Kunst und Literatur und wird hineingeführt in eine Zeit der stürmischen Entwicklung neuer Reproduktionstechniken (Druckgrafik, Buchdruck), welche in den Dienst der Buchproduktion gestellt worden sind.

Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts wurden am Niederrhein und in den Niederlanden massenweise kleinere hochformatige Kupferstiche produziert, welche vorwiegend zur Illustration von Stunden- und Gebetbüchern benutzt worden sind. Die Stecher dieser Illustrationen hat Lehrs 1915 im 3. Bd. seines Katalogs beschrieben und mit Notnamen benannt; nach einer umstrittenen Hypothese Max Geisbergs soll der als "Meister der Berliner Passion" bezeichnete Stecher identisch sein mit dem Vater Israhel van Meckenems. Wie dem auch sei, jedenfalls wurde im Atelier des Goldschmiedes Meckenem in Bocholt gerne auf Vorlagen älterer Stecher zurückgegriffen, und die Herstellung der offensichtlich sehr gefragten kleinformatigen Stiche zur Illustration von Gebetbüchern wurde fleissig fortgesetzt.

Obwohl wir an dieser Stelle nicht näher auf die Verwendung dieser kleinformatigen hochrechteckigen Passionszyklen in handschriftlichen Gebetbüchern eingehen wollen, sei es uns hier gestattet, auf ein Gebetbuch hinzuweisen, welches mit der Stadt Bocholt in Verbindung steht: Das um 1470 geschriebene "Stundenbuch der Johanna von Bocholt" (Berlin, Staatsbibl. Ms. germ. oct. 87)3, welches aus dem deutsch-niederländischen Grenzgebiet stammt und mit Miniaturen geschmückt ist, welche sich beim näheren Betrachten als aufs Pergament aufgeklebte, übermalte Kupferstiche entpuppen.

Dieses Stundenbuch verwendet für verschiedene Textabschnitte die mittelniederländische Uebersetzung Geert Grotes (1340-1384), des Begründers der Devotio Moderna, einer in den Niederlanden und im angrenzenden Gebiet einflussreichen Frömmigkeitsbewegung.

Der Textabschnitt mit Grotes Uebersetzung der Sieben Busspsalmen beginnt mit Psalm 30 und ist illustriert mit einer Miniatur zum "Jüngsten Gericht" [ABB. 1]: Christus, auf dem Regenbogen thronend, weist sich durch das Vorzeigen seiner Fünf Wundmale als Weltenrichter aus; die aus ihren Gräbern Auferstehenden haben vor ihn zu treten und über ihr Leben Rechenschaft abzulegen. Das Urteil führt entweder zur ewigen Seligkeit (Symbol der Lilie) oder zur ewigen Verdammnis (Schwert). Anstelle einer eigenhändigen Vorzeichnung hat der Illustrator Teile eines Kupferstichs des Meisters der Marter der Zehntausend verwendet, was besonders an den Gesichtern und an der Anatomie der Figuren gut zu erkennen ist. Fromme Laien beteten die Tagzeiten des Stundenbuchs und auch die Busspsalmen, um selber nach der Beichte Busse zu tun und ihre Strafen nach dem Tod zu mildern, aber auch mit dem Zweck, die Qual der Seelen ihrer verstorbenen Angehörigen im Fegfeuer zu verkürzen. Oftmals bitten Besitzer solcher Gebetbücher in handschriftlichen Einträgen ihre sie überlebenden Nachgeborenen, fleissig für ihre Seelen zu beten.

In diesem Zusammenhang sind sicher auch die eingetragenen Notizen der Familienchronik unseres Gebetbuchs zu sehen: Eine "Jonffer agnes van oey" und deren Nichte "Jonffer Johana van bocholt"(f.228v) waren die ersten Besitzerinnen des Stundenbuchs, und nach den genealogischen Nachforschungen von Hans Wegener4 war Agnes van Oyen wohl die Frau des Zeger van Merwyck, des Onkels der Johanna van Bocholt. Agnes starb 1501 und vermachte das Gebetbuch ihrer Nichte Johanna, welche einen Arnold van Bocholt auf Tongerlo, Amtmann in Cuijk und Grave, heiratete. Auf den letzten Blättern des Stundenbuchs führte Johanna bis zu ihrem Tod im Jahr 1550 eine kleine Familienchronik, worin sie die Geburtstage und Paten ihrer Kinder sowie die Hochzeits- und Sterbedaten ihrer Angehörigen notierte. Die Familie van Oyen, die van Merwyck und die van Bocholt waren begütert im Grenzgebiet der Niederlande und des Niederrheins sowie in Westfalen. Auch die sprachliche Eigenart des Gebetbuchs (mittelniederländisch mit einigen niederrheinischen Einschlägen) sowie der Kalender (mit Heiligen der Bistümer Utrecht, Lüttich und Köln) weisen auf die Herkunft aus diesem Grenzgebiet hin. Die Miniatoren des Gebetbuchs, die in religiösen Gemeinschaften der Devotio Moderna am Niederrhein tätig waren, werden neuerdings mit dem Notnamen "Meister der Margriet Uutenham" bezeichnet.5

Im Gegensatz zu den erwähnten kleinformatigen Passionszyklen Meckenems handelt es sich bei der "Grossen Passion" Meckenems (Lehrs Bd.9, Nr. 142-153) nach der Meinung der besten Kenner wohl nicht um Kopien, sondern um eine weitgehend selbständige Leistung des Bocholter Stechers. Zudem sind die Blätter der "Grossen Passion" von Meckenem signiert, während die restlichen angeführten Zyklen (mit Ausnahme der teilweise ebenfalls signierten "Kleinsten Passion") nur hypothetisch mit Meckenems Namen zu verbinden sind. Wir können hier nicht näher auf die künstlerische Gestaltung der einzelnen Blätter von Meckenems "Grosser Passion" eingehen und verweisen den Leser auf die gedruckte Magisterarbeit von Jutta Schnack.6 Wie Schnack deutlich gemacht hat, setzt Meckenems "Grosse Passion" die Kenntnis von Martin Schongauers Kupferstichpassion (Lehrs Bd.5, Nr.19-30) voraus, aus welcher der Bocholter einige Motive übernommen hat. Schongauers Zyklus dürfte in den späten 1470er Jahren entstanden sein, Meckenems "Grosse Passion" in den frühen 1480er Jahren. Max Geisbergs Feststellung, der Bamberger Passionsteppich, welcher bereits verschiedene Blätter von Meckenems "Grosser Passion" benutzt, trage das Datum 1480 und gebe daher einen terminus ante quem für die Datierung der Stiche ab, trifft nicht zu; der Teppich trägt keine Jahrzahl und ist nach neueren Untersuchungen erst um 1500 zu datieren.7 Zu bedauern ist der Umstand, dass von einem etwa gleichzeitig mit der "Grossen Passion" entstandenen umfangreicheren Gemäldezyklus, den Altartafeln aus der St. Michaelskirche in Lüneburg, nur noch das Gemälde mit der "Fusswaschung" (Lüneburg, Museum Inv. Nr. 1628.I) erhalten ist, während die übrigen (der insgesamt mindestens zehn) Tafeln leider 1791 bei der Profanierung der Kirche zerstört worden sind.8 Sollten die Darstellungen der vermissten Tafeln noch irgendwo anders, vielleicht auf Nachzeichnungen, überliefert sein, besässen wir ein in unserem Zusammenhang äusserst wichtiges Vergleichsmaterial, ist doch die erhaltene Tafel der "Fusswaschung" sehr eng mit dem entsprechenden Stich von Meckenems "Grosser Passion" verwandt.

Schliesslich sei in diesen einleitenden Bemerkungen zu Meckenems "Grosser Passion" noch darauf hingewiesen, dass Meckenem die Kupferplatten für seine Abdrucke verschiedentlich neu aufgestochen hat; in seinem Katalog von 1986 führt Koreny für jedes Blatt die verschiedenen Plattenzustände an und modifiziert bei einigen Stichen die Angaben des Katalogs von Lehrs, indem er noch zusätzliche Plattenzustände beschreibt.

Die komplette "Grosse Passion" Meckenems ist in vorzüglichen, nicht kolorierten Abzügen des ersten Plattenzustandes enthalten in einem lateinischen Stundenbuch, das auch einige französische Texte enthält (London, British Library, Ms. Sloane 3981). Die Stiche sind auf die Pergamentseiten der Handschrift aufgeklebt und in goldene Rahmen eingefasst. Das Stundenbuch enthält eine kombinierte Tagzeit zur Jungfrau Maria, zum Hl. Kreuz und zum Hl. Geist, wobei drei verschiedene Tagzeiten gleichsam in eine einzige zusammengezogen sind, ein Charakteristikum mancher französischer Stundenbücher des späteren 15. Jahrhunderts.

Fol. 13v/14 zeigt Meckenems "Gefangennahme" (L.143) neben dem lateinischen Gebettext mit der Matutin des Stundengebets zum Hl. Kreuz [ABB. 2]. Der Gebettext ist mit Initialen und Zeilenfüllstreifen geschmückt, und entsprechende Rubriken geben die einzelnen Teile des liturgisch aufgebauten Stundengebets an: Als Hauptteile den Hymnus (Strophe eines geistlichen Gesangs) und das Kirchengebet (Oratio); dazwischen die beim ursprünglichen Chorgebet im Wechsel vorgetragenen Verse: Antiphon (A), Versikel (V) und Responsorium (R). Hier, wie auf allen Textseiten, fehlt eine gemalte Bordürendekoration, was die schöne, gestochen scharfe Schrift umso besser zur Geltung bringt. Leider verfügen wir über keine näheren Angaben zum ersten Besitzer und zur Entstehungszeit dieses Stundenbuchs.

Auch im "Stundenbuch des Grafen Karl von Angoulême" (Paris, Bibl. Nat., Ms. lat. 1173)9 sind sämtliche 12 Blätter von Meckenems "Grosser Passion" eingeklebt und mit Deckfarben wie Miniaturen meisterhaft koloriert [ABB. 3]. Die 12 Stiche illustrieren in diesem Stundenbuch den Text einer mittelfranzösischen Prosapassion (f.60-115), die nach den Angaben des (seinen Namen nicht nennenden Uebersetzers) im Jahr 1398 von einer lateinischen Vorlage ins Mittelfranzösische übersetzt worden ist. Möglicherweise handelt es sich um einen Text des Kanzlers der Pariser Universität, Johannes Gerson (1363-1429), von welchem wir wissen, dass er im Jahr 1398 eine Passion für die französische Königin Isabeau von Bayern (1369-1435), die Gattin Karls VI. (1368-1422), übersetzt hat10.

Unser Stundenbuch enthält verschiedene künstlerisch hervorragende Miniaturen. Einige sekundär eingefügte Illustrationen können mit der Werkstatt des Jean Bourdichon11 in Tours in Verbindung gebracht werden, während die meisten andern Illustrationen vom "Meister des Charles d'Angoulême", welcher vielleicht mit Robinet Testard12 zu identifizieren ist, stammen. Der letztere hat, wie Anne Matthews gezeigt hat,13 einerseits verschiedentlich Kupferstiche als Vorbilder für ganze Kompositionen oder einzelne Motive seiner eigenen Miniaturen benutzt, anderseits hat er in unsere Handschrift eingeklebte Kupferstiche wie Miniaturen übermalt. Zudem haben Figurenalphabete aus der Druckgrafik als Vorlagen für Initialen und auch für die 17 Grossbuchstaben einer mit einem kunstvollen "Ave Maria" dekorierten Seite (f.52) gedient.

Wir erwähnen hier lediglich die übermalten Kupferstiche, welche sich (zusätzlich zu den 12 Blättern von Meckenems "Grosser Passion") in dieser Handschrift befinden: F.16v ist ein Papierblatt mit einem Ornamentstich Meckenems (L.616) eingefügt, und ein weiterer "Ornamentstich mit vielen Blumen" (f.26v) vom Meister der Berliner Passion (L.117) enthält verschiedene, farblich schön differenzierte Blütenmotive. Drei weitere Stiche Meckenems sind auf die Pergamentseiten aufgeklebt und vom Illuminator koloriert: F. 7v ein "St. Johannes Baptista mit Agnus Dei" (L.361) im Medaillon, umgeben von den 4 Evangelisten und den 4 Lateinischen Kirchenvätern im Medaillon; der Miniator hat hier das zentrale Medaillon des Stichs mit dem Täufer übermalt mit einer Majestas Christi und zudem in den vier Zwickeln der Seite 4 Propheten mit Schriftrollen ergänzt. F. 18v finden wir Meckenems (nach Schongauer kopierte) "Geburt Christi" (L.23) als Illustration zur Prim des Marienoffiziums, und f.53v als Illustration des entsprechenden Gebets in den Suffragien das Medaillon "St. Georg besiegt den Drachen" (L.344).

In unserem Stundenbuch ist der Text der 1398 übersetzten Prosapassion illustriert mit den Stichen von Meckenems "Grosser Passion"; das Stundenbuch dürfte in den 1480er Jahren, nur wenig später als die Stiche, entstanden sein. Die 12 kolorierten Stiche sind jeweils auf die Rückseite eines eingefügten Pergamentblattes aufgeklebt, während die gegenüberliegende Seite den Textbeginn eines entsprechenden Abschnittes der mittelfranzösischen Prosapassion (f.60-115) enthält. Die Vorderseiten der illustrierten Blätter enthalten lateinische Gebete, welche auf die Szenen der Stiche bezogen sind. Wie der Passionszyklus endet auch der Text der Prosapassion mit dem "Mahl in Emmaus", bei welchem Christus den beiden Jüngern erscheint. Dieselbe Erscheinung in Emmaus bildet bereits im vorangehenden Teil des Stundenbuchs den Inhalt eines Gebets zum Auferstandenen (f.53), welches in lateinischen Verszeilen abgefasst ist, deren Anfangsbuchstaben als Akrostichon "CHARLES DE VALLOYS"14 ergeben, den Besitzer des Stundenbuchs, Graf Karl von Angoulême.

Charles d'Angoulême (1460-1496), Sohn des Jean d'Angoulême und der Marguerite de Rohan, seit 1467 Graf von Angoulême in der Residenz Cognac, war ein bekannter Förderer der Künste und ein Spross des französischen Hochadels, der mit dem Königshaus der Valois eng liierten Seitenlinie der Orléans-Angoulême. Sein Grossvater, der von den gedingten Mördern des Burgunderherzogs Jean sans Peur umgebrachte Louis d'Orléans (1372-1407), verheiratet mit Valentine Visconti, war der Sohn des kunstsinnigen Valois-Königs Charles V (1338-1380) und der Bruder des zeitweise geistig umnachteten Königs Charles VI (1368-1422); der Onkel unseres Charles d'Angoulême war der berühmte französische Dichter und Führer der Armagnakenpartei Charles d'Orléans (1394-1465), welcher während des Hundertjährigen Krieges 25 Jahre seines Lebens als Kriegsgefangener im englischen Exil verbrachte, wo er zur Feder griff.

Der Besitzer unseres Stundenbuchs, Charles d'Angoulême, war (wie eine ganze Reihe weiterer valabler Kandidaten) zeitweise im Gespräch als möglicher Ehemann der Erbin des Burgunderreichs, der Maria von Burgund, der Tochter des 1477 bei Nancy gefallenen Burgunderherzogs Karls des Kühnen, die schliesslich Maximilian von Oesterreich heiratete. Louis XI, König von Frankreich, der eine Restauration des Burgunderreichs verhindern wollte, verlobte jedoch Charles d'Angoulême mit seiner damals bloss zweijährigen Nichte, Louise von Savoyen (1476-1531), der Tochter des Philippe sans Terre (Graf von Bresse, dann Herzog von Savoyen) und der Marguerite von Bourbon; das Paar heiratete dann 1488, und ihm wurden zwei Kinder, Marguerite (1493-1549) und François Ier (1494-1547), seit 1515 König von Frankreich, geschenkt.

Wir wollen nun den Text der mittelfranzösischen Prosapassion, welcher uns einen guten Einblick in die Passionsfrömmigkeit seiner Zeit gewährt, etwas näher betrachten. Der Gattung nach handelt es sich um eine "Historia Passionis", um eine fortlaufende Erzählung der Ereignisse der Passion aus der Sicht eines spätmittelalterlichen Bearbeiters. Aehnliche volkssprachliche Bearbeitungen sind in dieser Zeit recht häufig; im deutschen Sprachraum liessen sich etwa der dem Heinrich von St. Gallen zugeschriebene Passionstraktat "Extendit manum"15 erwähnen, oder eine andere Erzählung, welche mit den Worten "Do der minnenklich got"16 beginnt. Diese beiden Texte sind in Dissertationen aus den Handschriften transskribiert und analysiert; sie enthalten zahlreiche Motive, die auch in unserer Prosapassion vorkommen. Es ist daher zu vermuten, dass die Bearbeiter dieser volkssprachlichen Passionserzählungen für ihre Schriften gleichartige lateinische Quellen benutzt haben, von welchen hier nur zwei genannt seien: Die von einem Franziskaner aus der Toskana um 1300 verfasste Anleitung zur Meditation des Lebens Christi, bekannt als "Meditationes Vitae Christi"17 des Pseudo-Bonaventura, sowie das beliebte Leben Christi ("Vita Christi")18 des Strassburger Kartäusers Ludolf von Sachsen (um 1300-1378), welches seinerseits auf eine ganze Anzahl älterer Quellen zurückgreift.

Unsere Prosapassion ist nach einem chronologischen Schema aufgebaut, welches die Ordnung für die Erzählung abgibt und in unserem Stundenbuch auch mittels der Dekoration (Initialen und Zeilenfüllstreifen) akzentuiert wird: Der Autor setzt ein mit der Auferweckung des Lazarus, welche 15 Tage vor der Passion, d.h. am Freitag vor dem Passionssonntag Judica, stattgefunden habe. Am Samstag vor Palmsonntag weilt Jesus dann bei Simon dem Aussätzigen zum Gastmahl in Bethanien. Von diesem Tag an werden die Geschehnisse nun tageweise berichtet, vom Palmsonntag bis zum Gründonnerstag, dem Tag des Abendmahls. Mit dem Bericht vom Abendmahl ist der Text bei jenen Ereignissen angelangt, welche auf Meckenems "Grosser Passion" als Szenen wiedergegeben sind. Im Stundenbuch bildet Meckenems "Fusswaschung" (L.142) die Eingangsillustration (f. 59v) zum gesamten ersten Teil der Passionserzählung (Auferweckung des Lazarus bis Gründonnerstag), während die restlichen elf Passionsdarstellungen Meckenems im zweiten Teil der Erzählung jeweils den ihnen entsprechenden Textabschnitt (von der Gefangennahme bis zum Mahl in Emmaus) illustrieren. Wie der Illustrationszyklus endet auch der Text mit der Erscheinung in Emmaus.

Auf der letzten Seite (f.115v) folgt zum Schluss noch ein mittelfranzösisches Gedicht, in welchem Christus auftritt und die Menschen, welche ein Kreuz zu tragen haben, in Versen auffordert, sich an seiner Geduld ein Beispiel zu nehmen.

"Jhesus: Tous malades ladres infaiz.
Dechassez de bourgs et Citez.
Mandiens et pouurez parfaiz.
Orphelins des amys getez.
Endurez uoz aduersitez.
Ainsi comme jay fait jadis.
Et uous serez remeritez.
Aueuques moy en paradis."

(Jesus: <All ihr Kranken, Aussätzigen, Missgestalteten,/ die ihr aus Vorstädten und Städten vertrieben seid./ Ihr Bettler und ganz Armen,/ ihr Waisen, von den Freunden verworfen./ Erduldet eure Widerwärtigkeiten,/ wie ich es früher selber getan habe,/ und ihr werdet mit mir im Paradies belohnt werden>).

Jesus antworten dann verschiedene Mühselige und Beladene, u.a. ein Kranker, ein Gefangener, ein Aussätziger, eine Witwe und ein Waise, aber auch ein Bauer mit einer bösen Frau und ein Bettler. Sie alle schildern ihr Kreuz und den Trost, den sie bei der Betrachtung der Leiden Christi für sich finden.

Wir greifen einige Themen unserer Prosapassion heraus, welche uns wichtig erscheinen. Unsere ganze Erzählung ist von Anfang an gekennzeichnet durch einen uns heute problematisch erscheinenden Judenhass. Jesu Feinde werden recht pauschal mit den Juden identifiziert, deren Eifersucht und Hass Jesu Leiden und schliesslich seine Kreuzigung verursachen. Gleich eingangs der Passion wird festgehalten, wie die "faulx felons Juifz" (falschen verräterischen Juden) gegen Jesus wirken, um seinen Tod herbeizuführen. Zu diesem Zweck kommen die Juden zu drei Beratungen zusammen (1. Rat nach der Auferweckung des Lazarus; 2. Rat am Samstag vor Palmsonntag, als Jesus nach Bethanien zurückgekehrt ist; 3. Rat am Mittwoch der Karwoche, als Judas seinen Verräterlohn erhält). Während der Karwoche predigt Jesus am Montag und am Dienstag jeweils im Tempel zu Jerusalem und entkommt seinen Gegnern auf wunderbare Weise: So spaltet sich der Fels "sault de David" in der Mitte und macht Jesus unsichtbar. Beim Verhör vor Pilatus sind es wiederum die Juden, die auf Jesu Tod hinarbeiten und nicht die Freilassung Christi, sondern jene des Barrabas durchsetzen. Pilatus hingegen möchte Christi Verurteilung zum Tode verhindern und veranlasst Jesu Geisselung und Ausstellung (Ecce homo) mit dem Zweck, bei den Juden Mitleid zu wecken und sie vom Todesurteil abzubringen. Doch die Juden lassen sich nicht erweichen und schreien grausam ("plus que crueuses bestes"): "Kreuzige ihn !". Als die Juden dem Pilatus auch noch drohen, gegen ihn beim römischen Kaiser vorstellig zu werden, spricht Pilatus widerwillig das Todesurteil aus, beteuert aber seine eigene Unschuld und wäscht sich die Hände, während die Juden rufen: "Sein Blut komme über uns und unsere Kinder !(Matth. 27,25)"; dies daure, fügt der Autor hinzu, noch an und sei bis heute wirksam. Unmittelbar nach dem Todesurteil führen die Ritter Pilati Jesus hinaus und versammeln um ihn die Menge der Juden und beugen spottend vor ihm die Knie mit dem Gruss "Ave Rex Judeorum !". Aus diesem Grund, bemerkt der Autor, werde in der Kirche bei den Fürbittegebeten der Karfreitagsliturgie, wenn die Reihe an die Juden komme ("Oremus et pro perfidis Iudaeis/ Lasset uns beten auch für die ungläubigen Juden"), auf ein Niederknien verzichtet.

Bei der Kreuztragung beginnen, was auch die Illustration [ABB. 3] andeutet, viele Frauen zu weinen, und Jesus ruft ihnen zu: "Weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst und eure Kinder (Luk. 23,28)". Kommentierend wird hier erläutert, zur Zeit des Titus und Vespasian habe sich bei der Eroberung Jerusalems durch die Römer diese Prophezeiung Jesu erfüllt, als 30 Juden für einen Denar verkauft wurden, einige meinten sogar, man habe 30 Juden für eine kleine Kupfermünze ("maille") gegeben. 30 Denare, der Zehnte des Wertes von Magdalenas Salbe, betrug nach der Ueberlieferung der Lohn des Verräters Judas, den dieser dann den Hohepriestern reuig vor die Füsse warf, bevor er sich selber erhängte, und aus dem Geld der Blutacker, ein Friedhof für Jerusalempilger, erworben wurde.

Diese Interpretation der Zerstörung Jerusalems durch die Römer (70 n.Chr.) als "Rache Gottes" war im späten Mittelalter weit verbreitet, und aus diesem Stoff ist in Frankreich auch ein religiöses Schauspiel ("La Vengance Nostre Seigneur Jesu Christ") geschaffen worden, welches der Pariser Verleger Antoine Vérard am 6. März 1493 im Druck erscheinen liess. Flavius Josephus hatte als jüdischer Augenzeuge seinen "Jüdischen Krieg" in griechischer Sprache verfasst; bereits in der Alten Kirche gab es jedoch lateinische Uebersetzungen dieser Schrift mit stark christlicher Tendenz, welche einem Hegesippus oder sogar dem Kirchenvater Ambrosius zugeschrieben wurden. Dieser "christliche Josephus" ist dann in die Volkssprachen übersetzt worden und diente als Hauptquelle für die Interpretation der Ereignisse als Rache Gottes an den Juden, weil sie Christus umgebracht hätten. In seiner 1403 in Paris gehaltenen Passionspredigt erwähnt Gerson im selben Zusammenhang, während des Jüdischen Krieges habe eine solche Hungersnot geherrscht, dass eine adelige Frau ihr eigenes Kind getötet, geröstet und verzehrt habe. Zudem führt Gerson an, die Juden, welche zu dreissig Stück für einen Denar verkauft worden seien, habe man getötet, denn einige hätten zuvor ihr Silber und Gold verschluckt.19

In unserer Prosapassion ist dann wiederum die Rede von den Juden bei der Erklärung des Spottwortes zum Gekreuzigten: "Wenn du der König Israels bist, so steige herab vom Kreuz, dann wollen wir dir glauben (Matth. 27,42)". In einem längeren Kommentar wird hier die Meinung zitiert, der Teufel Lucifer selber habe den Spöttern diese Worte in den Kopf gesetzt, um Jesu Kreuzestod und damit Gottes Erlösungswerk zu verhindern. Lucifer habe gemeint, Jesus werde wirklich sogleich vom Kreuz steigen, um den Juden die Gelegenheit zu bieten, sich zu Christus zu bekehren. Jesus aber habe diese List des Teufels durchschaut und sei nicht vom Kreuz gestiegen, weil er wusste, dass die Juden sich auch zuvor, nach der Vollbringung noch grösserer Wunder, nicht zu ihm bekehrt hatten.

Bei Jesu Sieben Worten am Kreuz bezieht sich ein spezieller Kommentar unserer Prosapassion zum 1.Wort ("Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun [Luk. 23,34]") wiederum auf die Juden: Nicht alle, die Jesu Tod zustimmten, hätten nicht gewusst, was sie taten - die Gesetzeslehrer kannten die Schrift und die Worte der Propheten, die von der Ankunft des Retters künden, und doch hatte sie Hass und Neid blind gemacht, so dass sie trotzdem Jesu Tod forderten. Deshalb könne die Unwissenheit sie nicht entschuldigen, denn sie handelten aus Bosheit und bekehrten sich nicht, weshalb sie keine Vergebung aufgrund von Jesu Gebet haben.

Bei all diesen Aeusserungen unserer Prosapassion tritt uns eine theologisch begründete Judenfeindschaft entgegen, eine Haltung, die in den Juden vor allem die Feinde Jesu sieht, die sich in ihrer Verstocktheit nicht zum christlichen Glauben bekehrt haben und sich auch jetzt nicht bekehren lassen und daher zur "massa perditionis", zur Schar der Verdammten, zu rechnen sind. Aufgrund der schrecklichen Verfolgungen und Massenvernichtungen unseres Jahrhunderts (Stichwort Auschwitz) sahen sich die christlichen Kirchen veranlasst, erneut über die Wurzeln der Judenfeindschaft, die auch in gewissen theologischen Lehren zu suchen sind, nachzudenken. Von evangelischer Seite sind dazu lesenswerte Denkschriften erschienen, und die katholische Kirche hat sich anlässlich des Zweiten Vatikanischen Konzils mit diesen wichtigen Fragen befasst und in der Erklärung "Nostra aetate" (Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen) eine Antwort zu geben versucht.20 Auch jüdische Stimmen unseres Jahrhunderts haben sich zu diesen Problemen geäussert,21 und in Grossbritannien gibt es eine ganze Spezialbibliothek (James Parkes Library, Southampton) zum Thema der Darstellung des Judentums durch die christliche Kirche.

Bereits 1959 hatte Papst Johannes XXIII. der Fürbitte für die Juden in der Karfreitagsliturgie ("Oremus pro perfidis Iudaeis") eine neue sprachliche Gestalt gegeben und die Ausdrücke "perfidus" sowie "perfidia Iudaica" aus dem Text streichen lassen, da diese oft missverständlich übersetzt worden seien. Unsere Prosapassion greift bei ihrer Erklärung, weshalb bei dieser Fürbitte auf ein Niederknien verzichtet werde, ihrerseits auf eine frühere mittelalterliche Bibelauslegung, die "Historia Scholastica" des Petrus Comestor (1100-1179), zurück.22

Gleichsam als Kontrastmotiv zum unerbittlichen Hass der Juden und der Grausamkeit der Peiniger berichtet die Prosapassion auch sehr ausführlich von der Anteilnahme der Gottesmutter an Christi Leiden ("compassio Mariae"). Im ersten Teil unserer Prospassion kehrt Jesus vom Palmsonntag bis zum Dienstag der Karwoche jeweils abends aus Jerusalem nach Bethanien zurück, wo er mit der Mutter ausführliche Gespräche führt und sie während der Nacht tröstet. Am Dienstag ängstigt sich die Gottesmutter, weil Jesus, nachdem er am Oelberg seinen Jüngern die Rede über die Endzeit gehalten hat, erst spät aus der Stadt zurückkehrt. Am selben Abend verspricht Jesus seiner Mutter, am morgigen Tag (Mittwoch) nicht nach Jerusalem zu gehen, sondern bei ihr in Bethanien zu bleiben. Während des Nachtessens am Dienstag spielt eine Szene mit stark dramatischem Charakter: Maria setzt den Verräter Judas zwischen sich und Jesus und bittet Judas, von dem sie weiss, dass er gute Beziehungen zu den einflussreichen Schriftgelehrten hat, bei diesen für ihren Sohn einzustehen. Judas verstellt sich und gibt schöne Versprechen ab, obwohl er bereits im Sinn hat, Jesus zu verraten.

Am Mittwoch wird dann ausführlich die sog. Bethanienszene23 geschildert: Jesus weilt den ganzen Tag in Marthas Haus in Bethanien, wo er mit seiner Mutter spricht, sie tröstet und sie über das Mysterium der Passion belehrt. Dabei muss er der Gottesmutter vier Bitten, sein Leiden und ihr eigenes zu mildern, ausschlagen, da er nach der Schrift leiden muss, um die Menschheit zu erlösen:

1.Bitte: Jesus solle die Erlösung der Menschheit bewerkstelligen, ohne den Tod leiden zu müssen;

2.Bitte: Falls Jesu Tod nötig sei, solle dieser ohne Schmerzen und Betrübnis erfolgen;

3.Bitte: Falls Jesus einen schmerzhaften Tod erleiden müsse, solle der Gottesmutter die Gnade verliehen werden, zuvor zu sterben und die Leiden nicht mitansehen zu müssen;

4.Bitte: Falls Maria nicht vorher sterben könne, bitte sie, so empfindungslos wie ein Stein zu sein, um Jesu Tod und Passion nicht miterleiden zu müssen.

Am selben Mittwoch halten die Juden ihren 3.Rat und Judas sucht sie auf, um seinen Meister für den Lohn von 30 Denaren zu verraten.

Diese Bethanienszene trägt mit ihrem Dialog und den vier zunehmend Geringeres fordernden Bitten der Gottesmutter einen stark dramatischen, aber auch einen lehrhaften Zug. In den grossen französischen Passionsdramen ("Mystère de la Passion" von Arnoul Gréban, Paris um 1450; von Jean Michel, Angers 1486) ist sie aufgeführt worden, um den Zuschauern den Sinn des Leidens Jesu zu deuten und nachzuweisen, weshalb auch die Gottesmutter mitleiden musste.

Auch im zweiten Teil unserer Prospassion nimmt Maria in der Compassio Anteil am Leiden ihres Sohnes und wird so zum Vorbild der christlichen Andacht, die als wichtiges Ziel einer fruchtbaren Betrachtung ebenfalls das Mitleiden mit dem Erlöser anstrebt. Wir greifen einige Stellen unserer Prosapassion heraus, in welchen die Compassio Mariae geschildert wird.

Während des Verhörs vor Pilatus bittet Maria die Juden, mit ihrer Zunge und dem Mund die Entstellungen aus dem Antlitz Jesu abwischen zu dürfen, eine Bitte, die unbeantwortet bleibt. Bei der Kreuztragung [ABB. 3] sieht Magdalena den Zug mit Christus und heisst die niedergesunkene Gottesmutter und die Hl. Frauen aufstehen; Maria will sich dem Zug nähern und ihrem Kind das Kreuz tragen helfen, wird aber von Pilatus und den Juden abgedrängt. Dann folgt sie dem Zug und versucht nochmals vergeblich, die Herren zu einer Revision des Todesurteils zu veranlassen. Schliesslich gelingt es Maria doch, ihren Sohn anzusprechen und zu bemitleiden, und Jesus antwortet mit einem Wort aus den Klageliedern Jeremias (Klag. 1,12): "O uous qui passez par la uoye Regardez sil est douleur semblable a la moye (Ihr alle, die ihr vorübergehet: Schauet doch, ob irgend ein Schmerz sei wie mein Schmerz)".

Unsere Prosapassion berichtet auch, wie Maria in der sog. Schleierszene nach Jesu Entkleidung zur Kreuzigung mit ihrem Kopftuch die Scham ihres Sohnes bedeckt. Unter dem Kreuz hält die Schmerzensmutter dann die Marienklage: Es kommt zum ergreifenden Zwiegespräch zwischen dem Gekreuzigten und der Mutter - dann fällt Maria ohnmächtig zu Boden ("sesuanuyssoit et pasmoit a terre"). Eine Notiz vermerkt, in Konstantinopel sei noch ein Stein zu sehen, welcher durch die Macht der Tränen Marias ein wenig ausgehöhlt worden sei.

Beim Bericht über Jesu Sieben Worte am Kreuz ist das 3.Wort ("Frau, siehe dein Sohn" [Joh. 19,26]) an Maria gerichtet, und beim Kommentar zum 5.Wort ("Mich dürstet" [Joh. 19,28]) führt der Autor aus, es sei Sitte gewesen, den Verurteilten vom besten Wein zum Trinken zu reichen, damit sie ihre Schmerzen minder spürten; doch hätten die falschen Burschen zuvor den guten Wein selber getrunken und den Krug dann mit Essig ("vin aigre") gefüllt, welchen Jesus, nachdem er ihn gekostet hatte, nicht mehr habe trinken wollen. Maria wäre gerne in die Stadt geeilt, um ihren armseligen Rock zu verpfänden und dafür guten Wein zu kaufen, hätte sie nicht gewusst, dass Jesus, noch bevor sie hätte zurück sein können, mit Sicherheit in der Zwischenzeit verschieden wäre.

Nach Jesu Kreuzestod bricht Maria ohnmächtig unter dem Kreuz zusammen, und die Schergen des Pilatus heissen Johannes und ihre beiden Schwestern, sie von dort wegzuschaffen. Die Geschehnisse nach Jesu Tod bis zum Schluss der Prosapassion (Mahl in Emmaus) werden dann weitgehend nach den franziskanischen "Meditationes Vitae Christi" des Pseudo-Bonaventura (Kp. 80-91) erzählt. Auch bei diesem letzten Teil der Prosapassion steht die Gottesmutter als Vorbild aller Compassio stark im Vordergrund. Als Maria nach der Beweinung (Vesper) und Grablegung spätabends mit den Ihren wieder in die Stadt zurückkehrt, kniet sie am leeren Kreuz nieder und betet es als erste an, und mehrmals wendet sie ihren Blick zurück zum Kreuz und zum Grab. Beim Stadttor kleiden ihre beiden Schwestern Maria als Witwe ein, und ein grosser Zug klagender Frauen begleitet die Gottesmutter durch die Stadt Jerusalem zum Haus des Abendmahls auf dem Zion. Hier rememoriert Maria nochmals für sich die Leidensstationen, bis es schliesslich Johannes gelingt, ihr, nachdem sie seit Gründonnerstag nüchtern geblieben war, etwas zum Essen zu reichen und sie mit dem Hinweis auf die bevorstehende Auferstehung zu trösten.

Nach seiner Höllenfahrt am Samstag erscheint Christus am Ostermorgen dann zuallererst seiner Mutter und erzählt ihr, wie er sein Volk aus der Hölle befreit und was er alles getan habe. Diese (nicht in der Bibel enthaltene) "Allererste Erscheinung Christi vor seiner Mutter Maria (Et prima vidit)" ist auch verschiedentlich in der bildenden Kunst dargestellt worden.24 Wir zeigen hier die Darstellung dieser Szene auf dem um 1500 entstandenen Breslauer Krappe-Altar (heute Warschau, Muzeum Narodowe) [ABB. 4]. Der Breslauer Maler, welcher für andere Tafeln desselben Altars auch mehrmals Blätter von Meckenems "Grosser Passion" als Vorlage benutzt hat,25 zeigt die Erscheinung des Auferstandenen vor Maria. Christus mit der Kreuzfahne weist der Mutter seine Wunden vor und beruhigt sie mit dem Hinweis, seine Schmerzen seien nun alle gestillt. Hinter Christus erscheinen die Seelen, die er aus der Vorhölle befreit hat; im ersten Glied die Ureltern Adam und Eva und Johannes der Täufer. Maria ist von Engeln begleitet, ganz besonders von ihrem (auch in unserer Passion verschiedentlich erwähnten) Schutzengel Gabriel, welcher sie seinerzeit bei der Verkündigung besucht hatte.

Unsere Prosapassion reiht sich somit in eine ganze Gruppe mittelalterlicher Passionsberichte ein, welche (wie auch die meisten Passionsdramen) der Gottesmutter und Jungfrau Maria eine wichtige Rolle im Passionsgeschehen zuweisen und immer wieder ihre vorbildliche Compassio hervorheben. Dasselbe Motiv der Compassio Mariae erscheint auch auf den Illustrationen von Meckenems "Grosser Passion", jedoch keineswegs derart zentral wie im begleitenden Text der Prosapassion.

Wir haben die beiden sich wirkungsvoll kontrastierenden Motive unserer Prosapassion, den Hass der Juden und das Mitleiden der Gottesmutter, etwas ausführlicher nachgezeichnet.

Erwähnenswert scheint uns auch die Eingangsnotiz des Uebersetzers, in welcher dieser auf einige Auslassungen bei der Bearbeitung seiner Vorlage hinweist:

"A La louenge de dieu. de la vierge souueraine. et de touz sains et sainctes Jay translate ceste passion de Jhesus nostre sauueur de latin en francoys sens yadiouster moralitez. hystoires. exemples. ou figures. Lan de grace Mil CCC.iiiiXX.xviii. - Prenant mon commancement des la suscitation du ladre. pource que Jceluy miracle auecques les aultres par auant faiz furent occasion aux faulx felons Juifs de machiner et traitter la mort et passion de Jhesus (f.60)".

Der Uebersetzer schreibt, er habe bei seiner Bearbeitung auf das Hinzufügen von moralischen Auslegungen ("moralitez"), ausschmückenden Historien ("hystoires"), erbaulichen Beispielserzählungen ("exemples") und figuralexegetischen Abschnitten ("figures") verzichtet. Dieser Grundsatz ist allerdings nicht durchwegs eingehalten worden, und was die Auslassung der "figures" (alttestamentliche Vorbilder) betrifft, so ist gerade in unserer Prosapassion auf einen charakteristischen Abschnitt hinzuweisen, welcher meines Wissens in dieser Form in ähnlichen Passionserzählungen nicht zu finden ist. Nach der Kreuzesaufrichtung folgt nämlich, noch vor den Sieben Worten Jesu am Kreuz, ein wichtiger längerer Abschnitt, welcher durch ein übergreifendes Grundthema gegliedert wird: Christi Leiden an allen Gliedern und Sinnen wird verstanden als ein Abbüssen der Sünde Adams und Evas, welche die Ureltern beim Sündenfall mit ebendenselben menschlichen Gliedern und Sinnen begangen haben:

"Et ainsi uoulst nostre seigneur de son bon gre sentir en tout son corps et tous ses membres generale douleur et angoisse a celle fin que celle passion fust confermee et plus respondant au peche de Eve et Adam qui neurent membre ne sens quilz nemploiassent a faire leur premier peche (f.99)".

Die Sünde der Ohren, der Füsse, der Augen, der Hände, der Nase (Geruch), des Mundes und der Zunge (Geschmack) der Ureltern beim Sündenfall werden einzeln aufgezählt, und gleichzeitig wird geschildert, wie der Gekreuzigte mit seinen entsprechenden Gliedern und Sinnen Abbusse leisten muss, um die Menschheit (im Sinne der Satisfaktionslehre) zu erlösen. Dieser ganze predigtartige Text, welcher aus einer älteren lateinischen Betrachtung übernommen sein dürfte, muss im Zusammenhang mit der kirchlichen Beichtpraxis, bei welcher die Sünden der Fünf Sinne (ebenso wie beim Sterbesakrament) eine wichtige Rolle spielen, verstanden werden. Der Abschnitt schliesst dann mit einer bekannten, Bernhard von Clairvaux zugeschriebenen Meditation zu den einzelnen Gliedern des Gekreuzigten, welche sich bereits in der Legenda Aurea findet:

"Das Haupt, das alle Engel mit Furcht ansehen,

das ward mit Dornen durchstochen;

das zierliche Antlitz über aller Menschen Schönheit

ward von der Juden Speichel beschmutzt;

die Augen, lichter denn die Sonne,

werden verdunkelt von dem Tode;

die Ohren, denen Engelgesang getönet hat,

hören der Sünder Lästerung;

der heilige Mund, der die Engel lehrte,

wird mit Essig und Gallen getränket;

die Füsse, deren Schemel angebetet wird,

denn er ist heilig, werden mit Nägeln ans Kreuz geschlagen;

die Hände, die die Himmel haben geschaffen,

werden zerzerret und an das Kreuz geheftet;

der heilige Leib wird geschlagen,

die Seite wird durchstochen von der Lanze.

Es blieb ihm nichts, denn die Zunge,

mit der er für die Sünder betete,

und seine Mutter dem Jünger empfahl."

Noch ein weiteres Kennzeichen unserer Prosapassion sei hervorgehoben: Bei der Schilderung der Annagelung Jesu an das am Boden liegende Kreuz wird, wie in den spätmittelalterlichen Passionsberichten allgemein üblich, die Grausamkeit der Schergen bis in alle Einzelheiten beschrieben. Allerdings erwähnt unser Bericht ein spezielles Detail, welches von der Mehrzahl der anderen Erzählungen dieser Szene abweicht: Nachdem die Schergen Christus auf dem Kreuz ausgestreckt haben, nageln sie als ersten Christi linken Arm ans Kreuz. Der Text begründet dies mit der brutalen Absicht der Peiniger, Christus mit der Annagelung des linken, herznahen Armes zusätzliche Schmerzen im Herz zu bereiten. Darauf wird dann als zweiter der rechte Arm angenagelt; da dieser sich der Nervenbelastung wegen verkürzt hat, will er nicht auf das vorgebohrte Loch passen, und die Schergen nehmen sich nicht die Mühe, ein neues Loch zu bohren, sondern zerren den rechten Arm mithilfe von Stricken gewaltsam bis zum vorgebohrten Loch.

Erwähnenswert ist zudem eine ausführlichere Notiz unserer Prosapassion zur Beobachtung der Sonnenfinsternis während der 6. bis 9.Stunde der Kreuzigung durch den heidnischen Philosophen Dionysius in Athen. Dionysius habe damals dem unbekannten Gott der Natur einen Altar gestiftet, da er erkannte, dass diese Sonnenfinsternis aufgrund der Konstellation von Sonne und Mond keine natürliche, sondern nur eine übernatürliche sein konnte. Als der Apostel Paulus dann später nach Athen gekommen war, bekehrte er St. Denis zum Christentum, indem er in seiner Predigt nachwies, dass der unbekannte Gott kein anderer als der leidende Christus sei. Dies sei, fährt die Prosapassion fort, der Beginn der Bekehrung des St. Denis gewesen.

Die Fortsetzung der Legende, welche in unserer Prosapassion nicht mehr erzählt wird, war dem fürstlichen Leser sicher bekannt: St. Denis, dessen Name übrigens im Kalender unseres Stundenbuchs am 9. Okt. mit roter Farbe hervorgehoben erscheint, wurde später Bischof von Athen und darnach der Apostel Galliens und erste Bischof von Paris. Zusammen mit seinen Gefährten Rusticus und Eleutherius erlitt er auf dem Montmartre den Märtyrertod, worauf er, als Kephalophore den eigenen, vom Henker abgeschlagenen Kopf in seinen Händen haltend, von Engeln geleitet bis zu seiner Grabstätte Saint-Denis marschierte. Hier in Paris wurde er im Mittelalter als französischer Nationalheiliger und als Patron der königlichen Grablege, der Abteikirche Saint-Denis, verehrt. Wir wissen, dass noch ein Johannes Gerson gemäss einer mittelalterlichen (historisch nicht zutreffenden) Ueberlieferung annahm, der Bischof von Athen, der Apostel der Gallier und auch der Verfasser der für die mittelalterliche Mystik wichtigen Schrift "Ueber die himmlischen Hierarchien" seien ein und dieselbe Person.

Zur Zeit Gersons entflammte zudem ein heftiger Streit über die Echtheit des Kopfreliquiars des St. Denis: Die Mönche der Abteikirche und königlichen Grablege Saint-Denis besassen das Haupt des Heiligen, dessen Echtheit jedoch von den Chorherren der Kathedrale Notre-Dame in Paris bestritten wurde. Die Chorherren behaupteten, der Henker habe bei der Hinrichtung den Hals des Heiligen verfehlt und dem St. Denis auf der Höhe der Tonsur die Schädelkalotte abgehauen, die sich nun als echte Reliquie im Besitz der Kathedrale befinde, während der Schädel der Abtei nicht authentisch sei. Die brisante Kontroverse schlug hohe Wellen, es kam zum Prozess, und neben dem Abt und dem Bischof hatten sich auch der König und die Universität mit der Angelegenheit zu befassen.26

Bei den Erzählungen zu den Erscheinungen des Auferstandenen bringt unsere Prosapassion, der Vorlage der "Meditationes Vitae Christi" entsprechend, neben der allerersten Erscheinung vor der Gottesmutter Maria noch weitere Erscheinungen, welche in der Bibel in dieser Form nicht enthalten sind: Dazu gehören die drei Erscheinungen Christi vor Joseph von Arimathia, vor Jakobus Minor und vor Petrus.

Nach dem Text unserer Passion war der reiche Ratsherr und heimliche Jünger Jesu, Joseph von Arimathia, nachdem er Christus vom Kreuz genommen und in seinem eigenen Grab begraben hatte, von den Juden ins Gefängnis geworfen worden. Aber der Herr kam an Ostern auf wunderbare Weise, ohne das Schloss der Gefängnistür aufzubrechen, zu ihm, tröstete ihn und brachte ihn vom Kerker nach Hause zurück.

Jakobus Minor ist nach unserer Prosapassion jener Jünger, welcher als Jesu Vetter ("cousin germain") oder auch Zwillingsbruder seinem Herrn zum Verwechseln ähnlich sieht. Deshalb habe der Verräter bei der Gefangennahme Jesus geküsst, um eine Verwechslung mit Jakobus auszuschliessen. Jakobus Minor soll auch der in der Bibel nicht namentlich genannte Jüngling (Mark. 14,52) gewesen sein, der nach der Gefangennahme nackt entfloh. Dann habe Jakobus geschworen, nichts mehr zu sich zu nehmen, bis er den Herrn als Auferstandenen sehen werde. Und tatsächlich erscheint dann an Ostern der Auferstandene im Haus des Jakobus und isst mit ihm und den Hausgenossen.

Schliesslich wird von Petrus berichtet, er habe sich nach der Verleugnung in der Höhle Hahnenschrei ("Gallicantus") versteckt, wo er bis zu Christi Auferstehung bitter geweint habe. Am Ostertag erscheint Christus auch dem Petrus und vergibt ihm alle seine Sünden. Einige sagen, Petrus habe, obwohl ihm die Verleugnung von Gott verziehen worden sei, sich bis an sein Lebensende jede Nacht zum Zeitpunkt der Verleugnung erhoben und jeweils bis zum Tagesanbruch derart heisse Tränen geweint, dass sein Gesicht dadurch ganz zerfurcht worden sei.

Während Meckenems "Grosse Passion" sich bei den Erscheinungen an die biblischen Erzählungen (L.152: Drei Marien auf dem Weg zum Grab; L.153: Erscheinung vor Maria Magdalena und in Emmaus) hält, bringt ein Holzschnitt in einer mittelniederländischen Bearbeitung der lateinischen "Vita Christi" des Ludolf von Sachsen ("T boeck vanden leven ons heeren Iesu Christi. Gherhaert Leeu, Antwerpen 1487"= Hain-Copinger 10048)27 die drei im Text unserer Prosapassion geschilderten Erscheinungen simultan auf demselben Holzschnitt des Meisters von Haarlem [ABB. 5].

Diese mittelniederländischen Bearbeitungen der "Vita Christi" waren sehr populär und erlebten viele Auflagen; zu ihrer Illustration sind u.a. kleinere, hochrechteckige Holzschnitte verwendet worden, welche eng mit den Kompositionen von Meckenems "Kleinster Passion" verwandt sind. Wir zeigen eine Seite aus dem 1499 von Peter van Os in Zwolle gedruckten "Ludolphus de Saxonia: Boeck van den Leven ons Heeren Jesu Christi" (Hain 10059) mit zwei Holzschnitten des Meisters von Haarlem zum "Verhör vor Kaiphas" und zur "Verleugnung Petri" [ABB. 6]. Beide Holzschnitte illustrieren ein Kapitel zum Verhör vor Hannas (mit der Verleugnung Petri); da der Buchdrucker offenbar über keine spezielle Illustration zum "Verhör vor Hannas" verfügte, hat er die Illustration "Verhör vor Kaiphas", auf welcher der Hohepriester sein Gewand zerreisst, bereits hier benutzt und sie dann beim Text zum Verhör vor Kaiphas nochmals wiederholt. Wenn wir den Holzschnitt des Meisters von Haarlem mit dem entsprechenden Kupferstich L.93 [ABB. 7] von Meckenems "Kleinster Passion" vergleichen, wird sofort deutlich, dass beide Darstellungen aus derselben Bildtradition schöpfen. Der Text unserer Seite enthält zudem einen Abschnitt, welcher von den Sieben Leidvollen Abführungen Jesu ("seeuen droeue processien") berichtet, welche aufgezählt werden; der Text fügt hinzu, es sei eine sehr selige und verdienstreiche Andachtsübung, während des Karfreitags (oder auch an andern Freitagen) sieben Kirchen aufzusuchen und in einer jeden eine dieser betrüblichen Abführungen Jesu (ductiones) zu überdenken.

Schliesslich verdient in unserer Prosapassion der Text zum Gastmahl bei Simon (mit der Salbung in Bethanien) eine besondere Beachtung, berichtet er doch, wie der von Jesus auferweckte Lazarus dem Simon erzählt habe, was er während seines Todes alles in der Hölle, im Fegfeuer und in der Vorhölle gesehen habe. Die kurze diesbezügliche Notiz in Ludolfs "Vita Christi", welche als Quelle den Hl. Augustin angibt,28 ist in unserer Passion bereits erweitert zu einer ausführlicheren Schilderung von insgesamt sieben Höllenstrafen; in unserem Text fehlt jedoch eine systematische Zuordnung dieser Höllenstrafen zu den Sieben Todsünden, wie sie andernorts, etwa in der "Vision des Lazarus" im französischen "Schäferkalender", erscheint. Bei einer Höllenqual wird allerdings auch in unserer Passion die Ursache ausführlicher bezeichnet: Die Verdammten, welche der Flammenhitze ausgesetzt sind und keinen Tropfen Wassers erhalten, womit sie ihre Zunge kühlen könnten, sind jene, die während ihres Lebens den Reichen aus Stolz und zum Erweis ihrer Macht im Ueberfluss Fleisch und Wein verschafft haben, den Armen aber nichts oder nur wenig gegönnt haben, wie dies auch der reiche und stolze Lazarus (der Legende) vor seiner Bekehrung getan habe.

Der Text fügt abschliessend hinzu, nach seiner Auferweckung sei Lazarus bis zu seinem andern Tod zeitlebens gezeichnet gewesen von der Erinnerung an das Geschaute und habe nie ein Anzeichen des Lachens oder der Freude gezeigt, sondern sei stets nachdenklich und voller Furcht geblieben.

Diese im Text erwähnte "Vision des Lazarus" ist in andern Handschriften und auch in verschiedenen Drucken des "Schäferkalenders" ausführlich illustriert. So zeigt zum Beispiel der 1497 in Genf von Jean Belot gedruckte "Kalendrier des Bergers" einen Holzschnitt [ABB. 8] zur "Vision des Lazarus" mit dem auferweckten Lazarus, welcher dem zweifelnden Simon dem Aussätzigen beim Gastmahl in Bethanien in Jesu Gegenwart von seinem Besuch in der Hölle berichtet. Auf diese Illustration folgen dann sieben Holzschnitte mit den Höllenqualen für die Sieben Todsünden.29 Der Genfer Kalender ist seinerseits kopiert nach dem Pariser Exemplar des Druckers Guy Marchant "Compost et Calendrier des Bergiers" (1496). Letzteren liess der Pariser Verleger Antoine Vérard als Luxusexemplar auf Pergament für den französischen König Karl VIII. (gest. 1498) drucken; 1503 erschien auch eine vom selben Verleger besorgte englische Ausgabe "The Calender of Shepherdes".

Wir wissen aus erhaltenen Belegen, dass Antoine Vérard (gest. um 1513) sich verschiedentlich am Hof des Grafen Karl von Angoulême in Cognac aufgehalten hat und nach dessen Tod (1496) auch noch die Witwe des Grafen, Louise von Savoyen, die Mutter Königs Franz I., mit Büchern und Illustrationen beliefert hat.30 Es ist zu vermuten, dass derselbe Vérard auch die Buchmaler mit Holzschnitten und Kupferstichen versorgt hat, welche sie in illustrierte Handschriften einfügen oder auch bloss als Vorlage für eigene Illuminationen benutzen konnten, wie es Robinet Testard in unserem Stundenbuch ausgiebig getan hat.

Vérard spezialisierte sich als Pariser Verleger darauf, Wiegendrucke in eigens auf Pergament gedruckten Luxusausgaben an die französische (und englische) Krone sowie an den Hochadel zu liefern, Bücher, welche besonders sorgfältig mit kolorierten Holzschnitten und auch mit ergänzenden Miniaturen (z.B. Dedikationsszenen) ausgestattet waren und als Vélin-Drucke noch heute in den Sammlungen der Pariser Bibliothèque Nationale und der British Library in London erhalten sind.31 Zu diesen Luxusausgaben gehört auch ein Passionsspiel ("Le Mistère de la Passion")32, welches 1490 in Paris aufgeführt wurde und für Vérard in zwei Auflagen (Paris 1490 u. 1499) gedruckt worden ist.

Vérard unterhielt einen Laden in Paris auf der Notre-Dame-Brücke, bis diese 1499 mitsamt den darauf errichteten Häusern einstürzte und der Verleger in die Rue St.-Jacques umziehen musste. Zudem hatte er eine Ablage in unmittelbarer Nähe der Sainte-Chapelle "au Palais, au premier pillier devant la chapelle où l'on chante la messe de messeigneurs les présidens". Verschiedene Drucke, wie z.B. die "Heures (Stundenbuch)" vom 20. Aug. 1490, enthalten Vérards Verlegermarke [ABB. 9]: Zwei Engel halten das Lilienwappen der französischen Krone; darunter über einer Blumenwiese zwei Falken mit einem Herzen, welches als Vérards Monogramm die Buchstaben "AVR" trägt. Im einfassenden Rahmen eine Inschrift, die Jesu Namen (IHS) preist, welcher ebenfalls (wie jener Vérards) in einem Herzen erscheint, was zweifellos an die zeitgenössische Herz-Jesu-Mystik anknüpft.

Für die französische Königin Anna von Bretagne hat Antoine Vérard eine mittelfranzösische Verspassion (Paris, BN Ms. fr. 1686)33 verfasst, welche mit den zwölf Kupferstichen von Meckenems "Grosser Passion" illustriert ist [ABB. 10]. Die Stiche sind hier nicht eingeklebt, sondern direkt auf das Pergament der Handschrift abgezogen und sorgfältig koloriert.

Königin Anna von Bretagne (1477-1514)34 wurde als begehrte Erbherzogin der Bretagne, die damals noch nicht endgültig zum Gebiet der französischen Krone gehörte, 1490 zunächst in einer Procura-Verheiratung dem (nach dem Tod der Maria von Burgund verwitweten) Maximilian von Oesterreich anvertraut; diese Verbindung wurde gelöst, und die 14-jährige Anna heiratete 1491 König Karl VIII. von Frankreich, wobei ein umfassender Ehevertrag das künftige Verhältnis zwischen dem Herzogtum der Bretagne und den französischen Kronlanden regelte. Als Karl VIII. 1498 starb, heiratete Anna 1499 dessen Nachfolger auf dem französischen Königsthron, Ludwig XII. (1462-1515), nachdem dieser sich von seiner früheren Gemahlin Johanna, der Tochter Ludwigs XI., getrennt hatte. Ludwig XII. war der Vater von Annas Tochter Claude de France, welche 1514 den Sohn unseres Grafen Karl von Angoulême und den späteren König von Frankreich, Franz I. (1494-1547), heiraten sollte. Anna von Bretagne starb im Jahr dieser Hochzeit, 1514, mit 37 Jahren. Sowohl von den Krönungsfeiern als auch vom Begräbnis der Anne de Bretagne gibt es ausführliche Berichte in Handschriften mit Miniaturen, welche diese Feierlichkeiten wiedergeben.35 Ein bekanntes Porträt der Königin vom Maler Jean Bourdichon in den "Grandes Heures" der Anna von Bretagne (Paris, BN Ms. lat. 9474, f.3)36 zeigt die Königin im Gebetstuhl kniend mit ihren Schutzheiligen; dieselbe Oeffnung bringt auf der gegenüberliegenden Seite eine Miniatur mit dem toten Christus im Schoss der Gottesmutter, welche ihr tränenüberströmtes Gesicht der Königin im Gebetstuhl zuwendet.

Vérards Verspassion für Anna von Bretagne enthält auf der ersten Seite eine gereimte Zueignungsstrophe ("envoi"), welche eine "tresnoble et puissant dame" anspricht, ohne den Namen der Königin zu nennen. Die gereimte Widmung endet mit der Rubrik "Cest vostre treshumble & tresobeyssant serviteur. Anthoine verard libraire (Euer demütigster und gehorsamster Diener. Anthoine Vérard, Buchhändler)". Vérards handgeschriebene Widmung macht deutlich, dass die Verspassion als kleines Geschenk ("petit present") gedacht ist und dass Vérard diese Verse bereits in fortgeschrittenem Alter niedergeschrieben haben muss, da er entschuldigend darauf hinweist, seine Hand sei für ein solches Unternehmen bereits etwas langsam und kraftlos geworden.

Vérards "envoi" weist gleich eingangs auf die kommende Passionszeit als Anlass der Meditation des Leidens des Erlösers hin:

"COnsidere tresnoble et puissant dame

Que nous devons de cueur de corps et de ame

Par chacun iour auoir compassion

De lengoisseuse et dure passion

Que nostre dieu de son bon gre souffrit

En memorant le temps auquel se offrit

Pour reparer le criminel meffait

Que auoit commis le premier homme et fait

Et que tost uient la feste sollempnelle

Ou cueur deuot se paist et saoule en elle

Du fruit cy doulx qui mourut et pendit

Hault en la croix et son sang espandit

Iay entrepris ce traicte uous transmectre

Qui touche bien le salut nostre en mettre

Et pource que signes font esmouuoir

Desirs feruentz plus que dictz mouuoir

Iay fait aussy par hystoires descire

Ce que lacteur cest entremys descrire..."

(Bedenken Sie, hochadelige und mächtige Dame,/ dass wir mit Herz, Körper und Seele/ jeden Tag mitleidend Anteil nehmen sollen/ an der angstvollen und harten Passion,/ welche unser Gott freiwillig durchlitten hat./ Wir sollen uns hierzu der Zeit erinnern, da er sich hingab,/ um die verbrecherische Untat wiedergutzumachen,/ welche der erste Mensch (Adam) begangen und getan hatte./ Und da das feierliche Fest bald naht, / an welchem das fromme Herz sich weidet und sich sättigt/ an der so süssen Frucht, die starb und hing/ hoch am Kreuz und ihr Blut vergoss,/ habe ich es unternommen, Ihnen diese Abhandlung zukommen zu lassen,/ welche sich mit unserem Heil im Versmass befasst./ Und weil Zeichen uns in Bewegung versetzen/ und mehr als Worte inbrünstige Wünsche bewirken können,/ habe ich auch mit Historienbildern darstellen lassen,/ was der Verfasser sich zu beschreiben vorgenommen hat.)

Im folgenden werden dann jeweils einem kolorierten Kupferstich Meckenems auf der linken Seite Vérards mittelfranzösische Verse auf der rechten Seite derselben Oeffnung gegenübergestellt, meist vier achtzeilige, mittels dekorierter Initialen voneinander abgesetzte Strophen im Kreuzreim.

Vérards Strophen sind offensichtlich im Hinblick auf Meckenems Illustrationen abgefasst, auf deren in Haupt- und Nebenszenen gestochene Darstellungen die Verse in der Regel eingehen, obwohl die Dichtung auch einiges, beispielsweise die von Meckenem wiedergegebene Verleugnung Petri, übergeht.

Vielfach schildern Vérards Strophen menschliche Sünden und Laster, die der Vorbildhaftigkeit von Jesu Tun gegenübergestellt werden. So wird gleich in der ersten Strophe zum Abendmahl die üppige Tafel der Völlerei ("estat des gloutons") vom Tisch der Nüchternheit unterschieden, mit deutlichem Bezug auf das Fasten während der Passionszeit.

Eine andere Strophe zum Gebet in Gethsemane fordert den Menschen, der in der Jugend seine Vergnügungen im lieblichen Garten der Lüste sucht, auf, sich zu bessern und zu bedenken, wie Jesus im Garten am Oelberg für uns nicht auf weicher Decke, sondern auf Dornensträuchern niedergekniet sei.

Die Gefangennahme gibt dem Dichter Anlass, über das Laster des Verrats ("traison") nachzudenken, welches sich auch, als Tochter der Verstellung und Schwester der Heuchelei, in Fürstenhäusern und am Königshof aufzuhalten pflege, und gegen welches sich nur schwer ein Heilmittel finden lasse. Judas, welcher den unschuldigen König ausliefert, ist das Urbild des Verräters.

Jesus, der sich geduldigen Herzens abführen lässt und das Leiden auf sich nimmt, ist das pure Gegenbild zum rachsüchtigen Menschen, welcher jedes erlittene Unrecht (wie Petrus bei der Gefangennahme) sofort ahnden möchte. Dem Hannas antwortet Jesus demütig, aber der Knecht des Hohenpriesters schlägt ihm ins Gesicht - "A dur seigneur cruel servant affiert (Zum harten Herrn gehört ein grausamer Knecht)" schliesst, wie öfters in diesen Strophen, die Schlusszeile mit einer sprichwortartigen Sentenz. Mit all diesen Anspielungen auf menschliche Laster und auf Christi vorbildliche Tugenden will Vérard der königlichen Leserin einen Spiegel vorhalten; an Ostern war es ja allgemein üblich, die Kommunion zu empfangen und zur Beichte zu gehen.

Auch in Vérards Versen ist Pilatus als weltlicher Richter von Jesu Unschuld überzeugt und sucht für diesen einen Ausweg ("pour ihesus quiert quelque eschapatoire"). Doch die Geisselung und Ausstellung Christi (Ecce homo) weckt bei Jesu Feinden kein Mitleid: "Rage de loups ne peult par sang sestaindre (Die Wut von Wölfen kann nicht durch Blut ausgelöscht werden)". Die Juden veranlassen schliesslich den Pilatus mit der Drohung, ihn beim Kaiser in Rom anzuschwärzen, das Todesurteil gegen Jesus auszusprechen: "Iuge craintif tumbe en maint malefice (Ein Richter, der sich fürchten muss, begeht manche Uebeltat)", eine Sentenz, deren Wahrheit sich in der Geschichte leider nur allzu oft erwiesen hat.

Meckenems Stich "Handwaschung Pilati" (L.147) zeigt als Nebenszene die Zubereitung des Kreuzes aus dem Holz, welches im Teich Bethesda obenaufgeschwommen war, eine Episode aus der in der Legenda Aurea ausführlich beschriebenen Legende des Hl. Kreuzes. Vérards Verse nehmen auf diese Darstellung Bezug:

"... pendant quon baptist une croix/

Pour tost apres son precieulx corps pendre... "

(...während man ein Kreuz taufte,/ um bald danach seinen kostbaren Körper aufzuhängen).

Bei der Kreuztragung sind Jesu Worte zu den Weinenden Frauen (Luk. 23,28) in Verse gefasst, und die Strophen zum Kupferstich "Letzte Rast Christi auf dem Kreuz" (L.150) sind wiederum gut auf die Illustration [ABB. 10] abgestimmt. Zunächst erwähnen die Verse den auf dem Kreuz sitzenden Jesus und die um den Rock würfelnden Soldaten:

"Si tost quon peult a caluaire arriuer

Du doz ihesus fut la croix descendue

Dessus lont mis plus nu qung poure uer

Car sa robe est aux cheualiers rendue

Le sort du de fut sur elle estandue..."

(Sobald man auf Kalvaria ankommen konnte,/ wurde das Kreuz Jesus vom Rücken herabgenommen./ Sie haben ihn darauf gesetzt, nackter als einen armen Wurm,/ denn sein Rock wurde den Rittern gegeben,/ und auf diesem das Los des Würfels ausgebreitet).

Anschliessend kommen die Verse auf die Schergen zu sprechen, welche (wie auf der Illustration) die drei Löcher ins Kreuz bohren. Sehr gut zum nachdenklichen Christus in der Letzten Rast auf dem Stich passen die Worte:

"Et suspensif uoit crist leure aproucher
Le pas de mort est ung dangereux pont".
(Und nach kurzem Aufschub sieht Christus seine Stunde nahen./ Der Uebergang zum Tod ist eine gefährliche Brücke.)

Die Nebenszene des Kalvarienberges auf der Illustration (L.150) wird angesprochen, wenn im Gedicht auf Jesu Kreuzigung zwischen den beiden Schächern, auf Johannes und die Schmerzensmutter sowie auf die Kreuzesinschrift, den Titulus, hingewiesen wird. Als Christus stirbt, verfinstert sich der Himmel, der Hauptmann erkennt die Gottheit des Gekreuzigten, und schliesslich spaltet Longinus Christus die Seite, aus welcher Blut und Wasser fliessen: Alles Motive, die sich auch auf dem kolorierten Stich [ABB. 10] erkennen lassen.

Die Verse verweilen dann bei der Kreuzabnahme und bei Joseph von Arimathia als vorbildlichem Diener Christi ("Bon seruiteur noublie jamais son maistre" [Ein guter Diener vergisst seinen Meister niemals]). Auch die als Nebenszene illustrierte Höllenfahrt wird geschildert:

"Enfer ulle crie et fait grans plains

Dauoir perdu si grant possession

Dames sainctes dont les lieux estoient plains

Ou le fort uient foible fait cession."

(Die Hölle flammt und schreit und bricht in grosse Klagen aus,/ da sie einen so grossen Besitz verloren hat,/ Hl. Seelen, wovon die Orte voll waren - / Wo der Starke kommt, muss der Schwache weichen).

Entsprechend der Nebenszene auf Meckenems "Christus in Emmaus" (L.153) wird die Erscheinung Christi vor Maria Magdalena auch in Versen beschrieben, mit dem abschliessenden sprichwortartigen Hinweis, dass Frauen eine Neuigkeit nicht lange für sich behalten können: "Femme est fort prompte a raporter nouuelle".

Den Abschluss von Vérards Verspassion bildet dann ein achtzeiliges Schlussgebet:

"Mon createur redempteur et uray pere

Verite uie et la uoye dadresse

Ta grant doulceur grace amour a pere

Sur ma poure tant uille et pecheresse

Fiche en mon cueur la recordation

Des blasphemes de lopprobre et iniure

De ta cruelle et dure passion

Des crachemens et double flagelleure

Deliure mas de peche et dordure

Par ton saint sang quen si grant habondance

Que tu espandiz en croix et en torture

Pour mon meffait et desobeyssance."

(Mein Schöpfer, Erlöser und wahrer Vater,/ Wahrheit, Leben und rechter Weg,/ eröffne deine grosse Mildigkeit, Gnade und Liebe/ mir armer und dermassen verächtlicher Sünderin./ Schreib in mein Herz ein die Erinnerung/ an die Gotteslästerungen, die Schmach und das Unrecht/ deiner grausamen und harten Passion,/ an die Verspeiungen und die zwiefache Geisselung./ Befreie mich von Sünde und Unreinigkeit/ durch dein heiliges Blut, welches du in so grosser Fülle/ vergossen hast am Kreuz und während der Marter,/ um meiner Missetat und meines Ungehorsams willen.)

Antoine Vérards Verspassion passt gut in sein verlegerisches Werk: Wie er für Königshäuser und Hochadel speziell auf Pergament gedruckte Luxusausgaben von Büchern geschaffen hat, so hat er auch dieses "kleine Geschenk" für Königin Anna von Bretagne mit den auf Pergament (statt wie üblicherweise auf Papier) abgezogenen Kupferstichen von Meckenems "Grosser Passion" illustriert und in seiner persönlichen Widmung auf den Nutzen dieser Bilder für eine fruchtbare Betrachtung des Leidens Christi hingewiesen.

Im späten Mittelalter war es in religiösen Gemeinschaften und anderswo besonders in der Fastenzeit üblich, die Passion in frommen Andachtsübungen nach einem bestimmten Tages- oder Wochenplan regelmässig zu meditieren. Zu diesem Zweck bemühten sich die Autoren, den Stoff der Passion möglichst übersichtlich zu gliedern, sei es in einer Tagzeit mit den kanonischen Stunden, sei es (wie etwa beim "Zeitglöcklein" des Frater Bertholdus) nach den 24 Stunden des Tages, oder auch einfach mittels einer bestimmten Anzahl von Meditationspunkten, welche in durchnummerierten Abschnitten behandelt wurden.

Am 29. Nov. 1514 druckte Joh. Grüninger in Strassburg ein Buch mit folgendem Titel: "Doctor Keiserspegrs Passion Des Heren Jesu. Fürgeben und geprediget gar betrachtiglich (particuliert) und geteilt in stückes weiss eins süssen Lebkuchen uszugeben...". Es handelt sich um die ins Deutsche übersetzten Passionsandachten des bekannten Strassburger Predigers Johann Geiler von Kaysersberg (1445-1510), den seine Zeitgenossen die "helltönende Posaune von Strassburg" nannten, und der auf dem Titelblatt des Drucks [ABB. 11] auf seiner Kanzel im Strassburger Münster dargestellt ist. Geiler teilt die Passion in origineller Weise ein in insgesamt 65 Partikel, die er seinen Hörern austeilt wie ein Hausvater in der Fastenzeit vor der Passion seiner Familie die Stücklein eines Lebkuchens: "...so werden die stücklin ussgetheilt und verordnet alle tag der fasten für ein collation (=Andacht zur Zeit des Abendessens) des gesindes im hauss." Ein im Druck mehrmals verwendeter Holzschnitt [ABB. 12] zeigt uns den Hausvater bei der Austeilung der Stücklein des Lebkuchens, d.h. der Partikel der Passion, bei der abendlichen Kollation zur Fastenzeit Quadragesima.

Aehnlich einem modernen Werbestrategen gelingt es dem populären Prediger Geiler, mit seinem allgemein verständlichen Bild vom Lebkuchen das Interesse seiner Hörer und Leser zu wecken und wachzuhalten, indem er dem altvertrauten Stoff der Passion eine neue, originelle Seite abzugewinnen weiss. Wir können hier nicht auf Geilers lesenswerte Beschreibung der Herstellung und Austeilung des Lebkuchens in 21 Punkten, die alle allegorisch auf die Passion gedeutet werden, eingehen. Hier nur das Rezept: Geilers Lebkuchen sind aus Bohnen- oder Roggenmehl, Honig, und Gewürzen ("neglin" [Nelken] gedeutet auf die Kreuzesnägel, "yngeber" [Jngwer] und "muscatnuss") hergestellt, werden aber ohne Hefe gebacken. Bei Punkt 19 ("So wirt der lebkuchen geschnitten und getheilt in vyl stücklin") kommt Geiler auf die systematische Einteilung der Passion bei verschiedenen ihm bekannten Autoren zu sprechen; u.a. bei Bonaventura (42 Partikel), Ubertinus (149), "Heinricus süss" (100), Johannes Gerson (150) und "Jordanus" (65). Seine eigene Passionsandacht teilt Geiler dann nach dem erwähnten 65er-Schema des Jordan von Quedlinburg ein. Jordan selber hatte diese Zahl 65 in frommer Arithmetik damit begründet, dass bei einer bestimmten Regelmässigkeit der täglichen und wöchentlichen Andachtsübungen mit dieser Zahl aller insgesamt 5475 Wunden des Heilandes gedacht werden könne.

Die von Geiler ebenfalls erwähnten "Hundert Betrachtungen zur Passion"37 des Mystikers Heinrich Seuse (1295-1366) im 3.Teil des "Büchleins der Ewigen Weisheit" waren im Spätmittelalter eine sehr beliebte Andachtsübung. Sie sind bald, z.B. vom Augustinerchorherr Willem Jordaens van Heersele (gest. 1372) im Kloster Groenendaal bei Brüssel,38 vom Deutschen ins Latein übersetzt worden und von daher wiederum in zahlreiche Volkssprachen.

Eine Papierhandschrift (Amsterdam, Bibliotheca Philosophica Hermetica, Bibliotheek J. R. Ritman)39, welche vielleicht ebenfalls aus dem Kloster Groenendaal40 bei Brüssel, sicher aber aus einem Kloster der Windesheimer Kongregation stammt, enthält als Gebetbuch alle zwölf Blätter der "Grossen Passion" Meckenems in vorzüglichen, meist unkolorierten Abzügen sowie zwei weitere Illustrationen zur Passion (Holzschnitt "Christus als Schmerzensmann = Schreiber 908a; Schrotblatt "Hl. Hieronymus als Büsser" = Schreiber 2674); alle Illustrationen sind als separate Papierblätter in die Lagen der Handschrift eingefügt worden.

Diese Blätter illustrieren eine mittelniederländische Bearbeitung des Passionsteils der "Meditationes Vitae Christi" des Pseudo-Bonaventura mit jeweils am Rande der Seite glossenartig dazunotierten Autoritätenzitaten von Kirchenvätern und -lehrern zur Passion. Ueber jeder Seite dieses volkssprachlichen Passionstextes sind zudem lateinische Rubriken angebracht, welche die im jeweiligen Text behandelten Meditationspunkte (vom Gebet am Oelberg bis zur Grablegung) aufreihen und zudem in schwarzer Tinte durchnummerieren. Diese nummerierten Meditationspunkte der Seitenrubriken entsprechen den "hondert Articulen der passien", welche im Gebetbuch (noch vor dem Passionstext des Pseudo-Bonaventura) in einer Tagzeit in mittelniederländischen Versen beschrieben und über den Verszeilen durchnummeriert sind (f.10). Es handelt sich dabei um eine Bearbeitung der "Hundert Artikel" Seuses, die allerdings erheblich abweicht von Seuses eigenem Text und auch von andern mittelniederländischen Fassungen dieser Artikel. Das Gebetbuch enthält zudem zwei verschiedene Kalender. In beiden ist am 2. Dez. der Name des Johann Ruysbroeck (1293-1381), erster Prior von Groenendaal und Verfasser beliebter mystischer Schriften, eingetragen; ihn hatte Geert Grote, der Begründer der Devotio Moderna, mehrmals in Groenendaal aufgesucht. Ebenfalls in beiden Kalendern figuriert am 28. Febr. Jan van Leeuwen (gest. 1377), der "goede Kok" (gute Koch) von Groenendaal, der wahrscheinlich zuvor Koch am Hof von Brabant gewesen war, um dann im Kloster die gleiche Betätigung auszuüben und zudem eine ganze Reihe religiöser Schriften abzufassen. Die Handschrift enthält auch eine Liste der Augustinerorden sowie ein Verzeichnis ehrwürdiger Apostel, Päpste und Bischöfe, die Augustiner waren oder den Chorherren als solche galten. Der zweite Kalender enthält als Charakteristikum spezielle Rubriken zu den Festen der römischen Stationskirchen und dürfte für eine Pilgerfahrt nach Rom zusammengestellt worden sein oder eher für eine "Pilgerfahrt nach Rom im Geiste", d.h. für einen Wallfahrtersatz im eigenen Lande, wie sie besonders anlässlich der Jubeljahre für alle jene propagiert wurden, welche aus irgend einem Grund an einer Romreise verhindert waren, sich aber mittels entsprechender Frömmigkeitsübungen dieselben Gnaden anderswo verdienen wollten.

Schliesslich sei noch vermerkt, dass wir aus der belgischen Benediktinerabtei Sint-Truiden (Provinz Limburg, etwa halbwegs zwischen Lüttich und Löwen)41 eine Reihe von Handschriften besitzen, die mit verschiedenen Kupferstichen des 15. und 16. Jahrhunderts illustriert sind. Ein aus der Abtei Gembloers nach Sint-Truiden berufener Mönch, Trudo von Gembloux (gest. 1579 od. 1582), verfasste im Zuge von Reformbemühungen der Aebte eine Blütenlese verschiedener asketischer Schriften, ein "Collectarium Praeceptorum Moralium", in welchem u.a. auch Ludolf von Sachsen mit Auszügen aus seiner "Vita Christi" ausführlich zu Wort kommt. Diese Blütenlese des Trudo von Gembloux ist dann im Skriptorium von Sint-Truiden verschiedentlich von schreibkundigen Mönchen zum Eigengebrauch kopiert worden. Ein Exemplar dieser Sammelhandschrift, vielleicht das Eigenexemplar des Autors ("Collegit hec et scripsit. frater Trudo gemblacensi natione. cenobita monasterij sancti Trudonis in Hasbania." f.290), ist auf Empfehlung von Eugène Piot durch Edmond de Rothschild erworben worden und befindet sich heute in Paris (Musée du Louvre, Collection Baron Edmond de Rothschild, Ms.1 = ex Fol. Int. 35)42. Diese Papierhandschrift enthält 58 Illustrationen, wovon 55 eingeklebte Kupferstiche unterschiedlichen Formats. F.297v ist die "Beweinung Christi" (L.151) aus Meckenems "Grosser Passion" eingeklebt; auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich ein lateinisches Reimoffizium zur Passion ("Horaria commemoratio dominice passionis rithmica cum subiectis pijs precibus"). Der schöne Abzug des Stiches auf bräunlichem Papier ist nur wenig koloriert. F.135v finden wir in der linken Spalte des lateinischen Textes die "Verkündigung" (L.68) aus Meckenems "Kleinster Passion" eingeklebt.

Ebenfalls vom Autor selber geschrieben ist ein weiteres, 1551 datiertes Exemplar des "Collectarium Praeceptorum Moralium" (Lüttich, Universitätsbibl. Ms.83)43, welches 6 Federzeichnungen und 50 eingeklebte Holzschnitte und Kupferstiche enthält. Auf f.410 dieser Handschrift ist Meckenems "Dornenkrönung" (L.146) aus der "Grossen Passion" eingeklebt. Unter dem Stich ein handschriftlich hinzugefügter Kommentar zur Betrachtung des Bildes: "...Disce adversa pati et proprie vigilare saluti. Hoc deus est quod imago docet sed non deus ipsa. Hanc videas sed mente colas quod cernis in illa. Sic et sanctorum sanctos memorabit imago. Ut contemplando vitam atque exempla sequaris.(Lerne, Widerwärtiges zu erdulden und bemühe dich wachsam um dein eigenes Heil. Gott ist, was das Bild lehrt, doch ist das Bild selber nicht Gott. Schau das Bild an, aber verehre im Geist, was du darauf wahrnimmst. So wird das Bild auch das Allerheiligste in Erinnerung rufen. Mögest du bei der Kontemplation Christi Leben und Beispiel nachfolgen.)" Ein ganz ähnlicher Kommentar, welcher zur Zeit der Glaubenskämpfe (in Auseinandersetzung mit den Bilderstürmern) zum richtigen Betrachten anleitet, findet sich unter der erwähnten "Beweinung Christi" des Pariser Exemplars.

Zwei weitere, vom Mönch Jacobus Gomer (1536-1557) kopierte Exemplare des "Collectarium" enthalten ebenfalls Stiche Meckenems, aber nicht solche zur Passion (Lüttich, UB Ms.39 u. Ms.248)44.

Im persönlichen Besitz des Trudo von Gembloux befand sich zudem ein "Sacrarium" (Lüttich UB, Ms.366)45, eine Sammelhandschrift mit insgesamt 62 Texten zur Geschichte, zur Klosterwirtschaft und zu den Reliquien der Abtei Sint-Truiden; darin eingeklebt sind 18 Holzschnitte und 14 Kupferstiche, meist aus dem 16.Jh. Auch vier Stiche aus Meckenems "Kleinster Passion" (L.82, 85, 94 u. 95) befinden sich in dieser Handschrift.

Somit waren in der Benediktinerabtei Sint-Truiden in der Mitte des 16.Jh. zahlreiche Holzschnitte und Kupferstiche vorhanden, die von Reformkreisen zwecks Förderung der Andacht zur Illustration von klösterlichen Handschriften benutzt worden sind. Es darf sogar vermutet werden, dass im Kloster selber von Laienbrüdern solche Andachtsbilder geschaffen worden sind, welche vor allem den Patron des Klosters, den Konfessor St. Trudo, und weitere Lokalheilige wiedergaben.46 Auch Meckenems Stiche waren im Skriptorium vorhanden und wurden in der Mitte des 16.Jh. als Buchillustration für asketische Schriften sehr geschätzt.

ABBILDUNGEN

Abb. 1: Berlin, Ms. germ. oct. 87, f.90v/91: "Jüngstes Gericht"
mit Text der Busspsalmen. (Copyright Bildarchiv Foto
Marburg).

Abb. 2: London, BL Ms. Sloane 3981, f.13v/14: "Gefangennahme"
(Lehrs 143), mit Matutin zum Hl. Kreuz. (Copyright
British Museum).

Abb. 3: Paris, BN lat. 1173, f.94v: "Kreuztragung" (Lehrs 149).
(Copyright Bibliothèque Nationale, Paris).

Abb. 4: Warschau, Muzeum Narodowe. "Christi Erscheinung vor
Maria". Meister des Breslauer Krappe-Altars (Copy-
right Muz. Narodowe, Warschau).

Abb. 5: Holzschnitt "Christus erscheint Jakobus minor, dem
Joseph v. Arimathia u. Petrus". Meister von Haarlem.

Abb. 6: Holzschnitt "Christus vor Kaiphas" und "Verleugnung
Petri". Meister von Haarlem. (Copyright Bibliothèque
Royale, Brüssel).

Abb. 7: Kupferstich "Christus vor Kaiphas". Israhel van Meckenem
(Lehrs 93). (Copyright Bibliothèque Nationale, Paris).

Abb. 8: Holzschnitt "Lazarus erzählt Simon von der Hölle".
"Kalendrier des Bergers", Genf 1497.

Abb. 9: Holzschnitt "Verlegermarke Antoine Vérard, Paris".
In den "Heures" vom 20. Aug. 1490.

Abb. 10: Paris, BN fr. 1686, f.9v: "Letzte Rast Christi auf dem
Kreuz" (Lehrs 150). (Copyright Bibliothèque Nationale,
Paris).

Abb. 11: Titelblatt "Doctor Keiserspegrs Passion...". Strassburg,
Joh. Grüninger, 29. Nov. 1514. Holzschnitt "Geiler auf
der Kanzel im Strassburger Münster". (Universitätsbiblio-
thek Basel).

Abb. 12: Holzschnitt "Der Hausvater verteilt die Partikel des
Lebkuchens". "Doctor Keiserspegrs Passion...", f.VII.
(Universitätsbibliothek Basel).

Anmerkungen


1 ) Max Lehrs: Geschichte und kritischer Katalog des deutschen, niederländischen und französischen Kupferstichs im XV. Jahrhundert. 9 Textbde. u. 9 Tafelbde. Wien 1908-1934.

2 ) Fritz Koreny [Hg.]: Israhel van Meckenem. 2 Bde. Amsterdam 1966 (=F. W. H. Hollstein: German Engravings, Etchings and Woodcuts, Bd.24 u. 24A)

3 ) Gerard Achten: Das christliche Gebetbuch im Mittelalter. 2.Aufl. Berlin 1987, Nr.71.

4 ) Hans Wegener: Das Gebetbuch der Johanna von Bocholt. In: Westfälische Studien. Leipzig 1928 (=[Festschrift] Alois Bömer zum 60. Geburtstag gewidmet), S.228-232.

5 ) Henri L. M. Defoer u.a.: Die goldene Zeit der holländischen Buchmalerei. Stuttgart/Zürich 1990, S.252 u. Taf.X/89.

6 ) Jutta Schnack: Der Passionszyklus in der Graphik Israhel van Meckenems und Martin Schongauers. Münster 1979 (=Bocholter Quellen u. Beiträge, hg. v. d. Stadt Bocholt, Stadtarchiv. Bd.2).

7 ) Renate Baumgärtel-Fleischmann: Ausgewählte Kunstwerke aus dem Diözesanmuseum Bamberg. Bamberg [1983], S.54.

8 ) Hans Georg Gmelin: Spätgotische Tafelmalerei in Niedersachsen und Bremen. München/Berlin 1974, Nr.15; Schnack 1979 [wie Anm.6]:Abb.4.

9 ) V. Leroquais: Les livres d'heures manuscrits de la Bibliothèque Nationale. Bd.1. Paris 1927, S.104-108 u. Abb.Bd. Pl. XCII-XCV; vgl. Lehrs [wie Anm.1] Bd.9, S.166.

10 ) Jean Gerson: Oeuvres complètes. Introduction, texte et notes par P. Glorieux. Bd.1. Paris 1960, S.112.

11 ) Verkündigung Mariae f.9v; Anbetung der Könige f.22v; Darstellung im Tempel f.24v. Vgl. L. Delisle: Les grandes heures de la reine Anne de Bretagne et l'atelier de Jean Bourdichon. Paris 1913; R. Limousin: Jean Bourdichon, peintre et enlumineur, son atelier et son école. Lyon 1954.

12 ) Testard arbeitet unter Karl von Angoulême und für dessen Witwe, Louise v. Savoyen, sowie für beider Sohn, König Franz I., von welchem er 1523 eine Pension erhält. Vgl. John Plummer: The Last Flowering. French Painting in Manuscripts 1420-1530 from American Collections. New York/London 1982, Nr.62.

13 ) Anne Matthews: The Use of Prints in the Hours of Charles d'Angoulême. In: Print Quarterly 3/1(1986),S.4-18, mit Abb.

14 ) Leroquais 1927 [wie Anm.9]:Bd.1,S.105 [ganzer Text].

15 ) Kurt Ruh: Der Passionstraktat des Heinrich von St. Gallen. Diss. phil. I. Zürich 1940.

16 ) Albert Viktor Schelb: Die Handschriftengruppe "Do der minnenklich got". Diss. phil., Freiburg i.B. 1972.

17 ) Textausgabe = Bonaventura: Meditationes Vitae Christi. In: S. Bonaventurae Opera omnia, ed. A. C. Peltier. Paris 1864-1871, Bd.12, S.509-630; K. Ruh: Art. Meditationes Vitae Christi. In: Verfasserlexikon 2.Aufl., Bd.6(1987),Sp.282-290.

18 ) Textausgabe = Ludolphus de Saxonia: Vita Jesu Christi. Hg. v. A.-C. Bolard u.a. Paris/Rom 1865; Walter Baier u. Kurt Ruh: Art. Ludolf von Sachsen. In: Verfasserlexikon 2.Aufl., Bd.5(1985), Sp.967-977.

19 ) Jehan Gerson: La Passion de Nostre Seigneur. Hg. v. Georges Frénaud. Paris 1947, S.81 "...car aucuns avoient mangé leur argent et de l'or, et pour le prendre on les achetoit et occioit. Et jusques à cy, véez vous encores que la punition dure: ils sont fuitifs et espars par tout le monde".

20 ) Lexikon für Theologie und Kirche. 2.Aufl. Das Zweite Vatikanische Konzil. Dokumente und Kommentare. Hg. v. H. S. Brechter u.a., Teil 2(1967),S.405-495; Marie-Louise Gubler: Juden und Christen - die fremden Brüder. Stuttgart 1981 (Kath. Bibelwerk, Kl. Reihe zur Bibel.23).

21 ) Rolf Vogel (Hg.): Ernst Ludwig Ehrlich und der christlich-jüdische Dialog. Frankfurt a.M. 1984.

22 ) "...ideo in parasceve cum oratur pro perfidis Iudaeis, genua non flectimus" Migne, Patrologia Latina Bd.198, Sp.1629.

23 ) Vgl. Kurt Ruh: Studien über Heinrich von St. Gallen und den "Extendit manum"-Passionstraktat. In: Zeitschrift für Schweizerische Kirchengeschichte (Freiburg/Schweiz) 47/1(1953), S.247-261.

24 ) James D. Breckenridge: "Et prima vidit". The Iconography of the Appearance of Christ to his Mother. In: Art Bulletin 31(1957), S.9-32.

25 ) Adam S. Labuda: Israhel van Meckenem und die osteuropäische Malerei. Ueberlegungen zur Rezeption des graphischen Vorbildes. In: Unser Bocholt 33(1982) H.4, S.47-56.

26 ) H.-François Delaborde: Le procès du chef de saint Denis. In: Mémoires de la Société de l'Histoire de Paris 11(1884), S.297-409; D. Kimpel: Art. Dionysius von Paris. In: Lexikon der christlichen Ikonographie Bd.6(1974), Sp.61-67, mit Abb.1 (Miniatur aus dem Stundenbuch Karls VIII., BNP lat. 1370, f.212v).

27 ) Luc Indestege [Hg.]: Tboeck vanden Leven ons Heeren Iesu Christi. (Geeraert Leeu, Antwerpen 1487). Facsimile-Druk van de Houtsneden. Antwerpen 1952, mit allen Holzschnitten.

28 ) Pars 2, cp. 116 = Bolard 1865 [wie Anm.18]:Sp.1597.

29 ) Gustav Grunau [Hg.]: Le Grand Calendrier des Bergiers von Jean Belot Genf 1497. Mit einführendem Text von Hans Blösch u. Adolf Fluri. Bern 1920, S.35-44 u. S.XXXII-XXXIX, mit Abb.

30 ) John Macfarlane: Antoine Vérard. London 1900 (=Illustrated Monographies issued by the Bibliographical Society.7), S.129-131; A. Claudin: Histoire de l'Imprimerie en France au XVe et au XVIe siècle. 4 Bde. Paris 1900-1914 (=Kraus Reprint, Nendeln/Liechtenstein 1976), hier: Bd.2(1901), S.468f.; zudem BNP Ms. fr. 8815, f.27v.

31 ) Claudin [wie Anm.30] Bd.2(1901):S.385-506.

32 ) Claudin [wie Anm.30] Bd.2(1901):Abb. nach S.258.

33 ) Vgl. Lehrs [wie Anm.1] Bd.9, S.166.

34 ) [Ausstellungskatalog] Anne de Bretagne et son temps. Nantes. Musée Dobrée. Nantes 1961.

35 ) L. M. J. Delaissé, James Marrow u. John de Wit: The James A. Rothschild Collection at Waddesdon Manor. Illuminated Manuscripts. London/Fribourg 1977, S.471-486 [2. Krönung]; Otto Pächt u. Dagmar Thoss: Französische Schule II. Wien 1977, Textbd. S.16-19 [Begräbnis].

36 ) John Harthan: Stundenbücher und ihre Eigentümer. 2.Aufl. Freiburg i.B. 1982, Farbabb. S.127.

37 ) Karl Bihlmeyer [Hg.]: Heinrich Seuse. Deutsche Schriften. Stuttgart 1907, S.314-322.

38 ) Pius Künzle: Heinrich Seuses Horologium Sapientiae. Freiburg/Schweiz 1977, S.282.

39 ) Auktionskatalog Sotheby Parke Bernet & Co., London, 18. Juni 1982, Nr. 482, S.52-55; polykopierte Verkaufsliste H. P. Kraus, Rare Books and Manuscripts, New York 1988 [mit Kollation].

40 ) E. Persoons: Prieuré de Groenendaal, à Hoeilaart. In: Monasticon Belge. Bd. 4/4. Lüttich 1970, S.1067-1087; C. Morlion: Art. Groenendaal. In: DHGE Bd.22(1988), Sp.314-319.

41 ) Abbaye de Saint-Trond, Ordre de Saint-Benoît. In: Monasticon Belge Bd.6. Lüttich 1976, S.13-67.

42 ) Lehrs [wie Anm.1] Bd.9,S.82.

43 ) [Ausstellungskatalog] Handschriften uit de abdij van Sint-Truiden. Sint-Truiden, Provinciaal Museum voor Religieuze Kunst, 28.6.-5.10.1986. Löwen 1986, Nr.33.

44 ) Kat. Sint-Truiden 1986 [wie Anm.43]: Nr.32 u. 34.

45 ) Kat. Sint-Truiden 1986 [wie Anm.43]: Nr.41.

46 ) E. Deconinck: Handschriften met gravures. In: Kat. Sint-Truiden 1986 [wie Anm.43]:S.65-71.

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